…und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit, so lautet der Anfang eines Lieds von Paul Gerhart. Inwiefern die Temperaturen 1653 schon quasi gewohnheitsmässig die 30°C Grenze knackten kann hier mangels klimahistorischen Wissens nicht erörtert werden, für die Cup-Equipe des DT Bäretswil galt es aber bei Höchsttemperaturen die diesjährige Cup Ausgabe zu eröffnen, dass dabei nicht nur das Herz, sondern auch alle anderen Innereien fast ausschmolzen, war nur schwer zu vermeiden. Zudem wurden heute auch erstmals die neuen Trikots präsentiert, so kann man weitersingen „die Bäretswiler und der Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide“, doch nun genug der barocken Kirchenmusik!
Der Weg führte nach Andelfingen zu den Wild Pigs (und ich dachte immer das heisse Boar), wo der oder die ortsunkundige Automobilist bzw. -mobilistin schon am Dorfeingang auf das nachmittägliche Rencontre hingewiesen wurde. Tatsächlich bevorzugten dann auch 58 Zuschauende die geräumige, helle, aber trotz allen Massnahmen heisse Halle einem abkühlenden Bad in der Thur. Die Wild Pigs, eine aufstrebende und ambitionierte 3. Liga Mannschaft, hatte im Cup bereits Stäfa sehr deutlich und die Glattal Falcons in der Verlängerung bezwungen. Den Spielern des DTB war bewusst, dass jegliche Überheblichkeit fehl am Platz sein würde und neben Mastermind Yannik Webber an der Bande reiste man auch mit einem vollen Kader, sowie einer Hand voll Fans an.
Die Partie wurde um 14.00 Uhr angepfiffen und der Ball gelang sofort in Besitz der gastierenden Bäretswiler. Und schon in der ersten Minute fiel dann auch das erste Tor. G. Ganz spielte auf S. Meier, dieser liess seine Technik aufblitzen, schlängelte den Ball zwischen zwei Gegnern durch und traf oben rechts zum 1:0. Ein Start nach Mass für Bäretswil. Die ersten fünf Minuten waren fest in der Hand der Bäretswiler, die den Ball geschickt zirkulieren liessen und sich auffällig lauffreudig zeigten. Doch die Wild Pigs gaben sich nicht mit der Statistenrolle zufrieden und erkämpften sich nach und nach mehr Spielanteile und zeigten, dass auch sie in der Lage sind, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und Bäretswiler Beine müde werden zu lassen. In der sechsten Minute dann entsprechend auch eine Szene, die zu dieser Entwicklung passte. Ein hoher Ball findet den Weg durch die Bäretswiler Defensive hindurch, dort steht eine Wildsau (ist imfall nicht abwertend gemeint!) bereit, um Volley abzuschliessen. Im Sommertraining standen wohl weniger die Volleyabschlüsse auf dem Programm und entsprechend wird der Ball nicht wuchtig in die Maschen genietet, sondern ein Aufsetzer vermag den am Boden liegenden Kuratle an der Hand zu streifen und dann ins Netz zu gehen. 1:1 und Wyland weiterhin auf dem besten Weg ein Favoritenschreck zu werden. Mit diesem Tor ging auch ein kleines Rucken durch die Bäretswiler Reihen und der Zug aufs Tor verstärkte sich zunehmend. So tankte sich Fischer in der 7. Minute durch die Abwehr und bediente G. Meier, der das Visier jedoch noch etwas zu hoch eingestellt hatte. Nur wenig später bediente dann selbiger G. Meier den dritten Blockpartner Osterwalder zur wiederholten Führung. Nun kam endlich auch die gesuchte Freude in die sommerlichen Herzen und die heisse Halle: Nur eine knappe Minute nach dem 1:2 konnte Rüdisühli im Veteranenblock J. Ganz zum 1:3 assistieren und etwas Ruhe in die Bäretswiler Gemüter bringen. Davon inspiriert war nun wieder der Block mit G.Ganz, S.Meier und E.Meier an der Reihe: nach einem langen Aufbau fand ein Querpass von G.Ganz den Stock von S. Meier, der zum 1:4 einnetzte. Nur kurz darauf – noch immer lief die 10. Minute zeigte G. Meier mit einem Hammer, dass er hier war um zu treffen, den Pass gespielt hatte Fischer. Es war etwa um diese Zeit, als der Schiedsrichter, der die Partie souverän und gelassen leitete, den Torhütern, die langsam zu zerfliessen drohten, signalisierte, dass sie bei ihm jederzeit bei einem Unterbruch eine Trinkpause beantragen durften, sehr löblich! Zurück zum Spiel. Die Bäretswiler liefen weiter munter und setzten auch Defensiv immer wieder Akzente, für die Wild Pigs war es zwar möglich in Ballbesitz zu kommen und den Ball laufen zu lassen, gefährlich wurden sie doch kaum, und entsprechend wenige Abschlüsse konnten die Andelfinger nehmen. In der 16. Minute der nächste Torerfolg: J. Ganz legte auf Schwager Rüdisühli ab, dieser konnte durch die Mitte laufen und den Schuss halbhoch zum 1:6 hinter die Linie setzen. Einen Blockdurchlauf später zeigte sich Pflüger für ein Tor verantwortlich: Sein Abschluss bei einem Freistoss prallte vom Torhüter ab und von da via den Fuss eines Verteidigers zum 1:7 ins Tor. In der 18. Minute konnte das Heimpublikum dann den Save des Tages feiern: G. Ganz wuchtete einen präzisen Volleyschuss in Richtung obere Ecke, doch im letzten Moment kam der Wyländer Goalie mirakulös mit der Fussspitze an den Ball. Das Publikum jubelte und applaudierte, jedenfalls war es im Begriff dazu, doch G. Ganz wollte das Tor, wenn nicht in schön, dann halt in hineingewürgt. Den Abpraller stocherte er beharrlich zum 1:8 ins Tor und der Jubel der Wildsauen vermischte sich mit der Bäretswiler Freude. Nach 20 Spielminuten effektiv, war niemand unglücklich, eine Pause einzulegen, so zogen sich beide Teams zur Abkühlung und um des Wassertankens willens in die Katakomben zurück. Drittelstand 1:8
Frisch gestärkt konnte das zweite Drittel beginnen. Den Bäretswilern wurde in der Pause noch einmal klar gemacht, dass der Kuchen hier noch nicht gegessen sei: Immerhin kämpften sich die Wildsäue im letzten Cupspiel zweimal aus einem Dreitorerückstand zurück. Und tatsächlich dauerte es keine Minute, bis die Gäste aus dem Oberland wieder jubeln konnten. Für das 1:9 stand E. Meier auf Zuspiel S. Meiers. Entsprechend motiviert behielten die Bäretswiler in der Folge den Druck hoch, arbeiteten in der Defensive weiterhin beherzt, konnten aber keinen Torerfolg vermelden. In der 28. Minute kam dann erstmals eine gewisse Hitzigkeit zusätzlich zur Hitze und Schiedsrichter Seitz sah sich genötigt das Gespräch unter sechs Augen mit den beiden Captains zu suchen, die Schlichtung gelang und trotz einer unsportlichen Szene musste keine Strafe gesprochen werden. Bäretswil wurde zusehends etwas selbstgefälliger: Die Tore wollten nicht fallen und Torhüter Huber musste nun doch öfter bei brenzligeren Situationen eingreifen. Es war wohl um die Spielmitte als sich auf den Rängen scheinbar das Gespräch von zwei einheimischen Fans dahin wendete, dass sie fanden, es sei doch gemein (nicht unfair) gegen einen solchen Torhüter spielen zu müssen, da habe man als Wyländer ja gar keine Chance! Gleichzeitig setzte Coach Webber auf dem Feld neue Akzente und erweiterte die Blöcke mit je einem weiteren Spieler. Und das Kunststück gelang: In der 33. Minute, also mehr als zehn Minuten nach dem letzten Treffer schloss Brodbeck bei seinem ersten Einsatz auf Zuspiel von Rüdisühli ab und konnte sogleich das Bäretswiler Stängeli realisieren (Kuchen, Bier, Sämi, du darfst auswählen, was du bringst). In der 34. Minute dann der nächste Einsatz des Blockes und gleiches Abspiel: Rüdisühli auf Brodbeck und Tor. Auf einmal fielen die Tore wieder. Immer noch lief die 34. Minute und Weissenberger konnte den Ball in der Defensive abfangen, zu Fischer spielen, der Osterwalder mustergültig bedienen, 1:12. In der 37. Minute war es wiederum dieser Block, der weiter erhöhen konnte. Fischer hielt hinter dem gegnerischen Tor den Ball und konnte den Ball trotz starker Anfechtungen wieder zum Pfosten bringen von da brauchte es nur noch ein Pässchen auf Weissenberger und es stand 1:13. Zum Abschluss des zweiten Drittels legte S.Meier den Ball noch auf G.Ganz, der zum 1:14 einnetzte. Somit ging das Drittel 6:0 an die Bäretswiler und Huber wurde für seinen Drittel-Shutout beglückwünscht.
Obwohl die Sache mittlerweile doch an Klarheit gewann, wollte man jetzt nicht nachlassen und am Ende noch so etwas wie Hoffnung beim Heimteam aufkommen lassen. Aber wie es beim Stand von 1:14 wohl vielen Teams gehen würde, ging Bäretswil zu Beginn des Drittels plötzlich nicht mehr jeden Schritt so konsequent wie zuvor, man setzte zu aussichtslosen Einzelaktionen an, die einzig zu Chancen der immer noch aktiven und überhaupt nicht resignierten Andelfinger führten. Entsprechend war es auch das Heimteam, das einen Freistoss zum 2:14 verwerten konnte. Die Bäretswiler Reaktion folgte auf dem Fuss, Rüdisühli spielte auf J. Ganz, der sich einen weiteren Skorerpunkt gutschreiben lassen konnte, das Tempo war in diesem Einsatz merklich gesteigert worden. Die ereignisreiche 44. Minute war noch nicht fertiggespielt als wiederum die Wild Pigs einen Freistoss in der Ecke bekamen. Und nun gelang es tatsächlich. Der Ball wurde kühn mitten in den Slot gespielt, wo der hereinbrechende Stürmer mustergültig bedient wurde und makellos einnetzte, der Jubel auf den Rängen war fast grenzenlos. Kuhglocken, Applaus und Sprechgesang war zu hören, die Andelfingerinnen und Andelfinger, die nicht in der Thur schwammen, hatten Hoffnung geschöpft. Nach diesem Intermezzo fing sich Bäretswil nicht nur defensiv wieder und machte weiter, wo man Ende des zweiten Drittels aufgehört hatte: Beim Toreschiessen: In der 51. Minute konnte Osterwalder jubeln nachdem ihm G. Meier aufgespielt hatte, in der 53. dann noch ein Tor der Wild Pigs. Der Abschluss war wohl nicht als Schuss gedacht und wurde hoch vors Tor gespielt, die Bäretswiler Defensive stellte aber einen so guten Screen und machte erst im letzten Moment einen Schritt zu Seite, dass der Ball seinen Weg ins Tor fand, von der Tribüne aus muss es herrlich einfach ausgesehen haben (im Tor sah man herrlich dämlich aus). 4:16, stand es also nun und die letzten Minuten gehörten nun noch einmal den Bäretswiler Skorern. In der 56. Minute traf Rüdisühli, in der 57. Fischer nach einem Drehschuss, in der 58. konnte Osterwalder den Abstauber von G. Meiers Schuss bejubeln. Nur zehn Sekunden später realisierte S. Meier das 20. Tor für Bäretswil auf Zuspiel des lange verletzten Moser. Den Abschluss des Nachmittags setzte dann G.Ganz (Assist E.Meier) mit einem wunderbar herausgespielten Traumtor. So wurde dann die Freud doch noch gefunden in dieser lieben Sommerzeit, nach dem Spiel gings strax zu den Bächlein, die „rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schattenreichen Myrten“ oder in den Mäc. Vielen Dank an die Wildsäue und gute Saison und auch an Steven Seitz für die angenehme Spielleitung.
Das Cup Abenteuer geht nun weiter. Wie man hört hat sich der Trend der letzten Jahre fortgesetzt und es scheint als ehemaliger PrimeLeague Spieler spassig zu sein, bei den Kleinfeldamateuren mitzumischen. So melden sich laufend neue Teams in der 5. Liga an und machen sich dann einen Spass daraus ahnungslose Kleinfeldler vom Feld zu fegen. Nun die nächste Runde wird wohl bereits zeigen, wie sich Bäretswil damit schlagen kann. (Ach ja, dazu eine Frage an den HC Rychenberg: Verbraucht euer Fanionteam derart viele Ressourcen, dass es nicht möglich ist einmal pro Saison ein aktuelles Foto der Breitensportteams zu schiessen? Hat doch ein Fotomuseum in der Stadt, vielleicht können die ja mal jemanden vorbeischicken).
Dann noch eine Einladung alle nimmermüden ehemaligen Unihockeyprofis: Wir hätten bei uns im Team noch ein, zwei Superstarpositionen zu vergeben, 1. Liga Meisterschaftseinsätze inklusive (dann kann man an den Sonntagen ehemalige Gspänli bei Cazis oder so treffen). Weltmeistertitel sind erwünscht, aber keine zwingende Voraussetzung, über das verpasste Sommertraining sehen wir grosszügig hinweg.
Bäretswil: Huber, Kuratle; Ganz, E.Meier, S.Meier; E. Meier, Osterwalder, Fischer; J. Ganz, Pflüger, Rüdisühli; Brodbeck, Moser, Weissenberger
Bäretswil ohne Webber (verletzt, Coach), Schmitter (abwesend), Gysin (Forfait)