In der Weltöffentlichkeit ging er fast vergessen – wohl, weil am Tag zuvor Jon Fosse der Literaturnobelpreis verliehen worden war, eine im Übrigen absolut verdiente Auszeichnung, zählt doch Jon Fosse schon seit Jahren zum Erstsemesterstoff angehender Skandinavistikerinnen und Skandinavistiker. Doch eine knappe Woche nach dieser denkwürdigen Verleihung, wollen wir nun doch noch des 125. Geburtstags des Bohèmelyrikers Nils Ferlin vom 11. Dezember gedenken, denn für unser Unihockey sind seine Gedichte der Stoff, der unser Spiel in ein neues Licht rückt, wohl mehr als man gemeinhin annehmen würde. Wem Nils Ferlin noch kein Begriff ist: Hier eine kurze Einführung: Nils Ferlin wuchs wie alle grossen schwedischen Literaten (Lagerlöf, Fröding) in Värmland auf (Astrid Lindgren ist natürlich die Ausnahme, die die Regel bestätigt) – die bildenden Künstler findet man hingegen in Dalarna (Zorn, Larsson). Er widmete sich dann dem Schreiben, schauspielerte und starb nach längerem Leiden 1961 in Uppsala. Der Grund, warum wir seines 125. Geburtstags gedenken (in Schweden geschah das wahrscheinlich am klimatechnisch etwas optimaler gelegenen Ferlintag im Juli), ist sein Gedicht «Infall» – übrigens auch tätowiert auf dem Oberarm des Rappers Petter. Dort heisst es:

Man dansar där uppe — klarvaket

är huset fast klockan är tolv.

Då slår det mej plötsligt att taket,

mitt tak, är en annans golv.

Eine freie, gänzlich unlyrische Übersetzung lautet:

Man tanzt dort oben – hellwach

ist das Haus, obwohl es zwölf ist.

Da schlägt es mich plötzlich, dass die Decke,

meine Decke, jemand anderes’ Boden ist.

Nun kann man dieses Gedicht als lustige Gedankenspielerei eines schlaflosen, partymüden Miesepeters abtun, oder darin lesen, was gesellschaftlich und in der Kleinfeldwelt geschieht: Gibt es nicht auch in der höchsten Kleinfeldliga den oberen Stock, die Sonnenterasse, in welchem sich in der Regel Teams tummeln, die dann auch in den Playoffs tanzen können, während alle anderen nur sehnsüchtig auf den vierten Rang hoffen, bevor dann einmal mehr bereits im Februar Ende Feuer ist? Ist für Teams wie Cazis oder Cevi nicht auch der 4. Rang der Boden, der Abgrund, während sich viele andere Teams vergeblich Saison für Saison nach genau dieser Decke strecken und trotz allem Einsatz und aller Bemühungen doch nicht oben mittanzen dürfen? Wir Bäretswiler zumindest, wir erkennen uns in diesem lyrischen Ich wieder und wie es die Spielplanung wollte, dürfen wir in der Spielzeit 23/24 nicht nur jede Runde zwei Spiele pausieren, sondern auch in der Mitte in zwei Spielen hintereinander gegen Cazis antreten, eben ein Team von oben und aktuell Leader. Nachdem man am 26. November das Spiel noch gewendet hatte und 9:8 gewann stand also drei Wochen später ein erneutes Rencontre auf dem Programm.

Bäretswil wollte seine Aufgabe gut machen, egal ob man führte oder im Rückstand lag, Cazis würde gewinnen wollen, man hatte letztes Mal mit dem Sieg die Ordnung nämlich gehörig durcheinander gebracht und von Ferlin wissen wir, dass es zwei Sorten Menschen gibt, die die vergessen und die, die sich erinnern – Cazis würde sich erinnern und Bäretswil bald auch: Man startete konzentriert – trotz Bullyverlust – und konnte im Spiel gut mithalten, zumindest 13 Sekunden lang. Dann fand sich Cazis Paradelinie bereits zum ersten Mal, mit einem äusserst präzisen Pass in den Slot, von wo ein Abschluss erfolgte und die Bündner Führung herstellte.

Mancher Bäretswiler erlebte ein Déjà-vu, schon im letzten Spiel musste man doch mit dem ersten Abschluss einen Rückstand hinnehmen. Bäretswil war noch nicht ganz auf Betriebstemperatur, zwar machte das Team vieles richtig und gut und das erhaltene Tor war zugegeben ein Leckerbissen, aber manchmal franste man schon ein wenig aus: Einsätze wurden verschlafen, am Bully vor lauter Überspannung zu früh gewerkelt, was Freistösse nach sich zog, Dinge eben, die einem Team in der optimalen Leistungszone nicht mehr passieren. Aber eben man zeigte auch, dass man durchaus wollte: In der fünften Minute erzielte Ganz mit einem sonnenklaren Hochstock ein Tor, das völlig zurecht nicht gegeben wurde – auch wenn selbst der Schiedsrichter die Schönheit der Aktion durchaus anerkannte. Und auch sonst brachte man immer wieder Abschlüsse aufs Tor, die dann aber von einem überaus starken Cazner Schlussmann gehalten wurden, in einzelnen Fällen vielleicht auch zu wenig zwingend waren. So verlief das erste Viertel des Spiels im Weiteren torlos, auf beiden Seiten wurden aber durchaus Chancen erarbeitet und auch die Defensiven schenkten sich auf beiden Seiten nichts, es wurde hart aber fair gekämpft – so soll Unihockey! Nach zehn Minuten pfiff der Schiedsrichter dann aber doch eine Strafe gegen Cazis wegen Sperrens, das anschliessende Powerplay scheiterte nur um Haaresbreite am Ausgleich, der Ball landete bei einem Schuss Osterwalders am Innenpfosten und von da wieder heraus, ansonsten war die Überzahl aber etwas zu langsam und ungenau, so dass die zwei Minuten ungenutzt verstrichen.

In der 15. Minute, das Spiel verlief wieder drei gegen drei, schaffte es die erste Cazner Linie wiederum einen Pass in den Slot zu spedieren und sich dorthin freizulaufen, das logische Resultat konnten alle in der Halle kurz darauf auf der Anzeigetafel ablesen. Und nur zwei Minuten später bekam Cazis einen Freistoss in nur wenig Distanz zum Bäretswiler Tor zugesprochen, nachdem dieser ausgeführt worden war, reagierte die Abwehr einen Moment zu langsam, so dass Berry Mass nehmen konnte und das 3:0 realisierte. Das Ärgerliche am Spielstand waren dabei weniger die drei erhaltenen Tore, sondern die bis dahin erzielten null Tore. Dennoch war man sich in der Pause im Grossen und Ganzen einig: Nicht viel ändern, weiter dranbleiben, dann würde sich das Spiel schon noch zu Gunsten Bäretswils wenden können. Inzwischen waren die Bäretswiler analog zum lyrischen Ich Ferlins auch erwacht und so langsam warmgelaufen, die zweite Hälfte durfte beginnen.

Cazis begann in der zweiten Hälfte sogleich mit Druck, doch nach einem langen Einsatz war es Fischer, der in Ballbesitz kam und über die linke Seite Tempo aufnahm. Der Cazner Verteidiger rechnete einen Augenblick zu lange mit einem Pass in die Mitte, schon war Fischer vorbeigezogen und schlenzte den Ball zum ersten Bäretswiler Treffer nach 22 Minuten ins Tor, dessen Hüter Cazis in der Pause eben noch ersetzt hatte. Etwas überraschend reagierte Cazis auf diesen Gegentreffer mit einem punktuellen Spiel in 4:3 Überzahl, was auch prompt zum erneuten Dreitorevorsprung reichte: Ein Pass von hinter dem Tor Bäretswil erreichte den frisch eingewechselten vierten Feldspieler, der ungehindert abdrücken konnte. In der Folge kam Cazis gleich zu mehreren Chancen, die jedoch nicht zum Erfolg führten. In der 33. Minute konnte Osterwalder auf einen Auswurf Kuratles alleine auf den Torhüter ziehen, scheiterte jedoch, der Gegenzug Cazis wurde sofort wieder unterbunden und einen erneuten Konter konnte wiederum Fischer auf Zuspiel von Osterwalder ins Tor zum 4:2 verwandeln. Im nächsten Einsatz, die 33. Minute lief noch immer, fasste sich dann S. Meier ein Herz und drosch den Ball unten rechts in die Ecke, das war der Anschlusstreffer zum 4:3 und die Bäretswiler sahen sich bestätigt: die Beharrlichkeit trug Früchte und man streckte sich zum zweiten Mal in dieser Saison nach der Decke. Die ultimative Chance auf den Ausgleich bot sich in der 35. Minute. Wieder wurde eine Strafe gegen Cazis gesprochen und Bäretswil konnte in Überzahl antreten. Von einem Powerplay sollte man jedoch nicht sprechen, in der ersten Minute der Strafe hatte Cazis mehr und gefährlichere Abschlüsse aufs Tor als Bäretswil. Doch auch das brachte den DT Bäretswil auf schon fast irritierende Weise nicht aus der Ruhe. So sah man Captain Osterwalder nach einem verzogenen Abschluss fachmännisch an seiner Schaufel herumdrücken und siehe da: Der nächste Abschluss passte wie die Faust aufs Auge («Seine Augen sind ohne Leben und eiskalt» – Ferlin, En boaorm.)Und das war auch der Ausgleich! Vom 3:0 aufs 4:4 gegen den Leader, doch noch waren dreieinhalb Minuten zu spielen und Cazis wollte sich nicht die Butter vom Brötchen nehmen lassen. Denn «in der Erinnerung wird man wenig reich, man erhielt sein Premium, sein A in Gymnastik – dann kam nur Prahlerei und Knall» (Ferlin, Korollarium.). Also Cazis Bullygewinn und schnell wieder auf vier Feldspieler. Dort liessen die Bündner den Ball lange zirkulieren, liessen die Bäretswiler laufen, auf dass sich die ideale Lücke öffne. Und dann ein Abschluss, den Kuratle noch knapp mit dem Bein erreichte, Weissenberger sicherte sich den Ball und die grösste Gefahr auf den Punkt war gebannt. Nachdem der Schiedsrichter dann auch noch einen Freistoss für Bäretswil gepfiffen hatte, nahm Webber ein Time-out und stellte die rhetorische Frage, ob man auf Sieg setzen wolle. Das Team nahm die Herausforderung an und stellte sich ohne Torhüter und mit einer guten Minute Restspielzeit wieder auf. Der Plan war, den möglichen Abschluss zu nehmen, aber sicher auch den Punkt zu sichern. Auftritt Fabian Osterwalder: Es gelang ihm, den «sicheren» Ball nicht hinter dem Tor durchzuspielen sondern backhand an die Torumrandung, wo der Ball hochspickte und ein Bündner ihn herunterholte, zum Glück mit hohem Stock, den der Schiedsrichter unter lautem Protest des Cazners ahndete, ansonsten hätte diese Aktion einen Punkt gekostet («Ja, Menschen, sie rackern und stöhnen, aber nur selten holen das Glück sie ein». Ferlin, Poeterna har sagt.). Mit noch knapp fünf Sekunden auf der Uhr nahm selbiger Osterwalder ein weiteres Mal Anlauf und schloss als hinterster Mann ab. Der Ball prallte aber sogleich vom vordersten Cazner ab und rollte knapp neben dem Tor vorbei. Die Schlusssirene ertönte und Bäretswil hatte es zweimal knapp nicht geschafft den erkämpften Punkt wieder zu verschenken!

Damit holte man sich in der Saison 23/24 drei von vier möglichen Punkten gegen den amtierenden Meister und aktuellen Leader. Cazis: Wir hören eure Musik! Wir wissen zwar nicht, wie euer Boden aussieht, aber unsere Decke hat Risse!

DT Bäretswil – F.P. Niederwil (Gastbeitrag: Mario Huber):

Beide Teams starteten mit viel Offensivdrang in die Partie und kamen bereits in den Startminuten zu guten Abschlüssen. Doch Wagner und Huber hielten beide die Null für ihre Farben fest. Die Zweikämpfe und Laufduelle wurden diszipliniert, aber hart geführt und beide Teams drückten auf den Führungstreffer.

In der elften Spielminute bediente Captain Robin Thaddey seinen Bruder Yanik, und dieser netzte aus der Drehung zum 1:0 für Niderwil ein. Direkt nach Wiederaufnahme des Spiels und einer Verteidigungsaktion an der Bande blieb der Bäretswiler Verteidiger Nik Schmitter mit beiden Händen an seinem Knie liegen – eines dieser Bilder, welche man schlecht erträgt, wenn man Unihockey liebt. Schmitter wurde mit Verdacht auf eine Verletzung im Gelenk ins Spital gebracht. Bäretswil zeigte sich danach etwas geschockt und nach exakt zwölf Minuten legte Pascal Niedermann auf das Zuspiel von Yanik Thaddey per Drehschuss zum 2:0 für Niderwil nach. Das Schlusslicht der Gruppe 2 hatte damit definitiv die Startphase für sich entschieden.

Bäretswil zeigte sich bemüht, und die Linie um Fabian Osterwalder, Jonas Fischer und Gian Meier wirbelten die Niderwiler-Abwehr mit ihren Kreisläufen auch gehörig durcheinander, so dass sich Yanik Thaddey nur noch mit einem Foul zu helfen wusste und für zwei Minuten auf dem Schwedenkasten Platz nehmen musste. Kaum saß dieser bequem, sah er, wie Fischer hinter dem Tor durch Ganz bediente, welcher den Ball noch über die Kurzdistanz um den Pfosten und zum 2:1 Anschlusstreffer einschob.

Nach dem erneuten Anspiel fasste sich Cornel Schmid für Niderwil ein Herz, lief mit dem Ball am Stock um den Bäretswiler-Kasten, der Band nach in Richtung eigene Bank, drehte sich dann im Lauf gegen die Bande ab und traf als Rechtsschütze, für Huber unhaltbar, ins nahe obere Eck.

Der Materialwart (wenn wir dann einen hätten) legte drei Minuten vor der Pause bereits das Taktikboard und das Playbook für kreative Offensivaktionen bereit, so dass Trainer Webber bei seiner Ansprache aus dem Vollen schöpfen kann, doch dies wäre gar nicht nötig gewesen. Die nächsten Sekunden hatten es in sich: Die Linie Ganz, Brodbeck, S. Meier lief und passte kreuz und quer durch die Abwehrzone der Gegner, und am Ende war es Gabriel Ganz, der per Drehschuss auf 2:3 stellte. Nach dem Anspiel und dem halbherzigen Freistoßversuch von Niderwil löste Eliah Meier auf Dennis Weissenberger aus, und dieser zeigte seinerseits, dass auch sein Drehschuss zu den Knallern der Liga gehört! – Hüter Wagner blieb es überlassen, den Ball beim Stand von 3:3 wieder zum Anspielkreis zu rollen.

Nach der Pausenansprache und dem Medical-Update zum Zustand und dem Verbleib von Nik Schmitter ging es in die zweite Hälfte. Auch hier gehörten die ersten Minuten wieder den beiden Goalies, die beidseitig mehrere Chancen entschärften. In der 27. Minute drehte sich E. Meier durch die gegnerische Abwehr, blieb mit seinem Abschluss aber noch hängen. Doch Boas Gisin setzte aus der Distanz nach und brachte die Zürcher Oberländer erstmals in Führung.

Niderwil schickte gleich wieder ihre Toplinie auf Torjagd, und der Captain Robin Thaddey zwickte den Ball per Drehschuss an Brodbeck und auch Huber vorbei ins nahe Eck. Diese enge Partie kam nun in die entscheidende Phase. Bäretswil zeigte zwar mehrere gute Abschlüsse in dieser Phase, vermochte die Chancen aber nicht in Tore umzumünzen. Captain Osterwalder fing in der 29. Minute den Ball ab, ging in den Gegenstoß, blieb aber in seiner Drehung hängen. Die Niderwiler Nummer 10 schnappte sich den Ball und bezwang Huber kaltblütig mit einem Handgelenkschuss zur wohl entscheidenden Wende in diesem Spiel. Beim Stand von 5:4 bekamen die Zuschauer in der Halle einige Chancen zu sehen, und die Partie lief hoch und runter. Gerade zum Ende der 36. Minute verloren zuerst Brodbeck und dann Ganz den Ball in der Vorwärtsbewegung, und Yanik Thaddey knipste im Gegenzug den Ball halbhoch in die Maschen zum 6:4. Die noch exakt drei Minuten auf der Uhr mussten nun klappen, wollte Bäretswil auch in dieser Partie noch Punkten.

Goalie raus und mit vier Spielern Druck aufsetzen war der Plan. Man verlor den Ball, und Niderwil traf zum 7:4. Osterwalder drückte nach einem Freistoß den Ball noch zum 7:5 in die Maschen, doch Niderwil spielte das Ganze gekonnt runter und erhöhte ein Blinzeln vor dem Schlusspfiff sogar noch auf 8:5 ins leere Tor. Trotz Kampf und viel Wille reichte es nicht für einen Punkt und die letzte Partie im Jahr 2023 ging so verloren.

Bäretswil: Huber, Kuratle; G. Meier, Fischer, Osterwalder; Ganz, S.Meier, Weissenberger; Gysin, E.Meier, Schmitter; Brodbeck. Bäretswil ohne Moser (verletzt, ass. Coach), Webber (verletzt, Coach) .

Bild: Nils Ferlin in Filipstad

Av Bengt Oberger – Eget arbete, CC BY-SA 3.0, K G Bejemarks staty över Nils Ferlin på Stora Torget i Filipstad