Wo liegt jetzt auch schon wieder dieses Otelfingen? Müssen wir da durch den Gubrist? Das waren Fragen, welche die Mitglieder des Bäretswiler Fanionteams im Vorfeld von Runde 5 quälten – oder zumindest die Fragen, die gestellt werden konnten, um sogleich beantwortet zu werden, denn an Lehrern und Berufsautofahrern mangelt es in dieser Mannschaft gewiss nicht (was eigentlich, bezogen aufs Autofahren auch etwas schade ist, denn wäre es nicht viel toller, wir wären ein ferrophiles Team, das mit dem Zug anreist? Aber schon der Bahnhof in Bäretswil mit seinem Drahtseilstellwerk ist ja nur sehr selektiv in Betrieb). Otelfingen, um auf den Punkt zu kommen liegt am Fuss der Lägern, also eigentlich im Zürcher Jura und aus autofahrtechnischer Sicht vor dem Gubrist, rein geographisch aber wohl eher hinter ihm – egal. Alle fanden den Weg pünktlich, um Antworten auf die komplexeren Fragen der Saison zu finden: War der Sieg gegen Elgg eine Eintagesfliege? Ein glücklicher Moment, der im Strom der Zeit dahingespült wird? Oder gibt es eine andere Wirklichkeit als die Erzählung, dass Bäretswil dieses Jahr nur noch hinten mitspielt? Fragen, die auf dem Feld müssten beantwortet werden – und dies sei verraten – vorläufig auch beantwortet wurden. Fragen auch, auf die die Antwort, auf die die Bäretswiler hofften, mit zwei unbequemen Gegnern verquickt waren: Niederwil, das sich nicht ganz unerwartet auf einem Playoffplatz befand und das Gossau, welches das Hinspiel diskussionslos für sich entschieden hatte und sich auf Platz zwei der Tabelle befindet. Ein herausfordernder zweiter Adventsmorgen also, der zugleich das Jahresende in der Meisterschaft markierte.

Das erste Spiel gegen die Flying Penguins aus Niederwil wurde um 9.00 Uhr angepfiffen, der Gegner war gut bekannt und entsprechend konnte man sich gut auf die verschiedenen Blöcke einstellen – viel wichtiger war es dem Team von Captain Yannik Webber aber den Elan und den Schwung des Spieles gegen Elgg mitzunehmen. Dafür war es unabdingbar, dass jeder einzelne Spieler auf dem Feld und auf der Bank mit voller Präsenz die Energie hineingab, die er geben konnte. Denn – und das habe ich von Tomas Sjödin geklaut – wir können steuern, was wir geben, aber nicht, was dabei herauskommt. Aber, wer nichts hineingibt, gibt von vornherein der Energie keine Chance aufs Feld zu kommen.

Beide Teams hatten keine kurze Nacht hinter sich, und wenn dann liessen es sich die Spieler nicht anmerken: Schon in der ersten Minute gelang Niederwil ein erster Abschluss über eine Querverlagerung und Bäretswil liess es sich in der Folge nicht nehmen, das Spieldiktat energisch an sich zu reissen. Mit einem Auge, das die Möglichkeit sieht und dem Selbstvertrauen des Gewinners nahm Osterwalder ein erstes Mal in seiner eigenen Hälfte Anlauf, nachdem ihm von G. Meier der Ball übergeben worden war und platzierte einen Weitschuss in Richtung Tor Niederwils und sogleich landete der Ball auch in den Maschen und Bäretswil lag nach etwas über zwei Minuten bereits in Führung.

Nun folgte eine Phase, in der Bäretswil über sieben Minuten fast durchgehend im Ballbesitz war, vielleicht nicht sehr konsequent im Abschluss, aber dafür sicher im Spielaufbau, geduldig und bei etwaigen Gegenstössen schnell und clever. Doch das Tor musste fallen und es fiel. S. Meier lancierte Brodbeck, der sich über die Breite des Spielfelds durchschlängelte und dann doch noch eine gute Abschlussposition fand, um die Führung auf 2:0 zu erhöhen.

Wer nun aufgrund dieser Zeilen meint, Niederwil habe diese mehrheitliche Bäretswiler Dominanz einfach über sich ergehen lassen, liegt sehr falsch. Niederwils Forechecking begann hoch und Bäretswil konnte sich bisweilen mehr schlecht als recht aus diesen Drucksituationen lösen und ging etwas sehr mit dem Kopf durch die Wand – so z.B. in der 12. Minute, als G. Meier meinte den Ball von hinter dem Tor an zwei Gegenspielern vorbeitragen zu können – statt ihn dem bereiten Osterwalder in der Ecke abzuspielen – da blieb er prompt hängen und Niederwil liess sich nicht bitten, sondern kostete den Gratisversuch lange aus, bis der Ball hinter Kuratle im Netz zappelte. 2:1 – aus Bäretswiler Sicht etwas knapp für das bisher geleistete und das merkte man der Truppe an. Die Brust war plötzlich einen Atemhauch schmaler, der Kopf einen traurigen Gedanken tiefer, die Beine einen kleinen Zweifler schwerer. So kam Niederwil nun vermehrt zu Abschlüssen und Bäretswil versuchte zwar weiterhin die Führung auszubauen, doch auf beiden Seiten waren die Torhüter die stärkeren Kräfte. Trotz der engen Ausgangslage und der wichtigen zur Disposition stehenden Punkte: Das Spiel war jederzeit von Fairness und Achtsamkeit geprägt, dazu trug auch die Umsichtigkeit und aktive Kommunikation von Schiedsrichter Brauchli einen entscheidenden Teil bei!

Mit der knappen Führung von 2:1 ging es so nach 20 Minuten in die Pause. Mehr vom Gleichen und dazu eine Handvoll zusätzliches Selbstvertrauen, garniert mit etwas mehr Kaltblütigkeit und Freude, die auf der Bank begann, würde in diesem Spiel reichen, um einen Sieg einzufahren.

Doch wieder erwischte Niederwil zuerst einmal den schwungvolleren Start zumindest bis die Bäretswiler wieder auf Betriebstemperatur liefen. In der 22. Minute zeigte E. Meier, dass dies der Fall war: Langsam tastete er sich von hinter dem Niederwiler Tor nach vorne und mit ein wenig Platz nahm er rasche Schritte zur Seite und konnte den Ball in sicherer Distanz neben dem Niederwiler Torhüter zum 3:1 platzieren. Nur Augenblicke später versuchte auch Bruder S. Meier auf ähnliche Art und Weise sein Glück: Lanciert von Webber schüttelte er den Niederwiler Verteidiger ab und umlief den Torhüter zum Treffer zum 4:1. Nun standen die Zeichen auf Effizienz und die Bäretswiler Spielfreude und auch das Selbstvertrauen waren definitiv zurück. Aber auch Niederwil drehte nun auf, drängender und drängender wurden die Abschlüsse und Abschlussversuche, wenn auch viele geblockt werden konnten. Erst ein Freistoss, der zentral ausgeführt werden konnte, führte zum zweiten Niederwiler Treffer, ein schöner Drehschuss fand seinen Weg durch die Mauer bis ins Tor. Das Spiel nun auch etwas hektischer, Bäretswil nicht mehr so zwingend im Abschluss, aber doch über weite Strecken im Ballbesitz und mit viel Geduld unterwegs. Das Spiel gefiel: so liess sich auch schon erwähnter Schiedsrichter Brauchli zu einem „Es geils Spiel“ hinreissen. Ab der 30. Minute lief Niederwil oft mit vier Feldspielern auf, zeigte sich dort jedoch oft einen Ticken zu wenig kreativ und die Bäretswiler Defensive lief sich gleichzeitig die Sohlen heiss, um Pässe zu unterbinden und Schüsse zu blocken. G. Meier und Pfiffner konnten dagegen in einem feinen Duett jubilieren: Nachdem ein erster Anlauf nicht fruchtete, eroberte G. Meier den Ball hoch hoben in der gegnerischen Zone und bediente den sowieso noch lauernden Pfiffner zum 5:2. Für die letzten drei Minuten galt es noch einmal alles in die Defensive zu werfen. Niederwil versuchte und versuchte und nahm zuletzt noch ein Timeout. Dieses half, denn in der 40. Minute schossen sie doch noch das 5:3, nachdem die Bäretswiler etwas zu enthusiastisch auf einen Ballgewinn spekuliert hatten. Doch Bäretswil hatte sich heute entschlossen den Sieg heimzubringen und brachte die dafür nötige Energie immer wieder aufs Feld, so auch am Schluss. Mit einem 5:3 beschloss man das erste Spiel des Tages, ein attraktives, faires Spiel. Bäretswil zwar klar mit mehr Spielanteilen und der nötigen Cleverness, Niederwil aber sicher auf Augenhöhe und eine harte Nuss zu knacken.

Für das zweite Spiel gegen Gossau wurden neue Kräfte aktiviert und die Blöcke entsprechend umgestellt. Neu kamen G. Ganz, der im ersten Spiel umsichtig und souverän gecoacht hatte und D. und R. Weissenberger zum Zug. Gegen Gossau galt mehr als zuvor, dass das Spiel nur könnte gewonnen werden, wenn man im Kopf dazu bereit ist. Konkret: Sich auf das eigene Spiel konzentrieren und nicht aus dem Konzept bringen zu lassen – nicht vom Gegner und nicht von eigenen Fehlern. Mit diesen guten Vorsätzen ging es frisch ans Werk. Doch Bäretswil hatte im ersten Einsatz null Spielanteil. Gossau gewann das Bully, spielte schnell und zielsicher und traf zum 1:0 bevor irgendjemand auf Bäretswiler Seite ernsthaft verstanden hatte, dass das Spiel begonnen hatte. Aber der DTB liess nicht etwa den Kopf hängen oder resignierte oder täubelte. Sondern er wechselte und Webber sah G. Ganz, spielte ihm den Ball und dieser realisierte nach nur 45 Sekunden bereits ein erstes Mal den Gleichstand nach einem Rückstand. Besser kam es mit der zweiten frischen Kraft: R. Weissenberger liess sich an der Bande nicht weghobeln, blieb am Ball und konnte sich so geschickt von seinem Peiniger wegdrehen, dass er das 2:1 hoch unter die Latte setzen konnte. Bäretswil hatte definitiv die Energie im Spiel: Man ermutigte, peitschte an, klopfte einander auf die Schultern und war entschlossen, die Führung zu behalten. So wogte die Partie hin und her, nicht auch ohne eine gewisse Angespanntheit und zuweilen an Gehässigkeit grenzenden Dialogen und Têtes-à-têtes auf dem Feld, wobei auch wieder Schiedsrichter Brauchli die Gemüter schnell abzukühlen vermochte. In der 9. Minute kam Cevi dann aber halt doch von zentraler Position zum Abschluss und konnte zum 2:2 ausgleichen. In der Folge agierte Bäretswil härter, quasi hart am Wind, oder hart am Stock und es hätte wohl nicht viel zu einer Strafe wegen Stockschlags gefehlt. Das heisst auch: Gossau nun mehr in Ballbesitz und Bäretswil wurde zu längeren Einsätzen gezwungen. Verdienterweise dann auch die 3:2 Führung von Cevi nach einer geschickten Freistossvariante und wiederum von Höhe Mitte hoch unter die Latte. Und fast schon um die Symmetrie dieser Hälfte zu schliessen, ging es keine Minute und Osterwalder hatte auf Zuspiel von G. Meier den Ausgleich realisiert, Cevi hatte wieder keine Minute geführt. Bis zum Ende der Halbzeit wogte das Spiel wieder hier und dorthin, Huber im Tor zeigte seine Paraden und hielt den DTB im Spiel und so kam der Pausenpfiff beim Stand von 3:3.

Die Ausgangslage bis hierhin war nicht aussergewöhnlich für ein Spiel gegen Cevi: Am Anfang hatte man gut mitgehalten, doch was würde nach der Pause kommen? Und hier setzen wir nun an. Zuerst mit der Talfahrt. Ein Doppelschlag in der 23. und 24. Minute führte zur Gossauer Zweitoreführung. Nach einem umstrittenen Freistoss hatte man zuerst den Slot nicht beherrschen können, danach verlor man im Aufbau den Ball an Gossau und dieses konnte via Pfosten und Maske von Huber das 5:3 realisieren. Doch Bäretswil verlor deswegen nicht den Kopf. Niemand haderte, alle Zweifel an sich selbst wurden auf der Bank zerstreut und der Glauben daran, dass dieses Spiel ein Bäretswiler Spiel sein könnte, blieb. So spielte man weiterhin geduldig und versuchte Chancen zu kreieren, jedoch ohne nennenswertes Resultat. Erst in der 30. Minute kam etwas Fleisch an den Knochen der Hoffnung, als R. Weissenberger mit seinem zweiten Treffer aus einem Drehschuss den Anschluss zum 4:5 erzielte. Die zweite Hälfte wollte dann aber nichts mehr Zählbares hergeben, auf Bäretswiler Seite waren es oft beherzte Defensivaktionen, die Bereitschaft schnell umzuschalten und zu blocken und natürlich Torhüter Huber mit viel Spektakel, die einen Ausbau der Führung durch Gossau verhinderten, aber auch der unbedingte Glaube daran, dass man ganz nah dran war, diesem Gossau doch wieder einmal seit langem einen Punkt zu stehlen. Nach einem Timeout versuchte es dann die Formation mit Vier-gegen-drei noch den Ausgleich zu erzielen. Und in der 39. Minute fand Webber in der Halbbedrängnis S. Meier, der im Slot relativ frei agieren konnte und den Torhüter zum Ausgleich zum 5:5 bezwang. Der Jubel war riesig: Entgegen vielen Spielen in der jüngeren Vergangenheit hatten die Bäretswiler noch an das Tor geglaubt und dieses endlich auch erzielt. Es bedurfte noch einmal Hubers genialster Paraden, um den Punkt zu behalten, denn Gossau verkündete von seiner Bank aus gut vernehmlich, dass es also schon den Sieg holen wolle, während Bäretswil doch eigentlich mit drei Punkten aus der Runde nach einem sehr mässigen Saisonstart schon ziemlich zufrieden war. In der 40. Minute wurde Osterwalder mit der Gossauer Absicht nun eben den Ball zu holen und noch den Siegestreffer zu erzielen abgedrängt und fiel. Da der bedrängende Spieler auch weg vom Ball war, lag dieser plötzlich seltsam einsam in der auf dem Feld herum. Bühne auf für R. Weissenberger zum Dritten. Dieser schnappte sich den Ball – denn gepfiffen hatte der Schiedsrichter ja nicht – und schlenzte ihn zum 6:5 in die Ecke. Der Bäretswiler Jubel kannte kaum Grenzen: Das mächtige Gossau hatte nun nicht die budgetierten und anvisierten zwei Punkte, sondern keinen. Und die Bäretswiler fanden sich ausgerechnet an dieser Runde mit vier Punkten wieder. Für das kommende Jahr gilt also in Anlehnung an Bill Clinton: It’s the mind, stupid!

Bäretswil: Kuratle, Huber; G. Meier, Osterwalder, Pfiffner; Brodbeck, S. Meier, Webber; J. Ganz, E. Meier, Moser; G. Ganz, D. Weissenberger, R. Weissenberger.