Ich war einmal in Illinois, nicht in Chicago, sondern so ausserhalb in den Maisfeldern. Die Freunde, bei denen ich wohnte, zeigten mir die Vereinigten Staaten mit Midwest-Flair (es war die Obama Ära): County Fair, Bull-Riding und zum Essen alles deep-fried. Dann waren wir auch in einem Ort, der Lake Geneva hiess. Ganz interessiert besuchten wir das Ortsmuseum und fragten, wie der Ort zu seinem Namen kam. Die lapidare Antwort: Benannt nach dem Ort Lake Geneva im Staat New York, mein Schweizer Herz, sackte in die Hose und enttäuscht zogen wir von dannen. Jetzt sollten der Unihockeyclub dessen DT vom Dream Team abgeleitet ist (aber explizit nichts bedeutet, ein genialer Streich von Mitgründer und heute Gossau- und Natitrainer Thomas Abbühl!) vielleicht keine zu grosse Klappe führen, was die Benamsung angeht. Nun war der DT Bäretswil aber zu Gast bei den Langnau Tigers in Biglen. Die Langnau Tigers hiessen früher noch ganz bescheiden Zäziwil-Gauchern. Bis sie dann Logo und Namen der SCL Tigers annahmen, diese wiederum kamen zu ihrem gefährlichen Namen durch den Tigerkäse, eine Marke, die später von Emmi übernommen wurde. Die Namenseytomologie ist also ungefähr gleich enttäuschend wie diejenige von Lake Geneva, Il.
Wenn wir aber von enttäuschend sprechen, dann fällt den Bäretswilern auch der letzte Cupmatch gegen die Emmentaler ein: gleich mit 20:5 ging dieser verloren, nichts zu melden, nicht einmal gegen Tigerkäse (zum Glück heissen wir nicht mehr Dream Team). Dieses Jahr führte uns die sogenannte Auslosung wieder nach Biglen (hätten die Tigers ihren 16tel Final verloren, wäre Wiler auf dem Programm gestanden, also alle Jahre wieder…), das Kader musste dank genialer Ferienpläne von Ganz, Osterwalder und Webber mit schmalen Marginalen antreten, doch der Hunger auf ein Weiterkommen war zumindest gross.
Spielbeginn in der Unihoc Arena in Biglen (lieber Jan-Inge Forsberg: Falls du das liest: In Bäretswil hätten wir auch gerne eine eigene Halle, wir nennen sie gerne Unihoc Arena, Zone Arena, Renew Arena oder Wallenstamhallen, da sind wir ganz flexibel, wir würden sogar den Club in DT Unihoc Bäretswil umbennen) war um 19.00 Uhr vor ca. 30 Zuschauern, darunter eine erfreulich hohe Anzahl an Kindern, das macht die Atmosphäre doch gleich herziger und auch zwei Bäretswiler Anhängerinnen verloren sich in den Kanton Bern.
Das erste Drittel, es sollte aus Bäretswiler Sicht das fulminanteste sein, begann mit einem Paukenschlag, bei einer Querverlagerung fand S. Meier R. Weissenberger und dieser traf zum 1:0. Kurz darauf waren die Tiger an der Reihe: Von hoch oben schoss ein Langnauer passgenau, während Kuratle im Tor gescreent wurde. Und schon stand es 1:1. Und dann war wieder der DTB an der Reihe: S. Meier nahm beim Bully den Ball schoss und drehte auf 2:1, gespielt waren noch keine 2 Minuten. Die Tigers versuchten bald wieder auf Unentschieden zu drehen und wechselten bei einem Freistoss auf vier Feldspieler zu wechseln. Leider war der zusätzliche Feldspieler etwas zu früh auf dem oder der Goalie etwas zu spät vom Feld und die Folge war eine Strafe gegen Langnau. Das Powerplay dauerte nur einen Abschluss von G. Meier, der daneben ging, bis die Tigers ihren Torhüter wieder durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzten. Der DTB konnte den Käsetigern den Ball aber wieder abluchsen und auf durch R. Weissenberger auf Zuspiel von G. Meier auf 3:1 erhöhen. Nun lief es dem DT etwas zu gut, man hielt sich vielleicht etwas für ein Dream Team, die gefährlichen Situationen in der Defensive häuften sich und in der sechsten Minute traf Langnau von der Mittellinie zum Anschlusstreffer und in der 8. Minute kam der Ausgleich. Der Traum hatte also eine kurze Halbwertszeit und das Spiel wieder offen. In der 9. Minute kam es dann zu einer kuriosen Situation: G. Meier wurde im Auge getroffen und während er raushumpelte traf Bäretswil zum 4:3 und konnte wieder davonziehen. Es kam noch besser: In der 10. Minute erhöhte D. Weissenberger auf 5:3 und damit hatte man in einem halben Drittel schon gleichviele Tore geschossen, wie im letzten Jahr über 60 Minuten. Die zweite Hälfte des Drittels war dann aber etwas überschaubarer: Eine angezeigte Strafe gegen Lütolf musste nicht gepfiffen werden, weil die Tigers auf 5:4 verkürzen konnten. Das 6:4 fiel durch E. Meier auf Zuspiel von R. Weissenberger, in der 17. Minute kam Langnau wieder auf 6:5 heran und dann kam die Strafe gegen Langnau und alles ging irgendwie schief: Wieder kam Langnau in Ballbesitz, wieder wechselten sie auf drei Spieler und diesmal konnten sie den DTB ausspielen und den Ausgleich erzielen. Nur wenig später verpasste D. Weissenberger das leere Tor, der Ball spickte etwas unglücklich zurück, ein Langnauer konnte weit vorne lanciert werden und hatte alle Zeit der Welt, um den verdatterten Bäretswilern zum ersten Mal ein Führungstor reinzudrücken. Das erste Drittel endete kurz darauf und Bäretswil konnte grundsätzlich stolz auf seine Leistung sein, aber die Führung wurde etwas zu leichtfertig aus der Hand gegeben, das musste sich ändern, wollte man noch eine Chance auf den Viertelfinal hoffen können.
Und das zweite Drittel begann zuerst ganz passabel: G. Meier käsperlete lange mit dem Ball herum, bis er seine Lücke fand und das Spiel zum Stand von 7:7 ausgleichen konnte. Doch nur wenige Sekunden später prallte der Ball im Aufbau unglücklich von der Bande ab, Langnau konnte das Spiel blitzschnell verlagern und das 8:7 erzielen. Nun köchelte die Stimmung auch zusehends etwas auf, Schiedsrichter Dietz fiel aber mit guter Kommunikation auf und hatte das Spiel im Griff. In der 23. Minute konnten die Tigers dann wieder die Bäretswiler ausspielen und fanden eine weitere Querverlagerung, Huber im Bäretswiler Tor war aber mit dem Körper vor Ort, doch der Laser kullerte doch irgendwie durch und schon zogen die Tiger zum ersten Mal mit zwei Toren Differenz. In der 23. Minute wechselte Langnau bei einem Freistoss auf vier Spieler und der Hammer, der da kam landete unhaltbar zum 10:7 im Bäretswiler Tor (was für ein zehntes Tor, das sollte zwei Kuchen/Biere geben!). Nun war wirklich wenig Feuer auf Bäretswiler Seite: Mal für Mal war Huber rettend zur Stelle und gegen vorne war man allenfalls bemüht. Einziger Lichtblick: Als E. Meier (nicht zum ersten Mal diese Saison) wegen Bodenspiels auf die Strafbank geschickt wurde, konnte das Boxplay hinten dicht halten. Erst in der 31. Minute wurde es dann wieder hektisch ums Bäretswiler Tor, dieses wurde verschoben, Huber rückte es wieder zurecht – trotz Druck Langnaus, welches besseres zu tun hatte, nämlich den Ball ins wieder zurechtgerückte Tor zu schiessen. Zwar folgten Bäretswiler Proteste, aber am Spielstand von 11:7 änderte sich deswegen nichts. Bäretswil hatte nun alle Coolness verloren und stand neben seinen Schuhen, so konnte Langnau auch noch in der 35. Minute kontern und nicht einmal der lobenswerte Einsatz E. Meiers vermochte die erneute Querverlagerung und das folgende 12:7 zu verhindern. Den Schlusspunkt dieses schwachen Bäretswiler Drittels setzte erneut Langnau: der hinterste Bäretswiler setzte den Ball in den Block, der anschliessende Konter erzielte das 13:7 und G. Meier fiel gleichzeitig (ohne Fremdeinwirkung) wegen einer Verletzung im Oberschenkel aus.
Vor dem letzten Drittel war es also eine dicke Sauce, ein Fondue sozusagen, aus der sich die Bäretswiler wieder hochstrampeln mussten. Die Beine des schmalen Kaders brannten und es galt nun noch das beste aus der Situation zu holen. Das dritte Drittel begann aber mit dem 14:7 Langnaus. Zwar wurde vor dem Treffer noch auf Kuratles Hände geklopft, der Schiedsrichter liess es aber als „offener Ball“ laufen. Der DTB brauchte einfach zu viel Aufwand (und zu viele Gegentore!), um zählbares zu produzieren. E. Meier konnte mit einem neuen Stock das 14:8 erzielen, Langnau schoss das 15:8 und darauf folgte die Kombination R. Weissenberger -> S. Meier zum 15:9 aber kurz darauf antwortete Langnau mit dem 16:9. Der DTB wurde seine Hypothek aus den ersten beiden Dritteln einfach nicht los. Auf das 16:10 durch E. Meier folgte bald das 17:10 und nun wechselte Bäretswil wenn möglich auf vier Feldspieler. Diese neue Ausgangslage konnten aber dann nur die Tiger für sich nutzen und das Experiment wurde nach zwei Gegentoren und beim Stand von 19:10 wieder abgebrochen. Bäretswil war nun doch etwas verzweifelt und in gewissen Situationen überfordert und etwas desolat unterwegs. Das 20:10 Langnaus illustriert das bestens, hinter dem eigenen Tor fand man nicht mehr die Kraft und Konzentration einen guten Ball zu spielen, also schnappte sich Langnau den Ball und konnte den wartenden Stürmer mutterseelenallein vor dem Tor schön bedienen. Die letzten drei Minuten des Spiels gehörten dann wieder Bäretswil: Zweimal Lütolf und einmal Brodbeck konnten sich in die Skorerliste eintragen. Beim Stand von 20:13 endete ein Spiel, das hoffnungsvoll begonnen hatte, in dem die Bäretswiler aber letztendlich zu schmalbrüstig und zu oft mit Schwachstrom auftraten. Die Cupreise ist damit zu Ende, so ein Käse!
Bäretswil: Kuratle, Huber; E. Meier, G. Meier; S. Meier, R. Weissenberger, D. Weissenberger; Brodbeck, Lütolf, Schmitter Bäretswil ohne Ganz (Ferien), Moser (verletzt, Coaching), Osterwalder (Ferien), Pfiffner (verletzt), Webber (Ferien),