Die Heimrunde ist für ein Team immer etwas Spezielles. Die Gelegenheit Freundinnen, Familie und Zugewandte einzuladen und ihnen 80 Minuten des bestmöglichen Unihockeys zu bieten. Vor Letzterem allerdings hatten die Bäretswiler mit gutem Grund etwas Respekt. Denn bisher war das beste Unihockey einfach nicht gut genug oder das gezeigte Unihockey war nicht das Beste. Ausgerechnet an der Heimrunde auf Leader Mörschwil und auf Elgg, das Langnau im Cup gebodigt hatte (wir erinnern uns, 19:5), zu treffen, machte die Aufgabe nicht gerade leichter. Trotzdem freute man sich endlich wieder einmal in der MZH Dorf zu spielen, die dem Herren 1 seit Ende September aufgrund eines Neubaus und gewissen Vorgängen hinter den Kulissen der Gemeinde, die an dieser Stelle nicht kommentiert werden müssen, nicht mehr zugänglich ist. Heimspiel auswärts also, Heimrunde in der Exilsaison. Wie immer gibt es natürlich auch in diesem Bericht eine ungeschönte Kritik auch der eigenen Heimrunde (ach wir wünschten alle Teams wären so selbstkritisch wie wir!). Garderobeneinteilung: Wir wissen welcher Gedanke der unsinnigen Idee Pate stand, zwei Teams, die ihre Spiele fast zeitgleich absolvieren zusammen in die Garderobe zu verstauen. Der Gedanke nämlich, dass nach dem Mittag bald einmal die ersten Teams ihre Garderobe räumen würden und diese dann bereits früh gereinigt werden können. Praktisch für alle, die einen Helfereinsatz haben, unpraktisch für alle, die spielen (aber wenn wir uns je mit einem Team die Garderobe auf engem Raum teilen müssen, dann natürlich gerne wieder mit euch, F.P. Niederwil). Über den Boden in der MZH gibt es keine Neuigkeiten zu berichten, einzig die Frage, wieviel Staub auf einer begrenzten Fläche überhaupt liegen kann. Es gibt natürlich auch positives zu berichten: Wie jedes Jahr lag wieder eine attraktive Vereinsbroschüre mit Interviews, Ausblicken, einem inspirierenden Editorial und gehaltvoller Werbung auf (und dies, liebe Lesende, ist für einmal keine Ironie, sondern blankes, stinkendes Eigenlob, gern geschehen!).
Das erste Spiel gegen die in der Tabelle führenden Mörschwil Dragons, die sich im Sommer durch geschickte Verstärkungen vom ambitionierten Mittelfeldteam zum konkurrierenden Spitzenteam mauserten, konnte immerhin gelassen angegangen werden. Verlieren war ausnahmsweise nicht verboten, jeder Punktegewinn würde aber Balsam auf die geschundene Bäretswiler Seele sein.
Wir wurden ja alle noch vom Erfolgsrezept der Mörschwiler vom Chippen in die Mitte, vom Ball direkt vor den Slot gewarnt. Und doch war die erste Aktion ein solcher Pass und ein freier blitzschneller Abschluss, der nur mit Glück noch an Kuratles Bein hängen blieb. Mörschwil setzte also von Beginn ab einen Akzent, doch Bäretswil liess sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Man lief von nun an noch einen Schritt gewissenhafter mit dem Gegner mit und versuchte geduldig eigene Chancen zu kreieren. In der 5. Minute war es dann aber doch Mörschwil, das eine kurze Unaufmerksamkeit ausnutzen konnte, zuerst in der gegnerischen Ecke den Ball erobern konnte und nach einem Lauf und Drehschuss in die untere linke Ecke das 1:0 für sich in Anspruch nehmen konnte. Was an der letzten Runde vielleicht noch in Ausrufen, beschuldigenden Blicken oder Niedergeschlagenheit ausgeartet wäre, wurde nun hingenommen und abgehakt. Zwei Einsätze später kam Moser an den Ball, schloss ab und egalisierte den Spielstand zum 1:1. Das Spiel verlief nun weitestgehend ebenbürtig, rein chancentechnisch hatte wohl Mörschwil etwas Oberwasser, die grundsätzlichen Spielanteile waren aber gleichmässig verteilt. In der 10. Minute konnte Mörschwil einen Freistoss dazu nutzen Durcheinander in die Abwehr zu bringen und in der Folge die Bäretswiler so zu desorganisieren, dass ein Querpass zum freistehenden ehemaligen Schiedsrichter Christoffel geschoben werden konnte, der dann umgehend die Führung für die St. Galler herstellte. Bäretswil brauchte nur gerade 23 Sekunden, um den Gleichstand wieder herzustellen: E. Meier drückte nach einer sehenswerten Ballannahme ab, nachdem wiederum J. Ganz den Assist gegeben hatte, der schon vorher Moser bedient hatte.
Einer der entscheidenden Momente im Spiel kam nun. Es wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, die freigesetzte Energie aufs Feld zu bringen und einander bis zum Limit zu pushen. Doch Bäretswil spielte leider weiterhin nur sauber, geduldig und konstant, aber zu wenig angriffslustig, zu wenig frech, zwar traf Webber einmal noch die Latte und der Ball ging hinter dem Torhüter zu Boden, aber eben nicht ins Tor. Als würde man sich einen Sieg gegen Mörschwil dann doch nicht ganz vorstellen können. So war es denn halt Mörschwil, das mit Treffern in der 15. und 17. Minute auf 4:2 davonziehen konnte und sich so ein (letztendlich entscheidendes) Polster für die zweite Hälfte sichern konnte.
In der zweiten Hälfte startete Bäretswil dann aber doch wieder entschlossener und machte sofort Druck. Der Ballbesitz wurde oft in der gegnerischen Hälfte verteidigt und auch wieder zurückgewonnen, die Defensive begann hoch, so dass der Anschlusstreffer nur eine Frage der Zeit sein würde. G. Meier setzte schon in Minute 21 ein Ausrufezeichen in Form eines Pfostenknallers.
Fakt und Tatsache war dann aber, dass Mörschwil einfach kaltblütiger war, nach einem Abpraller war man schneller am zweiten Ball und konnte die Führung in der 30. Minute auf 5:2 erhöhen. Das Spiel ging zwar munter hin und her, doch so richtig gelingen wollte den Bäretswilern nichts. Erst Osterwalder, der im Training schon gezeigt hatte, was er von ausgeklügelten Freistossvarianten hält (nicht so viel), visierte bei einer Standardsituation die Lücke an und traf. Endlich! ganze 24 Minuten hatten die Bäretswiler gebraucht, um endlich den dritten Treffer zu realisieren. Wer nun dachte, das Momentum könne auf die Seite des Heimteams kippen, dachte falsch: Nur kurz nach dem Anschlusstreffer wurde in einem empfindlichen Augenblick des Spiels eine sehr harte Strafe gegen E. Meier gepfiffen. Das anschliessende Powerplay war noch nicht erfolgreich gewesen als Moser und Kuratle scheinbar in den Ballbesitz kamen, doch Moser verlor unglücklich das Gleichgewicht, Kuratle konnte den Ball noch nicht kontrollieren, so dass der lachende Dritte, ein Mörschwiler seinen Freund quer auf der anderen Seite bedienen konnte und auf 6:3 erhöhte. Als wenig später dann auch noch das 7:3 fiel, schien das Spiel definitiv verloren, trotzdem setzten die Bäretswiler alles auf eine Karte und ersetzten nach einem Time-out den Torhüter durch einen vierten Feldspieler. Der Versuch fruchtete: Webber konnte bedient von G. Meier das 7:4 erzielen. Mit zweieinhalb Minuten auf der Uhr würde ein Ausgleich noch möglich sein. Also weiterhin Torhüter raus, vier Feldspieler rein. Im nächsten empfindlichen Moment im Spiel verdribbelte sich jedoch S. Meier und verlor den Ball, der prompt ins eigene Netz spediert wurde – zum 8:4. Nun waren nur noch etwas über 30 Sekunden zu spielen und wohl nichts mehr zu holen. Etwas aus dem Nichts gelang dann aber Pfiffner auf Zuspiel von E. Meier das 8:5 und S. Meier das 8:6. Also in letzter Verzweiflung und sechs Sekunden auf der Uhr noch einmal vier Feldspieler einsetzen, um das Unmögliche zu versuchen. Doch es reichte nicht. 8:6 war der Endstand, wobei es nicht das Ende war, sondern die Verzagtheit (und ein wenig das Pech) in entscheidenden Momenten, die das Spiel zwar als solides Auftreten und somit in Ordnung für das Heimpublikum, aber nicht mehr in unseren Erinnerungen langsam verblassen lassen werden.
Für das Spiel gegen Elgg, eben Langnau Bezwinger und letztjährige Playoffhalbfinalisten, nahmen sich die Bäretswiler vor, das Solide und den kühlen Kopf mitzunehmen, die guten Aktionen zu feiern und auch endlich mal einen Sieg einzufahren. Es wurden kleinere Änderungen in den Blöcken vorgenommen, die jedoch schon vorgängig kommuniziert waren und auch hier kein Hauruck oder etwa Panik erahnen liessen.
Das Spiel gegen Elgg begann ähnlich wie jenes gegen Mörschwil: Chance für den Gegner in der ersten Minute und ein Abschluss, nur dass dieser auch gleich im Tor landete. 1:0 für Elgg. Etwas dicker kam es, als S. Meier etwas kontextlos auf die Strafbank musste und ein 2:0 in gefährlicher Nähe lag. Doch Hubers Können blitzte in dieser Unterzahl ein erstes Mal auf und als er den Ball wieder freigab, schnellte des Schiedsrichters Hand zu einer (noch kontextloseren) Strafe gegen Elgg in die Luft. Bäretswil war nun plötzlich im Vorteil und konnte im Spiel 2:2 und einem Freistoss ins numerische Überzahlspiel wechseln. Das de facto fast dreiminütige Spiel in Überzahl konnte Osterwalder nach kaum zwei Minuten assistiert von Webber ins 1:1 verwandeln. Nun konnte der Bäretswiler Motor endlich starten, immer mutiger und kühner wurden die Angriffe, die Bank feierte alle Abschlüsse und immer wieder auch den herausragenden Huber im Tor. In der 9. Minute gelang dann ein Kunststück, das schon lange nicht mehr gelungen war: Bäretswil ging durch Captain Webber persönlich oder durch G. Ganz (die Angaben sind nicht eindeutig und es gibt Fürsprecher auf beiden Seiten) endlich einmal wieder in einem Spiel in Führung! Zwar wahrte dieses Glückgefühl nur gerade 4 Minuten, doch diese genügten scheinbar, um den Glauben an den Sieg etwas tiefer in der geschundenen Bäretswiler Seele zu zementieren (und natürlich trug auch das Publikum mit seiner Unterstützung das Seinige zu einem dynamischen Bäretswiler Auftritt bei, alle fieberten sie mit, auch Papa Meier war wieder einmal zugegen und kommunizierte mit seinen Söhnen, ob es wieder ums Filmen oder anderes ging, ist nicht überliefert, die Stimmung war derart grossartig, dass sogar die, ich muss es noch einmal erwähnen, grossartigen Vereinsbroschüren ungelesen auf den Tischen liegen blieben, weil auf dem Platz spannendes, attraktives Kleinfeldunihockey geboten wurde und zwar auf beiden Seiten! Gruss an dieser Stelle auch an Felix Wüthrich aus Elgg, der das Spiel sicherlich eloquenter in Worte fassen könnte, als mir es je gelingen wird). Doch wieder riss eine Strafe, diesmal gegen G. Meier die Bäretswiler unvermittelt aus dem Konzept (wir erinnern uns das Vokabular ist „kontextlos“). So konnte Elgg doch wieder in Führung gehen und nur gut drei Minuten vor Spielhälfte auf 3:2 erhöhen. War es der Trotz, das Publikum, die Freude am Unihockey, der Teamspirit oder etwas im Bäretswiler Trinkwasser? Irgendetwas liess die Bäretswiler nur noch entschlossener auftreten. Weissenberger also nach dem Gegentor aufs Feld, kriegt den Ball von J. Ganz und drescht den Ball unter die Latte zum erneuten Ausgleich! Mit diesem 3:3 und Lust auf mehr ging es in die Pause wo man sich vornahm mehr vom Gleichen zu bieten und sich bei den Themen Abstand und Stockschlag noch etwas vornehmer zurückzuhalten, um nicht den Verdacht einer Strafe auf sich zu lenken.
Die kurze Pause hatte den Bäretswilern sichtlich gut getan: G. Meier schoss sich die Anspannung seiner absolvierten Weiterbildung mit dem 4:3 in der 21. Minute von der Seele, nur wenig später erhöhte G. Ganz auf Pass (hier muss man präzisieren, ein hoher Ball von Webber, den Ganz mit einer Lässigkeit sondergleichen volley ins Netz spedierte) von Webber zum 5:3 und wieder G. Meier nur 30 Sekunden später zum 6:3. In Bäretswil lief es plötzlich wie am Schnürchen. Und Elgg war nicht etwa passiv oder untätig, doch Huber einfach zu stark und Elgg vielleicht auch ein wenig abgelenkt von seinem Hadern mit den Schiedsrichtern (das konnte bereits im Spiel vorher beobachtet werden). Der nächste Bäretswiler Einsatz geriet entsprechend lang (eben weil Elgg doch auch Ballbesitz hatte und Bäretswil geduldig seine langen Einsätze leisten musste) und es wurde bereits zum Wechsel gerufen, doch S. Meier wollte lieber noch schnell ein Tor schiessen (welch Albtraum eines Coaches!), was er auch tat und zufrieden und bejubelt zum Wechsel antrabte. Es war der berühmte Tropfen, der das Elgger Fass zum Überlaufen brachte – zumindest nahm sich das Team nun doch ein Timeout – und würde wohl mit vier Feldspielern zu retten versuchen, was zu retten war (und wir erinnern uns an turbulente Spiele gegen Elgg, die plötzlich auf beide Seiten kippen können!). Doch Torhüter Huber hatte in der zweiten Hälfte geschlossen und liess sich nicht von drei und nicht von vier Elggern bezwingen, er tauchte und streckte sich und schnappte sich Bälle hinter dem Tor, es war eine wahre Freude, ihn in seinem Element zu sehen! Doch das Timeout der Elgger hatte zumindest den Effekt das die Bäretswiler Torproduktion etwas abrupt gestoppt wurde. So stand es bis in die 36. Minute 7:3, bis E. Meier auf Pass von Pfiffner das 8:3 ins leere Tor erzielen konnte. Das 9:3 in der 7. Minute erzielte G. Ganz unter diesen kuriosen Umständen: Webber hatte ganz fest eins auf die Finger bekommen und schrie auf. Der Schiedsrichter liess sich – im Gegensatz zu allen anderen in der Halle – nicht erweichen und liess weiterspielen, also schlenzte G. Ganz den Ball halt ins Tor, um dem perplexen und schmerzverzerrten Webber endlich Linderung auf der Bank zu verschaffen. Der wahre Leckerbissen des Abends (und die Latte lag bereits hoch!) kam aber erst noch. Huber hatte wieder einmal fantastisch gerettet und konnte Osterwalder lancieren, dieser lief der Bande nach nach vorne und platzierte den Ball milimetergenau zum 10:3 unter der Latte, die Halle tobte, der erste Sieg der Saison war Tatsache – umso schöner, dass es kein Lottersieg war, sondern ein erkämpfter, und von A bis Z sauber gespielter Sieg.
Bäretswil findet sich nun bereits weitab der Abstiegsplätze in Playoffnähe (nun gut, das ist bestenfalls eine Halbwahrheit: Platz 8 und punktegleich mit Platz 9 ist immer noch gefährlich. Aber: Auch ein Playoffplatz liegt zumindest noch in machbarer Reichweite, wenn man in Bäretswil ein Gefühl und Rezept dafür entwickeln kann, zu spielen wie zuhause). Next: Otelfingen gegen Niederwil und Gossau zum Auftakt der Rückrunde!