„[Ich bin] ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. …
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;“

Dieses berühmte Zitat aus Goethes Faust beschreibt, ein wenig modifiziert, die heutigen Bäretswiler Bemühungen sehr gut. Ganz adventlich, in Erwartung, reiste das Fanionteam aus Bäretswil am Morgen nach Oberbüren, mit der „Kraft, die stets das Gute will und stets das Schlechte schafft“ – doch, das war der Fluch, ahnten die Spieler ihr Verhängnis noch nicht. Das erste Spiel gegen Widnau begann nämlich mit einem Paukenschlag: Nach nur zwei Minuten bediente S. Meier Bruder E.Meier, dieser erwischte den Widnauer Goalie in der Verschiebung und legte zum 1:0 vor. Etwas genügsamer gestalteten die Bäretswiler nun das Spiel mit, man lag schliesslich in Führung… Widnau liess sich jedoch nicht lange bitten: Zuerst schossen die Rheintaler den Ausgleich und liessen Torhüter Kuratle kurz darauf beim Tor zum 1:2 schlecht aussehen, von weit hinten in der eigenen Zone schloss ein Widnauer etwas verdeckt ab und traf in der unteren linken Ecke. Bäretswil war nun also gefordert, doch was tut der Geist, der stets verneint? Er wähnt sich auch im Rückstand noch relativer Sicherheit. So stürmten die Widnauer munter weiter an, und auch Bäretswil spielte mit, wenn auch nicht mit dem gewünschten Zug aufs Tor. Etwas spät dran waren die Bäretswiler Verteidiger dann auch in der 17. Minute, das Spiel hatte in der Zwischenzeit keine nennenswerten Aktionen geboten, als eine Notbremse zum Penalty für Widnau führte. Dieser Penalty wurde ohne viel Aushebens, fast zu einfach, versenkt und führte zum Stand von 1:3 für Widnau. Bäretswil war jetzt langsam aber sicher in der Bredouille und das schien in den Köpfen angekommen zu sein. Analog zum zweiten Widnauer Treffer fasste sich Osterwalder in der 18. Minute ien Herz und schloss ebenfalls diesseits der Mittellinie verdeckt ab und konnte den Ball ins Tor segeln lassen. Der Anschlusstreffer weckte dann noch mehr Kräfte und führte sogar noch zu einem Lattentreffer vor der Halbzeit.

In der Pause wurde besonders die Defensive noch einmal in die Pflicht genommen, das Spiel musste über eine saubere solche gewonnen werden. Doch wieder im Spiel ging der Ballbesitz hin und her, der DTB traf wieder nur die Latte, Widnau seinerseits den Pfosten. Dann ein etwas ungeschickter Ballverlust Widnaus, Kuratle kann Schmitter, der blitzartig umstellt, lancieren, ein Querpass auf Fischer und der Ausgleich ist realisiert. Entstand hier so etwas wie ein Momentum für die Bäretswiler? Bereits in der 26. Minute erhöhte Ganz zur erneuten Bäretswiler Führung, die Zürcher Oberländer hatten zurück ins Spiel gefunden. Erstmals seit der 2. Spielminute schien wieder so etwas wie die Überzeugung, dass das Spiel zu gewinnen wäre, in den Bäretswiler Köpfen aufzutauchen. Die Freude währte indes nur kurz, „denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht“ (mit klassischem sz gesprochen), so kam es nur gut eine Minute später zum Ausgleich von Widnau, wiederum mit einem Weitschuss, der von der Bäretswiler Abwehr nur ungenügend geblockt wurde, nochmals eine Minute später bejubelten die Rheintaler gar den erneuten Führungstreffer, wiederum mit einer Kanone aus der Weite; wer heute gut schiessen konnte, dem verlieh der Parkettboden einen wertvollen Booster! Die Bäretswiler gaben aber nicht auf: Im Gegenteil, das Gute wollten sie ja und das hiess: den Sieg oder zumindest Punkte einfahren. Dass das Wollen und das Vollbringen verschieden Ding sind, mussten Gysin und Ganz auf die harte Tour lernen, beim Anstechen hinter dem eigenen Tor stimmte das Timing zum Doppeln nicht ganz, der bedrängte Widnauer konnte seinen vor dem Tor nach dem Abschluss geifernden Kollegen schön anspielen und auch dieses Tor wurde auf das Konto der Widnauer zum Stand von 4:6 verwertet. Bäretswil legte mit einer Konzentration auf zwei Blöcke noch einmal alles in die Wagschale und wurde prompt belohnt: Fischer konnte G. Meier in der 38. Minute anspielen und mit ihm den Anschlusstreffer zum 5:6 feiern. Doch wiederum währte die Freude nur kurz: Widnau fand bei einem Freistoss den Weg durch die Mauer und zog wieder mit 5:7 davon. Nun also doch noch ultima ratio: Das Spiel ohne Torhüter! Zwar konnte Ganz noch den Anschlusstreffer zum 6:7 erzielen, allerdings netzte auch Widnau noch ins leere Tor ein, und holte sich verdient die zwei Punkte, setzte den Schlusspunkt der drei diesjährigen Begegnungen zwischen den beiden Teams und behielt auch das letzte Wort. Fazit: Das Gute hatte man gewollt, oft sogar leidenschaftlich, doch zu oft doch das Schlechte geschafft. Und so dekonstruierte man sich – besonders in der Defensive zu oft selbst.

Die zweite Begegnung des Tages stand unter dem Zeichen der Wiedergutmachung (für das letzte Spiel) und der Bestätigung (des Sieges an der letzten Runde). Und siehe da: Die ersten Bäretswiler Einsätze verrieten Spielfreude, Engagement und sogar die so oft vermisste Cleverness. Schon in den ersten beiden Einsätzen beschäftigten die Bären den Hinwiler Torhüter, zwar noch ohne Erfolg, aber doch mit einer verheissungsvollen Kadenz und Schüssen, die aufs Tor kamen. Fast etwas gegen dieses Startfeuerwerk kamen aber die Hinwiler von der Bande aus in der Bäretswiler Hälfte zum Abschluss und versenkten diesen auf der für den Torhüter schwierigen Hüfthöhe gleich zur 1:0 Führung. In der Folge dämpfte sich das Bäretswiler Spiel etwas, die Anfangseuphorie schien wie weggeblasen, „Courte et bonne“ könnte man mit C.F. Meyer zusammenfassen. In der 7. Minute stimmte für einige Sekunden die defensive Zuteilung im Block Fischer, G. Meier, Brunner nicht richtig und schon konnten die Pinken auf 2:0 erhöhen. Und es kam dicker: In Minute 9 führt ein Fehler im eigenen Spielaufbau zu einem ärgerlichen Ballverlust vor dem eigenen Tor zu einem Schuss, der via Pfosten und Maske seinen Weg zum 3:0 ins Tor führt. Der Bäretswiler Optimismus war wie weggeblasen! Die eigenen Torchancen waren in dieser Phase des Spiels rar gesät und hinten machte man sich – und besonders Torhüter Huber – das Leben unnötig schwer. In der 10. Minute dann endlich der Lichtblick: Fischer lief solo von der eigenen Spielhälfte her an – mit dem ihm eigenen Bandentrick überlief er die gegnerische Verteidigung umrundete das gegnerische Tor und schloss erfolgreich ab. 3:1 und Fischer zeigte, dass er heute klar der stärkste Bäretswiler war. Doch nur einen Einsatz später verlagerte sich der Schauplatz wieder in den Bäretswiler Slot: Dort wurde ein nur der formhalber bewachter Hinwiler von seinem Mitspieler bedient und liess sich nicht bitten, die drei Tore Führung wieder herzustellen. Nun folgte endlich eine stabilere Phase des Spiels, die Bäretswiler wurden nun wieder gefährlicher, exemplarisch dafür steht G. Meiers Abschluss an die Latte mit der Vorarbeit von Fischer, solche Aktionen wären häufiger gefragt gewesen, hätte man zu Hinwil aufschliessen und nicht nur den Status Quo bewahren wollen. Doch auch die guten Phasen – auch die guten torlosen Phasen – finden ein Ende. Diese hier ein besonders Bitteres: Gysin liess den Ball vor dem eigenen Tor liegen, Hinwil konnte auf 5:1 erhöhen und das nachfolgende Anstürmen der Bäretswiler fand jeweils beim stark aufspielenden Torhüter sein jähes Ende. Für die zweite Halbzeit verordnete Coach Heise deshalb eine Reduktion auf zwei Blöcke in der Hoffnung neue Impulse zu setzen und den trotz des Zwischenstands guten Einsatz auch noch in Zähler umzuwandeln. Doch nur gut drei Minuten nach Anpfiff der zweiten Hälfte musste S. Meier für zwei Minuten auf die Strafbank. Das folgende Boxplay zeigte, dass die Bäretswiler gewillt waren noch zu reüssieren, keinen Treffer liessen die Akteure mit dem starken Huber auf dem Feld zu. Und neben diesem Hoffnungstreifen am Horizont konnte auch Ganz in der 30. Minute einstochern: Osterwalder hatte den Ball vors Tor gebracht, Ganz behauptete sich im Slot und liess seine Backhand den Rest erledigen. 5:2 nun für Hinwil. Nur eine knappe Minute später dann aber eine Strafe wegen wiederholten Stockschlages gegen G. Meier. Emotion liess sich dieses Mal nicht von der Bäretswiler Box beirren und erzielte schnell sein sechstes Tor. Dieses Tor war nun auch der Punkt, an dem Heise das Bäretswiler Timeout einzog. Mit knapp acht Minuten zu spielen, wollte man es noch einmal – zumindest phasenweise – mit vier zu drei Spielern versuchen. Doch dieser Versuch ging gewaltig in die Hose: Zuerst kassierte man in der 33. Minute den Treffer zum 7:2, dann zeigten sich die Bäretswiler, fast unbedrängt, auch noch verantwortlich für das 8:2 durch ein Eigentor. Zwischenzeitlich stürmte man zwar mit viel Elan an, man zeigte Einsatz, man kämpfte, doch vergebens, man scheiterte Mal für Mal an der Hinwiler Defensive und übers ganze Spiel gesehen auch immer wieder an sich selbst. Man scheiterte an den eigenen Erwartungen, am eigenen Eifer und Hader und vielleicht auch am eigenen Selbstbild, das wohl aus der Hinrunde noch etwas zu schmeichelhaft gezeichnet ist. 8:2 war dann auch das Schlussresultat, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass Huber in der 37. Minute noch einen Penalty hielt und somit wenigstens eine versöhnliche Szene mit in die nächsten zwei Wochen bis zur nächsten Runde nahm. Mit den heutigen Niederlagen hat Bäretswil den Anschluss auf die Playoffplätze verloren, es braucht nun eine konzentrierte Rückrunde um im Mittelfeld zu bleiben und zumindest noch von einer Verlängerung der Saison träumen zu dürfen.

Bäretswil: Huber; Ganz, Gysin, Osterwalder; Brunner, Brodbeck, E.Meier, S.Meier; Fischer, G.Meier, Schmitter; Kuratle

Bäretswil ohne Heise, Moser (beide verletzt)