„Das ist eine Schrägseilbrücke“ (F. Osterwalder)

Es gab schon einfachere Aufgaben für den DT Bäretswil als die diese drittletzte Runde, die auch noch ausgerechnet in Davos gespielt wurde (jaja ich weiss, die Iron Marmots haben diesen Weg jede Runde, und die Anspielzeit um 14. 30 Uhr ist mehr als nur human, einzig verletzen sollte man sich nicht, denn in der Skisaison sind die Notfallaufnahmen in Davos ja traditionell schon gut ausgelastet. Ausserdem bietet die Strecke durchs Prättigau eine interessante Möglichkeit über Brückenbautechniken ins Plaudern zu kommen). Die Schwierigkeit, nein Herausforderung, lag eher im Umstand, dass beim DT Bäretswil sich die Spieler im Januar fast im Wochentakt verletzten und so nur etwas wie ein Rest überhaupt einsatzbereit war. Da J. Ganz den Winter lieber in den Ferien verbringt, also lieber im Wallis als in Graubünden, fiel das Einteilen der Blöcke nicht weiter schwer, mit zwei Viererblöcken aus acht Spielern sollte die Energie auch in der Höhenluft ausreichen. Aber: Ein Rest ist nicht nur das, was übrigbleibt, sondern immerhin auch eine wichtige theologische Kategorie! Und das gibt den kleinen Funken Hoffnung, den es braucht, um den weiten Weg eben doch auf sich zu nehmen auch wenn Form und Kaderbreite Schlimmes erahnen lassen. Denn ein Bäretswil, das punkten muss, ist traditionell etwas zerstreut und mit sich selbst beschäftigt und daher schwächer, als ein Bäretswil, das mit Rückenwind von Erfolg zu Erfolg (natürlich nur in unseren bescheidenen Ausmassen) reitet.

Das erste Spiel fand ausgerechnet gegen Hinwil statt, den Verein aus dem Nachbardorf, den CO2 Abdruck dieser Begegnung rechnen wir besser nicht aus. Auch temperamentmässig waren die Teams in den benachbarten Garderoben wie Tag und Nacht: Hinwil brüllte sich in Stimmung und man befürchtete schon fast einen Ausbruch aus dem Zoo, während Fabian Osterwalder und Yannik Webber auf Bäretswiler Seite besonnenere Töne anschlugen, um das Team auf das wichtige Spiel gegen den Tabellennachbarn einzuschwören.

Endlich auf dem Feld in der praktischen Arkadenhalle, zentral in Davos gelegen, fanden die beiden Temperamente auch ihre Entsprechung. Bäretswil war eher passiv und verlor den Ball nach dem gewonnenen Anspiel eher unglücklich und wenigen Sekunden im Spiel gelang Hinwil bereits das 1:0 nach einem schön angelaufenen Schuss, der in die weite Ecke gezogen wurde. Die nächsten 12 Minuten des Spiels sind nicht weiter interessant zu erwähnen: Auf dem Feld nahmen sich die Bäretswiler etwas an der Nase – noch nicht ganz so präsent, wie es zu wünschen wäre, aber doch passabel und offensiv bemüht, während die Tribüne eher leise war. Das zu erwähnen ist deshalb wichtig, weil Cazis einen (!) Fan mitbrachte, die mit zwei «Rätschen» einen Höllenkrach veranstaltete, Knalltrauma und Tinnitus der Umsitzenden inbegriffen. Liebe Cazner: Eigentlich wollte ich ja schreiben, wie sehr wir euch vermissen werden und wie schade es ist, dass ihr euch zurückzieht. Aber nach diesem Angriff auf mein Trommelfell – quasi eine akustische Laserattacke – warte ich glaub noch ein wenig zu mit den Worten des Vermissens…

Zurück aufs Spielfeld, wo eben noch nicht sehr viel passiert ist, abgesehen von Zweikämpfen und viel Hin und Her.

Ein Schuss wurde vom Hinwiler Torhüter brillant pariert, aber Webber war dann doch zur Stelle um den Abpraller zum lange erhofften und ersehnten Ausgleich einzutüten.

Die Freude über den Ausgleich wurde noch getoppt von der Strafe wegen Bodenspiels gegen Hinwil, was Bäretswil die Möglichkeit gab, zum ersten Mal an diesem Nachmittag in Führung zu gehen. Doch in Führung geht man nicht mit zwei Schüssen über die Latte, die einen Freistoss für den Gegner nach sich ziehen, lässt sich keine Führung erzielen – im Gegenteil, Emotion wechselte in der Folge auf drei Feldspieler im Verzicht auf den Torhüter und dieser Move lohnte sich. Statt des erhofften 2:1 für Bäretswil erzielte nun Hinwil , technisch in Unterzahl, tatsächlich aber im drei gegen drei, seinen zweiten Treffer und konnte erneut vorlegen. Immerhin – ein Wechsel der Powerplayformation führte zum erneuten Ausgleich – diesmal durch die Person von Osterwalder – das Powerplay also im Endeffekt ein Nullsummenspiel. Nun waren in der ersten Halbzeit noch fünf Minuten zu spielen als das Bäretswiler Spiel einen weiteren empfindlichen Knick hinnehmen musste: Moser kriegte unglücklich ein Bein auf seinen Knöchel gestellt, fiel hin, hielt sich das Bein und gab ein Geräusch von sich, das erahnen liess, dass er sich nicht bloss den Fuss vertreten hatte. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel umgehend und mit Moser gesellte sich wieder einmal ein Bäretswiler Spieler ins Spital in ärztliche Behandlung und gesellt sich vermutlich für den Rest(!) der Saison zu den anderen Verletzten in den Bäretswiler Reihen. An der letzten Runde hatte eine Verletzung das Team völlig aus der Bahn  geworfen, heute sollte das anders werden, denn zum Glück kam schon bald der Pfiff zur Halbzeit und die gelichteten Reihen im DTB konnten sich neu formieren und noch restlicher in die Minuten 21-40 starten.

Auch diese Hälfte wurde in der ersten Minute durch ein Tor geprägt. Immerhin waren es diesmal die Gelben, die durch G. Ganz auf Zuspiel von Webber jubeln konnten und nun doch endlich einmal in Führung gingen. Überhaupt ging Bäretswil nun wieder mit einer Winnermentalität an die Sache, die nur Winnermentalität ist, weil es nichts mehr zu verlieren gibt. Weil der Rest nun nur noch ein kleiner Rest ist und eigentlich an Winzigkeit schon fast nicht mehr zu unterbieten. Doch es ist halt eben doch so – auch wenn es kaum jemand glaubt – dass Kraft oft im offenbar Schwachen liegt, dass dort etwas ganz grosses aufbricht, wo es niemand vermutet, dass der Lebenssaft in einem geknickten Rohr erwacht, dass der schwach glimmende Docht nicht ganz erlischt, sondern noch einmal hell entflammt.

Jedenfalls war es so, dass Hinwil natürlich den Spielstand nicht einfach hinnehmen wollte und immer wieder ordentlich Druck aufbaute und trotz starker Bäretswiler Defensive den einen oder anderen Schuss aufs Bäretswiler Tor abfeuern konnte. In der 24. Minute blieb wieder ein solcher Abschluss in Kuratles Fängen hängen, S. Meier setzte sofort in die Gegenrichtung an, forderte den Ball, bekam den Auswurf und erhöhte zum 4:2. Und als wäre der Tore noch nicht genug, konnte E. Meier zwei Minuten später nach einem Assist Webbers über das 5:2 nach einem Weitschuss jubeln. Bäretswil nun in Torlaune und Hinwil eher glücklos, obwohl die Partie weiterhin auf beide Seiten wogte und die Teams sich in aller Fairness nichts schenkten. Ab der 30. Minute nahm Hinwil deshalb phasenweise seinen Torhüter vom Feld, um das Tor im 4 gegen 3 zu erzwingen – wer diesen Berichten aufmerksam und seit Jahren folgt weiss, dass sich diese Taktik durchaus schon bewähren konnte. Und tatsächlich: in der 32. Minute gelang ein solcher Treffer, als der Spieler im Zentrum vor dem Tor nicht präsent genug gedeckt wurde. Die Spannung nahm also gut 7 Minuten vor Abpfiff wieder deutlich an Spannung zu. Die Kehrseite von vier Feldspielern hingegen ist, dass ja dann kein Torhüter mehr sein Tor hütet. Und genau diese Kehrseite machte sich Brodbeck in 35. Minute zu Nutzen als er die Führung mit seinem Tor auf 6:3 ausbaute. Das Spektakel war aber damit noch nicht zu Ende. Hinwil weiterhin gefährlich am Drücker und als Bäretswil sich dann etwas hinter dem Hinwiler Tor festsetzen konnte, sorgten S. Meier und Kuratle für einen weiteren Leckerbissen: S. Meier spielte den Ball hoch von hinter dem Hinwiler Tor übers ganze Feld, so dass Kuratle im Tor ihn bequem hätte fangen können, hätten die Regeln ihm dies erlaubt. Doch dem Rückpassverbot folgend – und trotzdem kein Eigentor riskierend – entschied er sich dann den Ball mit dem Kopf dem zurücklaufenden Verteidiger zuzunicken, ein kleines, spontanes Kunststück, dass Mitspieler, Gegenspieler und Publikum gleichermassen entzückte. Doch bald war der Ernst der Lage wieder allen bewusst und Hinwil stellte sich beim nächsten Ballgewinn wieder zu viert auf und konnte prompt auf 4:6 verkürzen. Augenblicke nach dem Bully dann auch noch eine Strafe wegen Stockschlags gegen Brodbeck und der Bäretswiler Vorsprung schien plötzlich sehr fragil (auch das Leben ist fragil, manchmal ist es gut, sich auch das in Erinnerung zu rufen). Hinwil hatte kaum Zeit sein Powerplay so richtig in Schwung zu bringen, als es seinerseits einen scharfen Pfiff in den Rücken bekam und selbst einen Spieler auf die Strafbank entbehren musste. Nun hatte Bäretswil einen Freistoss und konnte seinen Torhüter mit einem dritten Feldspieler ersetzen. Emotion Hinwil brauchte einen Ticken zu lange, um zu merken, dass Bäretswil nicht auf Biegen und Brechen ein siebtes Tor schiessen will, sondern vielmehr den Sieg über die Zeit bringen wollte. Und so entstand ein nettes Pingpong mit Bande, Webber und G. Ganz, das von etwas Geholper zwischendrin abgesehen dann doch zum Sieg gegen Hinwil reichte, einem Sieg, der sich nicht von Beginn an abgezeichnet hatte, aber je restlicher Bäretswil wurde, desto mehr gelang, desto mehr stand man zusammen und desto mehr kam Spielfreude und Konzentration auf.

Ob das genug sein würde gegen den Cupfinalisten aus Davos, dem im Moment doch auch vieles sehr gut gelingt und der auf einem Playoffplatz steht, der zudem noch in der heimischen Halle vor dem eigenen Anhang antrat?

Der DTB, so viel war sicher, hatte nichts mehr zu verlieren: Moser out, zwei Punkte geholt, der Tag war bereits so schlecht und so gut, wie er nur hätte werden können. All dies lähmte das Team aber überhaupt nicht, sondern noch selten hatte die zweitschlechteste Offensive der Gruppe einen solchen fulminanten Start in ein Spiel. Schon der erste Einsatz war ein Feuerwerk von Laufen, schnellen Pässen und einem ersten Abschlussversuch und Davos, das sich im Spiel vorher gegen Cazis noch ein Bündner-Mikado geliefert hatte (wer sich zuerst bewegt hat verloren), zeigte nun auch eine enorme Laufbereitschaft, setzte Tempo an und konnte seinerseits auf Konter lauern, Bälle ablaufen und so versprachen bereits die ersten Minuten einen Unihockeyleckerbissen für alle, die sich bis zum bitteren Ende der Runde in der Halle aufhielten.

In der zweiten Minute wurde auch schon das Skore eröffnet: S. Meier versuchte sich mit demselben Weitschuss, der schon im ersten Einsatz zum Abpraller geführt hatte und G. Ganz war nun präsent und konnte den antizipierten Abpraller auch prompt verwerten und zum ersten Mal in der Partie vorlegen.

Mit viel Selbstvertrauen konnte nun weitergespielt werden, durch die erwartet hohe Gegenwehr Davosens wurde auch der Druck auf den Stock im Duell um die Bälle stetig erhöht und in der dritten Minute musste E. Meier dann auch wegen Stockhebens auf die Strafbank. Der Auftakt ins Boxplay gelang ausserordentlich gut: Huber im Tor parierte, was es zu parieren gab – oder Davos schoss daneben, was dem DTB die Chance gab Huber durch einen dritten Feldspieler zu ersetzen. Die Zeit verstrich, ohne dass die Iron Marmots zu einem Torerfolg kamen und plötzlich war Bäretswil wieder vollzählig und noch immer in Führung, Huber noch immer unbezwungen und die Zuschauenden konnten einen jener seltenen Momente geniessen, in denen die drei Brüder Meier gemeinsam auf dem Feld standen. Mit drei gegen drei Spielern verlief die Partie ungebrochen schnell und mit Chancen und Versuchen auf beiden Seiten. Die Iron Marmots waren diejenigen, die als nächste Grund zum Jubeln hatten: Ein Schuss verfehlte das Bäretswiler Tor nur knapp, der Ball prallte von der Bande zurück und konnte vom anstürmenden Mitspieler schnell zum Ausgleich verwertet werden. Bäretswil liess sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen und setzte seine Akzente und Nadelstiche, während Davos mit viel Energie dagegenhielt, man merkte, die Cupfinalhauptprobe (zumal noch gegen das kleine Bäretswil) sollte gelingen. In der 12. Minute bekamen die Davoser dann auch noch Gelegenheit zur Führung: G. Meier musste wegen wiederholten Stockschlags auf die Strafbank und wieder war das Boxplay gefordert, ein Boxplay, das ja eben nicht mehr auf Moser zurückgreifen konnte, der zwar aus der ärztlichen Obhut entlassen und wieder in die Halle gesetzt wurde, aber mit zwei Krücken links und rechts nur bedingt selbstbewegend war. Doch die Unterzahl schlug sich wieder sehr gut, mit viel Unterstützung von Huber im Tor und dem Visier der Davoser, das noch etwas zu hoch eingestellt war. So waren 15 Minuten gespielt und der Spielstand war auch nach zwei abgelaufenen Strafen gegen Bäretswil noch unentschieden (zweitschwächste Offensive, aber zweitbeste Defensive der Gruppe!). Damit begann nun auch die nächste Phase der Partie, nennen wir sie mal die Sturm- und Drangphase, eingeläutet durch den Pfostenschuss G. Meiers in der 17. Minute. Denn Bäretswil stürmte an und drängte auf ein Tor, nur fallen wollte es auf keinen Fall und auch Davos war nicht faul: Blitzschnell in den Kontern, war es Mario Huber zu verdanken, dass das Pech im Abschluss nicht durch einen Gegentreffer gerächt wurde. Es lag ein Tor in der Luft, alle spürten es, als wieder die Formation um G. Meier auf dem Feld stand. Im Bauch fühlte es sich an wie ein schöner Herbsttag, an dem die Früchte reif und voll an den Bäumen hängen und man sie eigentlich nur noch pflücken muss: Eine kurze Chronologie der 18. Minute:

  • Weissenberger verpasst im Slot den Ball volley, das Tor stand weit offen
  • Anschliessend Pfostenschuss Bäretswil, immer noch kein Tor
  • G. Meier kommt zentral an den Ball, schiesst und endlich zappelt das Netz hinter dem gross aufspielenden Schneider im Tor der Iron Marmots!

2:1 stand es jetzt und schon sah Bäretswil sich mit einer Führung im Rücken zum Seitenwechsel in der Halbzeit zu watscheln. Doch der Bäretswiler Sturm- und Drang hatte für einen kurzen Moment etwas zu sehr an der Grenze zum Übermut gekitzelt und ein Abschluss von weit hinten landete etwas zu früh im Gegenspieler, alle Bäretswiler waren schön in der Vorwärtsbewegung, so dass Davos zu einem schönen Drehschuss ansetzen konnte und die Partie in der 20. Minute erneut ausglich. Mit diesem Dämpfer, der aber bald analysiert und abgehandelt war, ging es in die Pause, wo sich alle für die letzten 20 Minuten Spielzeit des Tages rüsteten. Es gab also an diesem Sonntag möglicherweise noch mehr Punkte zu holen als ohnehin schon geholt worden waren, jetzt galt es, clever und mit viel Tempo diese Punkte einzufahren.

Die zweite Hälfte war ein Wechselbad von Spannung, Ärger über grossartige Torchancen, die nur knapp am Pfosten, am Goalie, am Gegenspieler oder knapp neben dem Tor landeten. Und auch auf der anderen Seite kamen die Bündner zu hochkarätigen Chancen. Dass Davos ein Unentschieden nicht genug sein würde, zeigte es ab der 29. Minute, ab dann stellte es phasenweise vier Spieler aufs Feld, um die Führung zum ersten Mal in der Partie an sich zu reissen. Bäretswil wusste dies aber in der Person von D. Weissenberger zu unterbinden, in der Mitte fing er den Ball ab und schoss seinerseits die erneute Führung von 3:2. Und nur zwei Minuten und einen Pfostenschuss Webbers später war die Reihe wieder an G. Meier: er eroberte den Ball eigenhändig in der eigenen Zone, konnte seinen Gegenspieler abschütteln und unten links das 4:2 erzielen. Die Bäretswiler Bank kann auch laut: Endlich fielen die Bälle ins Tor und zum ersten Mal in dieser Partie konnte eine Führung ausgebaut werden! Die Iron Marmots ihrerseits glaubten weiterhin an ihre Überzahl (die Faktenlage sah zwar anders aus, aber ganz unrecht hatten sie nicht, wie wir noch sehen werden), Brodbeck gelang es aber den Ball in einer solchen Unterzahl zu dritt zu erobern und G. Ganz konnte im Anschluss das 5:2 erzielen. Noch gut fünf Minuten zu spielen, Bäretswil im Hoch, aber auch wohlwissend, dass ein Team vom Format der Iron Marmots fünf Minuten erbitterten Widerstand braucht, um besiegt zu werden – auch bei einem Vorsprung von drei Toren!

In der 36. Minute durfte S. Meier noch zu einem Penalty antreten, also eine weitere Möglichkeit, die Führung auszubauen. Trocken und eiskalt schloss S. Meier ab, doch blitzschneller und eiskälter schnellte des Torhüters Hand nach oben und stoppte den Ball in der Luft, so dass dieser herabklatschte wie ein nasser Waschlappen. Weiterhin 5:2 aber Bäretswil gut im Strumpf und motiviert noch einmal alles in die Verteidigung zu werfen, um die zwei Punkte ins Trockene zu bringen.

Doch endlich ging bei den Davosern auch der Knopf auf: Noch in der 36. Minute, nur kurz nach dem Penaltyversuch, reüssierte das Vier gegen Drei des Heimteams zum ersten Mal, eine laserschnelle Querverlagerung brachte das 5:3. Bäretswil warf nun, was es war und hatte in die Verteidigung, da wurde geblockt, auf der Bank gejubelt und im Tor pariert, was das Zeug hielt. Doch wie in der ersten Hälfte ein Tor der Bäretswiler in der Luft lag, schien es doch nur eine Frage der Zeit, bis Davos seinen Anschlusstreffer realisieren konnte. In der 37. Minute war es soweit, wieder fand sich eine Lücke in der Bäretswiler Verteidigung, die durch Pass und Schuss entscheidend ausgenutzt wurde. 5:4 stand es, bei knapp zwei Minuten Rest(!)spielzeit. Nur eine knappe Minute später kam Davos zum Ausgleich. Der vierte Mann vor dem Tor hatte viel Zeit und Huber war zwar am Ball dran, zog aber für einmal den Kürzeren und musste sich zum Ausgleich geschlagen geben. Ein Unentschieden eine Minute vor Schluss kann beide Teams glücklich machen oder ein erbittertes Tauziehen um das Punktemaximum nach sich ziehen. Die Gastgeber waren offensichtlich erpicht darauf, doch noch den Führungstreffer zu erzielen, verdenken kann man es ihnen nicht, die Torproduktion war gegen Ende des Spiels endlich angelaufen und so stellten sie sich auch in den letzten zwei Minuten bei jedem Ballbesitz wieder mit Vier gegen Drei auf.

Szene: 30 Sekunden vor Schluss. Freistoss Bäretswil, G. Meier am Ball. G. Meier wird unsanft von hinten an der Bande zu Fall gebracht, was das Bäretswiler Team etwas ungehalten raunen lässt. Gegenspieler seinerseits wehrt sich, sieht sich nicht als den Schuldigen in der Szene, schliesslich müsse G. Meier ja auch nicht dort durchrennen, wo er schon stünde und ihn stoppen wollte, so in etwa lautete sein Argument. Kurz, etwas aufgeheizte Stimmung kurz vor Schluss – G. Meier, eher ein Mann der Tat als der vielen Worte, nahm stoisch hin, was gesagt wurde, und bekam den Ball nach dem ausgeführten, ihm zugesprochenen Freistoss. Mit diesem jagte er nun übers ganze Feld, schoss und erzielte den Treffer zum 6:5 nach 39 Minuten und 37 Sekunden. Revenge is a dish best served cold, wie die Franzosen zu sagen pflegen.

Der Bäretswiler Jubel kannte nun kaum mehr Grenzen und endlich konnte die jetzt erzielte Führung über die Zeit gebracht werden. Und erneut kam der DTB zu vier Punkten, als er es am wenigsten von sich erwartete und sich einfach auf sich konzentrieren konnte, als nur noch ein Rest Hoffnung war, gleich der leeren Büchse der Pandora. Die vier Punkte reichen im Moment zwar immer noch nur für Rang 6, doch Rang vier liegt nur einen Punkt entfernt, während gegen hinten vier Punkte auf den siebtplatzierten liegen. Eine nicht allzu schlechte Ausgangslage für die letzten vier Partien in der Qualifikation, auch wenn die anstehenden Spiele jetzt allesamt entscheidend sein werden, wenn der DTB tatsächlich noch etwas mit der Playoffqualifikation zu tun haben will.

Bäretswil: Kuratle, Huber; Brodbeck, S. Meier, Webber, D. Weissenberger; G. Ganz, E. Meier, G. Meier, Moser; G. Ganz. Bäretswil ohne J. Ganz (Ferien), Pfiffner (verletzt), R. Weissenberger (verletzt)