Die Vorbereitungen
Ein passendes Datum mit einer allen genehmen Anspielzeit zu finden gestaltete sich gelinde gesagt schwierig. In Würenlos, dessen TV Heimrecht geniessender Gegner des DT Bäretswil war, fand bis Samstagabend das Dorffest statt („Have Fun“ lautet das vielsagende Motto! Aber als Hauptact am Freitagabend trat also tatsächlich Šuma Čovjek auf, eine Band, die ich gerne empfehle!) und so wurden zuerst einmal absurdeste Anspielzeiten vorgeschlagen, am Mittwochabend, am Dienstagabend, alles, bloss nicht am vorgegebenen Cup Wochenende – oder dann vielleicht schon am Wochenende, aber in Bäretswil?. Da der Mensch ja eigentlich dazu neigt, möglichst „ja“ zu sagen, war diese Zeit der Terminfindung auch für unseren Team-Manager Osterwalder nicht einfach. Mal für Mal musste er Würenlos wieder abberichten (Mitschuld daran trägt allerdings auch das undurchsichtige Hallenreservationssystem in Bäretswil: Es gibt einen Onlinekalender, der nichts taugt: Mal zeigt der „nicht reservierbar“ an und es stellt sich auf Nachfrage heraus, dass man sehr wohl reservieren kann. Ein anderes Mal zeigt die grüne Farbe im System die Verfügbarkeit an und wenn man dann ein Heimturnier definitiv reservieren will, wird einem beschieden, der Termin sei ja in den Ferien und dann könne man die Halle sowieso nicht reservieren; vielleicht erleben einmal den Tag, an dem eine Turnhalle nicht mehr als Schulobjekt mit ausnahmsweisen Ausleihen an Vereine, sondern als Sportobjekt, das tagsüber der Schule zur Verfügung steht, angesehen wird) und wir können nur ahnen, wie frustrierend die Suche nach Halle und Datum und Zeit für den TV Würenlos war, deren Teammanagerin sich ihrerseits vielleicht über die unsagbare Kooperationsverweigerung der Bäretswiler Gäste ärgerte.
Der Spielort
Wer Würenlos denkt, denkt Fressbalken. Vielleicht kommt einem auch das völlig offensichtliche und darum etwas wertlose (und in unserem Zusammenhang auch wirklich unangebrachte) Wortspiel mit Würdenlos in den Sinn. Diese zwei Assoziationen beruhen darauf, dass kaum einer die nette Gegend im Limmattal abseits der Autobahn kennt (ähnlich etwa, wie wenn Hawaiianerinnen und Hawaiianer aus ihren Flitterwochen in Las Vegas zurückkommen und sich schwören, nie nie wieder in die Lower 48 zu fahren, weil es dort ja schrecklich, d.h. wie in Las Vegas, sei). Tatsächlich wurden wir schon beim Eintreffen auf dem Schulhausplatz eines besseren belehrt. Die Dorfjugend genoss dort den ausklingenden Sommertag und wir traten ein in einen zeitlosen Raum: Die Mehrzweckhalle ist in einem Gebäude untergebracht, wie es wohl Mitte des letzten Jahrhunderts (zugegeben: jetzt übertreibe ich, von Kunst- oder Architekturgeschichte verstehe ich nichts, ich korrigiere mich:), dessen Baujahr für mich wie aus der Mitte des letzten Jahrhunderts aussah. Einmal eingetreten verströmte der Raum, die nette Atmosphäre eines Hauchs von Nichts. Kein Geruch – kein guter, aber auch kein schlechter, Keine Verzierungen, aber auch kein Gekritzel an der Wand, das verblasst oder ein Poster von der EM 2008, sondern funktionale Wände zur Raumbegrenzung, Treppen, die nach oben und unten führten und geradeaus der Zugang zur Mehrzweckhalle. Trotz dieser Schlichtheit drängte sich die Erkenntnis auf, dass die Innenarchitektur jünger sein muss als das Gebäude selbst. Und dass der Architekt des Umbaus nichts mehr beweisen musste, sondern sich darauf konzentrieren konnte, in den bestehenden Begrenzungen im Rahmen eines wohl nicht üppigen Budgets das beste herauszuholen. Dieser Eindruck bestätigte sich, beim Eintritt in die Halle. Sie ist in schlichtem Weiss gehalten, kein blendendes Schneeweiss, sondern ein bescheidenes weiss, dass ausdrückt: „Wir können es uns leisten, unsere Halle weiss zu streichen und wir müssen die Farbe auch nicht jedes Jahr auffrischen“. Dazu ein anthrazitfarbener Hallenboden mit allen wichtigen Markierungen und einer aufregenden Geschwindigkeit. Ein Boden mit Grip und doch können die Torhüter blitzschnell verschieben. Kurz: Ein Boden, den man sich wünscht, und den andere Vereine sich mühsam mit dem Ausrollboden zu erwerben hoffen (und den Vergleich mit dem Bäretswiler Boden muss erst gar nicht gezogen werden). Bei Eintritt wurde man schliesslich mit dem Banner „Welcome to Paradise“ eines finnischen Ausrüsters begrüsst. Abgesehen davon, dass ich meine, ein solches, vielleicht ja genau dieses, Banner sei in Arosa vor über zehn Jahren (was für ein Sommer in Arosa!) geklaut worden, liess es mich ins Nachdenken kommen: Was, wenn wir tatsächlich im Paradies gelandet sind? Was, wenn das Paradies vielleicht nicht die orgiastische Üppigkeit, nicht das Barocke ist, sondern einfach das, was man braucht? Dass wenn eh alles nie genug ist, vielleicht das Paradies darin besteht, dass es genug ist? Dass es für einen gelingenden Unihockeyabend vielleicht nicht mehr braucht, als eine solche Halle, mit einem solchen Boden. Zwei Teams, die sich aneinander messen, bevor es nächsten Tag wieder ins Alltägliche zurückgeht. Wenn ich der TV Würenlos wäre, ich würde die Mehrzweckhalle in „Paradies“ umbenennen. Aber vielleicht wäre genau das wieder ein Fehler: Die Erwartungen, die geweckt würden, die Überheblichkeit, die attestiert würde, die Vergleiche zu anderen Hallen, die dann unausweichlich gezogen werden würden. Darum: Mir bleibt die Mehrzweckhalle Würenlos sicher in guter Erinnerung, als ein zeitloser, schöner, ehrlicher Unihockeyort.
Mit grossem Besucheraufmarsch rechnete man indes nicht: Zehn Stühle wurden gezählt, und die Vermutung angestellt, vielleicht habe der TV Würenlos mit fünf Freundinnen/Ehefrauen/Partnerinnen gerechnet und dann für die Bäretswiler etwa dieselbe Rechnung aufgestellt. Etwas mehr Zuschauende waren dann doch am Spiel: Ein Bäretswiler Grüppchen aus vom Surseecup Zurückkehrenden Herren 2 Spielern und den einberechneten Partnerinnen und auch für Würenlos ein vielleicht etwas grösseres Grüppchen. Vom Hörensagen weiss ich, dass es auf der Tribüne nicht ganz so harmonisch zu und her ging, aber unten im Paradies war davon nichts zu spüren.
Das Spiel
Einen spannenden Bericht zum Spielverlauf zu schreiben scheint etwas müssig. Kurz: Bäretswil gewann das Spiel mit 18:3. Herauszustreichen ist besonders der Torhüter von Würenlos, Pascal Bächli, der Mal um Mal und über die gesamte Spielzeit hinweg mirakulös rettete: Weitschüsse, Querverlagerungen, 1:1 in allen Situationen mochte er den Bäretswiler Stürmern selbstbewusst entgegenzutreten. Trotzdem: Nachdem das Spiel knapp fünf Minuten ohne Tor auskam, stand es bereits nach dem ersten Drittel 9:1 für die Bäretswiler, die bei etwas reduzierter Torproduktion (der Grund dafür war zu grossen Teilen eben just jener Pascal Bächli) relativ mühelos (aber nicht etwa einsatzlos oder locker) die Oberhand behalten.
Der Schiedsrichter
Doch lieber noch ein paar Zeilen zum Unparteiischen. Seine Spielleitung ist kein Thema. Er war jedoch in mehrfacher Hinsicht interessant. So früh er vor Spielbeginn auftauchte, so schnell verschwand der nach dem Abpfiff in seiner Garderobe und war mit seiner Tasche schon auf dem Heimweg, als die ersten Spieler sich nach dem gemeinsamen Aufräumen zum Umziehen aufmachten. Begegnete ich dem Mann privat, würde ich wohl ein lockeres, unkompliziertes Gespräch mit ihm führen, vielleicht Tagesthemen besprechen und es alles in allem eine anregende Begegnung finden. So auch der Eindruck beim kurzen aber netten Gruss beim Vorbeigehen. Als er aber zum Anpfiff blies, wussten alle in der Halle, wer heute Abend das Sagen haben würde. Ein gellender, nie enden wollender Pfiff tönte durchs Paradies und fortan war der Pfiff – war der Mann im Militär Feldweibel?- die Peitsche des Spiels. Gestreng schauend, manchmal bellend anweisend, hatte der Unparteiische die Wechselzone scharf im Blick und konnte auch von der Mitte aus sehen, wie die Bälle hinten absprangen. Den ganzen Abend gab es kaum Diskussionen oder gar Streitereien mit dem Schiedsrichter, der nicht nur der älteste Mann auf dem Platz, sondern vermutlich auch in der Halle war. Und doch dieser Strenge, dieses unerbitterlichen Pfeifens liess er dann doch ab und zu seinen Schalk durchblitzen. So etwa bei einem Penalty zu Torhüter Kuratle: „Jetzt hast du auch mal Gelegenheit, dich auszuzeichnen“, nur leider blieb ihm diese Auszeichnung verwehrt…
Torschützen und ihre Tore (in alphabetischer Reihenfolge)
Amweg, Oliver (TV Würenlos): Hatte seine Sternstunde im letzten Drittel: Zuerst verwandelte er den Penalty zum 15:3 (wobei dreschen, wohl das Stichwort wäre) und traf kurz vor Schluss noch die Latte
Brodbeck, Samuel (DT Bäretswil): Brodbeck musste sein Visier etwas einstellen bis ihm im letzten Drittel das Tor zum 17:3 gelang, dann aber unter grossem Jubel und sichtlicher eigener Erleichterung (und schön war das Tor!)
Ganz, Johnny (DT Bäretswil): Webber (kein Tor, aber doch Toppunktesammler mit fünf Assists, das heisst in den vierzig Minuten, in denen er spielte, war er an einem Drittel der Bäretswiler Tore beteiligt) hatte sich zentral vor dem Tor der Würenloser festgesetzt und zog die Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich, Ganz bot sich für einen kurzen Pass an und konnte zum 13:2 reüssieren (28:40).
Meier, Elia (DT Bäretswil): Das 2:0 nach 06:59 auf einen Pass aus der Ecke von Webber und das 7:0 nach 15:50 wieder auf Pass von Webber.
Meier, Gian (DT Bäretswil): Die Tore zum 5:0 (12:55) und zum 8:0 (16:51) jeweils das Zusammenspiel von Weissenberger und G.Meier, beim 5:0 war es ein direktes Zuspiel in die Mitte, beim 8:0 konnte er einen Abpraller verwerten.
Meier, Silas (DT Bäretswil): Realisierte drei Tore, beim Penalty scheiterte er an Torhüter Bächli. Das 3:0 (07:17) war ein Drehschuss, das 4:0 exakt fünf Spielminuten später entstand aus einem Pass von Osterwalder aus der Distanz. Beim letzten Tor des Abends, dem 18:3 (58:32) schliesslich spielte Osterwalder einen Pass von ganz hinten gerade durch die Mitte und fand dort S. Meier, der alleine vor dem Torhüter stand.
Moser, Micha (DT Bäretswil): Moser beschloss den Bäretswiler Torreigen im ersten Drittel, indem er einen Abpraller Weissenbergers blitzschnell verwerten konnte, 9:0 (19:29)
Osterwalder, Fabian (DT Bäretswil) : Osterwalder zeichnete sich fürs 6:0 (14:28) verantwortlich: S. Meier fand ihn in der Mitte, von wo er den Ball frei ins Tor hauen konnte. Das 16:3 (50:45) markierte das Ende der Hoffnungen auf einen Drittelsshutout von Bächli, Osterwalder schoss von aussen.
Pfiffner, Ben (DT Bäretswil) : Ganze vier Tore gelangen Pfiffner an diesem Abend: Zuerst das 1:0 (4:50) auf ein Zuspiel von E. Meier, kollektive Erleichterung, dass man Tore schiessen kann. Zehn Tore später das 11:2 (23:53), wo Pfiffner den Ball flach hielt und in dergleichen in die Ecke trieb. Das folgende 12:2 im einzigen Powerplay, S. Meier mit einer Querverlagerung und Pfiffner büschelte den Ball zuerst umständlich, bevor er ihn im Goal unterbrachte. Und schliesslich noch das 14:2, das Spektakuläre zum Abschluss. Pfiffner dribbelte sich hinter dem Tor durch und zog vor dem Torhüter vorbei und versenkte den Ball in der Ecke, 14:2 (30:16)
Schmandt, Simon (TV Würenlos): Hatte zwar sein Trikot zuhause vergessen, war aber im zweiten Drittel zuvorderst am Ball: Halb gestürchelt, halb vorgedrängelt, schmuggelte er den Ball zum 9:2 an Huber vorbei (20:36)
Städler, Christian (TV Würenlos): Ganz zum Schluss des ersten Drittels, Bäretswil wähnte sich schon fast mit einem 9:0 Vorsprung in der Pause, konnte Städler den Ball nach einer Querverlagerung an Webber und E.Meier vorbei im Bäretswiler Tor unterbringen (19:47)
Weissenberger, Dennis (DT Bäretswil): Weissenberger zog immer wieder die Aufmerksamkeit mit spektakulären Weitschüssen auf sich, die auch durchaus das Potential hatten, reinzugehen. Das 10:2 (23:46) spedierte er hoch ins Tor und das 15:2 (33:35) bei einem schnell ausgeführten Konter nach Zuspiel von und lautem Zurufen zu G. Meier.
Bäretswil: Huber, Kuratle; E. Meier, Pfiffner, Webber; Brodbeck, S. Meier, Osterwalder; Ganz, G. Meier, Moser, Weissenberger. Bäretswil ohne G. Ganz (Autopanne, Shoutout an den AdBlue Spezialisten bei der Garage!)