„My heart ist beating like a jungle jam“ – „Drum! Es heisst Jungle Drum!“ – Gespräch zwischen Osterwalder und Ganz in der Kabine.
Obwohl von einem Nobelpreisträger (Rudyard Kipling, 1907) verfasst, muss ich zugeben, das Dschungelbuch (richtiger wären ja sogar „Die Dschungelbücher“) kenne ich nur aus dem Disneyfilm von 1967. Und damit ist ja schon fast alles gesagt darüber gesagt, wie selbst Medien, Literatur, Trivialliteratur darüber hinaus, nicht mehr dem Vergnügen, sondern nur noch der Medialisierung dienen. Deshalb kann ich auch nicht abschliessend beurteilen, ob das frohe Kinderbuch, das mir durch die Walt Disneysche Linse mit Spitzenmusik und einzigartigen Charakteren (Balu! Kaa! Shir Khan! Hathi!) vermittelt wird, vielleicht tief- vielleicht auch abgründiger ist als FSK0. Vieles deutet darauf hin: Kiplings Blick auf den indischen Subkontinent und die Stellung des britischen Empires ist aus postkolonialer Sicht sicher zu untersuchen. Was aber- wir kommen dann schon mal noch zum Unihockey – sicher ist: Erstens: Es ist bezeichnend für unsere Zeit und unser Verhalten, dass wir selbst Medien oft von einem Drittmedium vermittelt bekommen (Ich kenne Wilhelm Tell nur von Globi und nicht von Schiller, den Grinch nur von Jim Carey und nicht vom unerhört-genialen Dr. Seuss aus La Jolla), zweitens diese Vermittlungen lassen oft aussen vor, was sich eingraben, was wehtun oder ärgern könnte. Ich hatte z.B. mal im Rahmen eines Andersen Seminars zwei verstörende Stunden zur kleinen Meerjungfrau, da treibt es mir heute fast noch die Schamesröte ins Gesicht – nix da Steeldrumkaribikfeeling und leuchtende Aquariumfischli wie bei Arielle – dafür gewinnt Lagerlöfs (Nobelpreis 1909) „Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“ an Tiefe und Bedeutung, wenn man es als Geographiebuch liest.
Aber Dschungelbuch war das Stichwort. Wie im Dschungel fühlte es sich an, in der Sporthalle Elsau. Elsau, das ja im Eulachtal, eingeklemmt in der Ecke hinter Winterthur , wo der Kanton Zürich noch nicht aufgehört und Mostindien noch nicht begonnen hat, liegt. Was heisst es fühlte sich an wie im Dschungel. Ich war ja noch nie dort (in diesem einen Dschungel), aber der einzige Ort in der Schweiz, wo ein ähnliches Klima vorherrscht, liegt auf dem Zürichberg und beheimatet Chamäleone und Makis. Ein Aufwärmen im wörtlichen Sinn war also überflüssig, aber ein Einspielen umso wichtiger, da jetzt endlich die Saison 26/27 losgehen sollte.
Im ersten Spiel empfing uns das Heimteam aus Elgg, ein Gegner, gegen den die Spiele mal so, mal so fallen und beide Mannschaften schon sehr dominant und schon fast peinlich dilettantisch auftraten. Deshalb sei es wichtig, so schärfte D. Weissenberger der Truppe ein, den Start nicht zu verschlafen, das könne sich später rächen. Seine Worte fielen dann später auf fruchtbaren Boden, aber leider im Sinn einer dunklen Vorahnung (wie die Geier, die im Dschungelbuch ihr Freundschaftslied anstimmen, und das Publikum auf den Kampf des vermeintlich einsamen Mowglis gegen Shir Khan den Tiger einstimmen – ein Kampf, der ja erst mit dem Auftauchen Bagheeras und Balus wirklich gewonnen ist). Denn nur gerade etwas mehr als eine Minute brauchte Elgg, um nach einem langen, flachen Ball noch geschickt eine Ablenkung einzubauen und den Ball zum 1:0 ins Netz zu zaubern. Zwei vertane Bäretswiler Chancen und massiv viel mehr Ballbesitz der Elgger später führte ein Fehler in der Bäretswiler Defensive zum 2:0 für den UHC Elgg. Parat, das wäre etwas anderes. Denn Elgg konnte weiter Druck machen und den Ball über weite Strecken laufen lassen, was Kuratle im Tor ordentlich ins Schwitzen brachte (vielleicht rührte der Schweiss aber auch vom tropisch-feuchten Klima). Bäretswil vermochte zwar einzelne Nadelstiche zu setzen, war aber in der Vorwärtsbewegung oft zu ungestüm und in der Defensive zu inkonsequent – Ausnahmen bildete der Schuss S. Meiers, dessen Abpraller R. Weissenberger zum 2:1 Anschlusstreffer nutzen konnte oder Webbers Spitzenblock in der 11. Minute. Sollte ob diesen Lichtblicken Hoffnung aufgekeimt sein, wurde diese durch eine Strafe wegen wiederholten Stockschlags gegen Captain E. Meier bald zunichte gemacht. Sauber und auf allen drei Positionen brandgefährlich wurde der Ball hin- und hergeschoben, der Abschluss traf schön hoch in die Ecke. (jetzt wird der Bericht etwas abenteuerlicher, weil die Feuchtigkeit in der Halle das Papier aufgeweicht hat!). Nach dem 3:1 konnte der DTB etwas häufiger Druck aufbauen und nach einem missglückten Freistoss von Elgg nahe vor dem Bäretswiler Tor sogar noch zur Pause den Anschluss zum 3:2 durch E. Meier herstellen.
Das Spiel war also zur Halbzeit resultatmässig noch völlig offen, aber spielerisch bräuchte es mehr als nur „bare necessities“, um zu Punkten zu kommen. In der zweiten Hälfte folgte dann aber der Teil, wo besonders defensiv zu viel nicht stimmte. In der 22. Minute liess Elgg Ganz etwa mit diesem Gesichtsausdruck stehen:

und konnte etwas zu einfach auf 4:2 erhöhen. In der Minute 26 kam Elgg zum 5:2, in der Minute 27 Bäretswil durch ein Buebetrickli G. Meiers zum 5:3, vorher und nachher durfte Kuratle sich abwechselnd bei Querverlagerungen und 1:0 Situationen auszeichnen, erst kurz vor der 30. Minute hatte sich das Gefüge auch bei Bäretswil wieder etwas erholt und konnte erneut Anlauf für eine Wendung nehmen. Die Chance dafür bot sich erst noch im Powerplay, doch dieses wollte nicht gelingen und scheiterte wohl vor allem an sich selbst. Im Spiel Drei-gegen-Drei lief es hingegen besser: Wieder G. Meier erzielte den Anschluss zum 5:4 und es waren noch sieben Minuten zu spielen. Beide Teams versuchten nun Druck aufzubauen und Bäretswil wäre wohl schon bald zu viert angetreten, hätte nicht genau drei Minuten vor Schluss E. Meier eine Strafe wegen Bodenspiels kassiert, obwohl er den Ball nicht spielte, nicht berührte, sondern einfach ausgerutscht war. Eine empfindliche Strafe zu einem sensiblen Zeitpunkt! Elgg liess sich dann im Powerplay auch reichlich Zeit, schaffte es dann aber doch das 6:4 zu erzielen. Damit war zwar die Strafe aufgehoben, aber der DTB jagte auch wieder einem Zweitorerückstand hinterher. Nach einem Time-Out ging es nun noch auf vier Spieler, 40 Sekunden vor Schluss bejubelte R. Weissenberger das 6:5 und nur ein Innenpfosten trennte den DTB vom Ausgleich. So ging das Spiel mit 6:5 knapp aber verdient an den UHC Elgg (was schreibe ich da verdient, das ist Sport, nicht Ethik, ich beginne ja zu klingen, wie Spielberichte bei weit erfolgreicheren Teams!) also der Sieg ging an den UHC Elgg, D. Weissenberger hatte recht behalten, das Verschlafen des Starts hatte sich gerächt. Aber immerhin, als zweite Partie stand die Begegnung gegen den Cupfinalisten von 2026, die Iron Marmots Davos-Klosters auf dem Programm, ein Team, gegen das die Bäretswiler eine sehr positive Bilanz aufweist.
Der Start in dieses Spiel erfolgte dann auch hungriger, freudiger und temporeicher als gegen Elgg. Die Torhüter auf beiden Seiten – Huber, Weltmeister 2025, und Schneider, WM-Teilnehmer 2026, mussten bereits in den ersten Minuten ins Geschehen eingreifen und die Bäretswiler mussten aufpassen, ob ihrer Spielfreude nicht die einzelnen Gegenspieler zu vergessen. Schon früh im Spiel, in der vierten Minute, musste Brodbeck auf die Strafbank. Den anschliessenden Freistoss parierte Huber souverän, doch nach dem erneuten Ballgewinn zog ein Davoser von weit hinten mit viel Tempo an und schlenzte den Ball ins Netz. 1:0 für Davos. In der sechsten Minute wurde dann auch noch eine Strafe gegen Davos gepfiffen und auch das Bäretswiler Powerplay war wie verwandelt, in der Pause musste eine tiefgreifende, innerliche Veränderung stattgefunden haben

Wie auch immer: Eine Ballstafette führte von G.Meier über Webber zu S. Meier und dieser glich aus. Das Spiel ging nach dem Strafenintermezzo weiter wie zuvor: attraktive Offensivaktionen lösten einander ab und die Torhüter zeigten weiterhin ihr Spitzenspiel. In der 13. Minute brachte Webber einen erneuten Abpraller zustande, dieses Mal war aber R. Weissenberger flink wie ein Panther und traf zum 2:1, nach über 50 Minuten die erste Führung der neuen Saison für Bäretswil. Weiterhin überschlugen sich die Möglichkeiten und Chancen, und auf der Bank wurde einander angefeuert und gejubelt. Derart angestachelt war es denn auch brachiale Gewalt, welche Osterwalder anwendete als er gegen jeden physischen Widerstand das 3:1 in der 17. Minute erzielte.
Mehr davon! Das war der Tenor in der Pause! Läuferisch war Davos nicht mehr ganz so frisch, das sollte ausgenutzt werden.
Und so hielt der DTB den Druck hoch und machte das Spiel. In der 25. Minute eroberte Brodbeck in der gegnerischen Zone den Ball, so dass Osterwalder auf 4:1 erhöhen konnte. Nach fünf torlosen Minuten nahm Davos ein Timeout und agierte von nun an mehrheitlich mit vier Feldspielern. Profitieren davon konnte der DTB. S. Meier lag nach einem Sturz in die Bande lange genug am Boden, um den Ball in komfortabler Position nach abgewehrtem Ansturm Davos‘ wieder zu erhalten und das 5:1 zu schiessen. Es folgten die Minuten 37-39, geprägt von einem Zusammenstoss R.Weissenbergers mit dem Davoser Torhüter und von stümperhaften Abschlüssen aufs leere Tor. Von Glück konnte dann E. Meier in der 39. Minute sprechen, statt das leere Tor nicht zu treffen, wurde er gefoult und sein Abschluss als technisches Tor gewertet (eine Regeländerung ab dieser Saison; weitere Änderungen sind das an diesem Wochenende viel zitierte „Es gibt kein Fairplaybully!“ Eine Aussage, die an Nonsens kaum zu überbieten ist und die Regel zum Schutz des Torhüters, die sofort greift, wenn ein eigener Spieler im Aufbau kurz den Schutzraum streift, aber völlig ignoriert wird (wohl zurecht, aber wo liegt der Sinn), wenn Gegner im Forechecking den Schutzraum betreten, denn das Team des Torhüters ist ja bereits im Ballbesitz — momoll, da fühlen sich die Torhüter sicher toll geschützt!). Es stand nun 6:1, ein hohes Resultat zumindest in Bäretswiler Massstäben, andere Teams würden wohl von „erwartetem Erfolg“ oder „Pflicht erfüllt“ sprechen, nicht so wir. Wir gerieten wieder einmal ins Staunen über uns selbst – und was gibt es schöneres als wenn man als Team noch über sich staunen kann und nicht nur den geplanten Erfolg abspult! Den Schlusspunkt setzte dann – immer gegen ein doch auch sehr glücklos aber stets engagiert und fair agierendes Davos – R. Weissenberger auf Pass von S. Meier zum 7:1 (ab jetzt war es ein Kantersieg).
Mit zwei Punkten positioniert sich der DTB damit schön in die Mitte der engen Gruppe: Kein Team konnte alles gewinnen (es half, dass Mörschwil und Gossau aufeinandertrafen und sich Punkte abnahmen) und kein Team ging punktelos nach Hause. Heisst auch: Alles ist offen, wir müssen uns noch oft zum Staunen bringen und vor allem: die Abgründe, das Schwere, die Arbeit hinter dem schönen Spielen, die Bewegung, sie muss wie beim Lesen von richtiger Literatur in Kauf genommen werden und ein Disneyspiel bringt Bäretswil nicht weiter!
Bäretswil: Kuratle, Huber; Ganz, E. Meier, G. Meier; S. Meier, Webber, R. Weissenberger; Brodbeck, Lütolf, Osterwalder Bäretswil ohne D. Weissenberger (verletzt, Coaching), Moser (verletzt, Coaching), Pfiffner (verletzt, Coaching), Schmitter (abwesend),