Eigentlich hatte ich diesen Beitrag ja Sic transit gloria mundis, ja sogar rychenbergae, nennen wollen und dann eine altkluge Anekdote über die Gründung des HC Rychenbergs und dessen Alumnimannschaft, die heute antrat, sowie die Tatsache, dass ich ja selbst Alumnus der prestigeträchtigen Kantonsschule am Rychenberg (der wohl in anderen Gemeinden Bonzenhügel heissen würde) bin, immerhin das beste Gymnasium der Schweiz oder in den Worten eines bedeutenden Judaistikers „eine Eliteschule“, ferner wäre dann noch eingeflossen, dass man auch Rychenberg seit diesem Sommer 45 Minutenlektionen hat und nicht mehr 40 minütige, wie es seit 119 Jahren Tradition war („wer schneller kapiert, braucht halt weniger Zeit“). Leider kann der Text aufgrund des Spielverlaufs und -ausganges nun nicht so geschrieben werden. Ich musste den doch sehr profanen Titel wählen, der klingt, als würde ein 14-jähriger sein erstes Rapalbum herausgeben, nachdem er seit zwei Monaten seine Netflixserien auf Englisch schaut. Sollte ich also doch nicht in Bälde für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen werden, trägt mein Team, das nicht so spielt, wie ich gerne schreiben würde, die Schuld daran.

Das Spiel gegen die Alumnimannschaft des HC Rychenbergs, das ausnahmslos aus grossen Namen besteht (O-Ton Webber: Wenn man die googlet, gibt es einem immer einen Treffer) stand eigentlich unter einem guten Stern: Die Eulachstädter mussten auf einen grossen Teil des Kaders verzichten und empfingen die Oberländer mit fünf Feldspielern und einem Torhüter. Schon die ersten zwei Minuten des Spiels liessen erahnen, in welche Bahnen das Spiel gelenkt werden könnte: Bäretswil fing zwar mit Ballbesitz und viel Laufarbeit an und setzte die Winterthurer auch gleich unter Druck, doch wenn diese in Ballbesitz kamen, wurde es binnen Sekundenbruchteilen brandgefährlich. Die Jahre auf dem nationalen und internationalen Parkett waren an den Rychenberger Körpern gut gereift! Nach einem hektischen Anfang durfte aber Bäretswil zuerst jubeln. Fischer bediente Captain Osterwalder und dieser liess sich nicht lange bitten. 0:1 Nach nur etwas mehr als zwei Minuten. Nun zeigten aber auch die Rychenberger mehr und mehr, was in ihnen steckte und behielten den Ball lange kontrolliert in ihren Reihen und konnten auch immer wieder Nadelstiche in Form von Abschlüssen aufs Bäretswiler Tor setzen. Diese Schüsse hatten es insgesamt in sich, nur selten flog ein Ball am Tor vorbei, fast immer musste Huber beherzt eingreifen und die Bäretswiler Defensive hatte alle Hände voll zu tun. Erst in der achten Minute dann wieder ein Lebenszeichen der Bäretswiler: S. Meier konnte in Ballbesitz wie der Blitz vors Tor laufen, war jedoch in einem etwas spitzen Winkel, um optimal abschliessen zu können. Da er jedoch überraschend lange etwas zu unbehelligt studieren konnte, was als nächstes zu tun wäre, bot sich Bruder E. Meier – ebenfalls völlig unbeeinträchtigt – vor dem Tor an und schloss wie der Blitz ab. 2:0 für die Bäretswiler, und in den meisten Köpfen machte sich eine gewisse Zufriedenheit breit Falls Sie, liebe Leserin oder lieber Leser, schon den einen oder anderen Spielbericht gelesen haben, sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen. Zufriedenheit war und ist ein gutes Zeichen, zumindest nicht zu Beginn eines Bäretswiler Spiels! Und so zeigten die Winterthurer nur knappe drei Minuten später, dass sie nicht nur gewillt, sondern durchaus auch fähig waren, Tore zu schiessen. Zwar konnte Huber den ersten Abschluss noch an den Pfosten lenken, doch von dort sprang der Ball wieder an eine Rychenberger Schaufel und der Anschlusstreffer zum 1:2 war realisiert. Ernüchtert von der Trunkenheit der Selbstgefälligkeit reagierten die Bäretswiler auf dem Fuss: Morf spielte auf Abry, der den Ball mit einem ansatzlosen Schuss von aussen rechts (sein Markenzeichen) zum 3:1 ins Tor spedierte. Und es kam noch dicker: In der 13. Minute wurde die erste Strafe des Spiels gegen den HC Rychenberg gesprochen. Nach einem erfolglosen Versuch, luchste sich Rüdisühli den Ball zurück, stand alleine vor dem Torhüter und erzielte mit einem zugegeben etwas aussergewöhnlichen Powerplaytor den Treffer zum 4:1. Es lief bereits das letzte Viertel des ersten Drittels, als auch Rychenberg wieder auf einen Treffer drückte, gleich zweimal konnte Huber das Unternehmen vereiteln, als die Bäretswiler Verteidigung bereits ausgetanzt worden war. Wie wir aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung wissen (KS Rychenberg, Jahr 6, bei Herrn B.) steigt die Probabilität ein Tor bei n Versuchen zu erzielen markant, wenn n möglichst gross ist. So kam es auch: Der HC Rychenberg drückte und drückte und in der 19. Minute konnte dann nach einem Pass auf der Linie der zweite Treffer des Tages bejubelt werden. Und – auch das mit mathematischen Modellen durchaus belegbar – nur zwei Sekunden vor Drittelsende gelang sogar der Anschlusstreffer zum 4:3, nach einem wunderbaren Solo rund ums Tor und einem Abschluss wie aus dem Bilderbuch. Somit war noch nichts entschieden an diesem Samstagmittag und das Spiel noch völlig offen.

Das zweite Drittel begann dann mit einem Paukenschlag von G. Ganz, der das ganze Drittel für Aufsehen sorgen würde. In der 22. Minute traf er von links ins weite Eck. Davon inspiriert spielten sich Weissenberger, Osterwalder und G. Meier mit einem Offensivfurioso in die Herzen der Zuschauenden. Defensiv stand es bei den Bäretswilern zeitenweise leider jedoch eher desaströs, einen Freistoss konnten die Rychenberger zum 4:5 Anschlusstreffer ausnutzen! In der 26. Minute dann die erste Strafe gegen Bäretswils E. Meier wegen Haltens. Würde der Ausgleich fallen? Tatsächlich zogen die Winterthurer ein sorgfältiges Powerplay auf und kamen zu einem sehr guten Abschluss, der jedoch an Kuratles Hand landete. Kurz darauf spedierten die Überzähligen (nein so sagt man denen im Powerplay glaub doch nicht, oder?), also die vom HC Rychenberg, den Ball ins Aus. Bäretswil nutzte den nun gewonnenen Ballbesitz samt Freistoss zu einem Wechsel auf drei Feldspieler. Und nur kurz darauf fasste sich Fischer ein Herz und erzielte im formellen Boxplay den Shorthander zum 4:6. Praktisch im Gegenzug fiel dann aber auch der erwartete Powerplaytreffer der Gastgeber, Bäretswils Box hatte die Mitte etwas sträflich offen gelassen, genau dort kam der Pass jetzt aber durch und musste nur noch zum erneuten Anschluss eingenetzt werden: 5:6. Etwa die Hälfte des Spiels war nun verstrichen, das machte sich einerseits durch eine erhöhte physische Präsenz in Bandennähe bemerkbar, andererseits aber auch durch den Aufbau des Grossfeldes und das Eintrudeln von Winterthurer und Thurgauer Junioren (ja genau liebe Restschweiz: Hinter Winterthur geht die Schweiz noch weiter und der wunderschöne Kanton Thurgau bildet dann mit St. Gallen und den beiden Appenzell eine eigene Ostschweiz). Hier sah man auch: Dem HC Rychenberg scheint es also doch möglich zu sein, Heimspiele zu organisieren, bei denen die Zuschauer nicht die Halskehre bekommen, weil sich die Tribüne quasi parallel zum Feld befindet, schade konnten die Kleinfeldenthusiastinnen und – enthusiasten mit ihren -enthusiastchen davon nicht profitieren! Doch ich verliere mich… Spielhälfte also (dachten wir!) und immer noch eine knappe Kiste. Dann stellte Bäretswil halt wieder Ganz aufs Feld: Pass auf E. Meier, Tor, Zwei-Tore-Vorsprung wiederhergestellt. Doch die Winterthurer hatten sich lernfähig gezeigt! Die Bäretswiler Defensive zeigte sich zuweilen von der technischen Klasse und Flinkheit der Alumni überfordert und wurde vielleicht auch ein wenig verängstigt. Diese Furcht zeigte sich nicht zuletzt in einem etwas hilflosen Anstechen oder einer Unentschlossenheit beim Blocken. Innert kürzester Zeit konnte Rychenberg so die Treffer zum 6:7 und zum 7:7 Ausgleich bejubeln, jeweils mit einem schnellen, platzierten Drehschuss. Und weil sie grad so in Fahrt waren, bekamen sie auch noch einen Penalty zugesprochen (hier lasse ich mal eine scheue Kritik am Schiedsrichter durchschimmern, wenn der Pfiff zum Penalty erst auf entsprechende Anfrage kommt, gibt das der Entscheidung schon einen fahlen Beigeschmack). Beim Penalty zeigte sich dann aber, dass die Winterthurer a) entweder über ein nicht zu überbietendes Selbstvertrauen verfügen oder b) zu diesem Zeitpunkt mit ihren Kräften ziemlich am Ende waren. Der Schütze lief an, würde er schiessen oder umlaufen? Danach tippte er den Ball an, um sich fürs Umlaufen bereit zu machen – ein wenig zu heftig allerdings, so dass der Ball nach rechts abdriftete und der Winterthurer sich nicht dazu hinreissen lassen konnte, mit schnellem Schritt den Penalty noch in ein Tor zu verwandeln (keeping cool oder losing his shit?). Die Statistik notierte also: Kein Tor! Am erstmaligen Rückstand war man also gerade noch einmal vorbeigeschrammt! Osterwalder konnte kurz darauf, man schrieb Minute 33 wieder die Führung realisieren, 7:8. Dann wurde auch noch eine Strafe gegen den HC Rychenberg gepfiffen. Nach dem ersten Versuch und Ballverlust Bäretswils konnte der Winterthurer Zürcher (hihi), genau jener Züri, die legendäre Nummer 81, allerdings jetzt mit der Tarnnummer 24 alleine auf Kuratle losziehen, dieser streckte sich so weit, dass ihm sogar die Maske vom Kopf fiel und parierte den Versuch! Nächster Anlauf also für die Bäretswiler und diesmal klappte es: Osterwalder erhöhte auf 9:7! Und es sah bald noch bunter aus. Abry zog mit Fischer auf den gegnerischen Torhüter los und hätte den Ball nur auf Fischer ablegen müssen, wollte jedoch selbst ganz cool den Torhüter vernaschen. Dies gelang nicht, stattdessen liess der folgende Konter die verdutzten Bäretswiler stehen und erzielte den Anschlusstreffer zum 8:9 (hier ist klar, wer seinen shit verlor und wer cool aussah…). Kurz darauf war es wieder der Veteranenblock der Bäretswiler, dem eine Auslösung so gar nicht gelang, und den erneuten Ausgleich zum 9:9 einstecken musste. Zur Rehabilitation jenes Blocks muss nun auch die 39. Minute erwähnt werden, in der Morf Fischer assistierte und dieser einmal mehr herrlich die Führung herstellen konnte. Und zum ebenfalls in der 39. Minute ergab sich wieder ein Powerplay für die Bäretswiler. Mit knapp 90 Sekunden zum Austoben im Mitteldrittel, liessen Ganz, Osterwalder und Rüdisühli den Ball lange zirkulieren, bevor sie die Unterzahl mit dem Treffer zum 9:11 bezwangen und sich den verdienten Pausentee gönnen konnten. Was unerwähnt blieb, sind viele Bäretswiler Abschlüsse, die nur gerade die Beine des Gegners fanden, von harmlos weit hinten abgegeben wurden und leider auch zu oft neben oder übers Tor gesetzt wurden. Ebenfalls unerwähnt, aber wichtig, dass die Winterthurer zwar nicht mehr wie junge Rehe, aber doch erstaunlich lauffreudig und hochstehend Klasse zeigten.

Das dritte Drittel war klar zugunsten der Bäretswiler angelegt: Man war kadermässig in Überzahl, führte und war guter Dinge im Cup eine Runde weiterzukommen. Entsprechend verlief auch der Start ins Drittel vielversprechend: Mit hohem Druck und Spielfreude wollten die Oberländer den Sack zumachen. In die Karten spielte ihnen eine Strafe gegen Winterthur, als Ganz hinter dem eigenen Tor gefoult wurde (lost his shit there…). So konnte selbiger Ganz in „seinem“ Powerplay in der 44. Minute auf Zuspiel von Rüdisühli auf 9:12 erhöhen. Kurz darauf war es Abry, der auf Zuspiel von Rüdisühli auf 9:13 erhöhen konnte. (immer noch Minute 44) Doch das Blut war scheinbar nicht nur bei den Eulachstädtern in Wallung geraten, auch S. Meier ging etwas zu forsch zu Sache und kassierte ebenfalls in der 44. Minute ebenfalls eine Strafe. Die Winterthurer gingen im Powerplay aufs ganze und traten ohne Torhüter 4:2 an und reüssierten damit, es stand nun 10:13, doch postwendend kam auch wieder ein Treffer Bäretswils: Osterwalder stellte mit einem wunderbaren Drehschuss die Vier-Tore-Führung wieder her. Es war in dieser Phase als Rychenberg immer cooler und Bäretswil immer shittiger spielte: Nach einer Verwirrung beim Wechseln pfiff der Schiedsrichter eine Strafe gegen Fischer wegen Stockschlags, obwohl dieser noch kaum Gelegenheit gehabt hatte seinen Stock in diesem Einsatz irgendwie einzusetzen. Rychenberg gelang der Treffer zum 11:14 nachdem die Bäretswiler einen Ticken zu lang hatten, um einen dritten Feldspieler wieder für den Torhüter auszuwechseln. In der 50. Minute dann wiederum die fast identische Verwirrung an der Bank bei einem Wechsel, ein aus der Situation folgender und unnötiger Freistoss der Winterthurer wurde schnell und ohne Setzen des Balls ausgeführt, Bäretswil schon wieder überrumpelt und es stand noch 12:14. Doch obwohl die Alumni mit einem übersichtlichen Kader angetreten waren, leisteten sie sich 10 Minuten vor Schluss einen Wechselfehler. Ganz konnte den Schuss nicht wie in üblicher Manier in ein Tor ummünzen und auch die Rychenberger ersetzten nun für den Ballbesitz im Boxplay ihren Torhüter durch einen dritten Feldspieler. Das Kunststück gelang und plötzlich stand es 13:14 und das Spiel wurde wieder sehr spannend. Das Powerplay der Bäretswiler konnte in der Restzeit keinen Erfolg mehr vorweisen, das Spiel der Bäretswiler war nun endgültig fahrig, hektisch und nervös geworden. Nur noch einzelne Spuren von Coolness konnten bezeugt werden. So Ganz als er einen zugesprochenen Penalty (Schutzraum) ohne Firlefanz in die linke untere Ecke platzierte, und später G. Meier der in einem Kraftanfall hinter dem eigenen Tor den Ball eroberte, übers Feld stürmte, in einem atemberaubenden Tempo noch einen Move einbaute und das 16. Tor für Bäretswil erzielte. Dieses gelang in der 57. Minute, kurz zuvor hatten die Bäretswiler einen Wechsel verschlafen und prompt das 14. Tor bekommen. Der HCR setzte nun definitiv auf vier Feldspieler – warum auch nicht, damit hatte man guten Erfolg gehabt – und konnte in der 18. Minute den Anschluss zum 15:16 realisieren. Die Bäretswiler waren nun komplett von allen guten Geistern verlassen: Statt den Ball zu halten, den Gegner laufen zu lassen, kurz Coach Webbers klare Anweisungen umzusetzen, nahmen sie unmögliche Abschlüsse, manövrierten sich in aussichtslose Duelle oder versuchten, kaum am Ball durch unzählige Beine hindurch das leere Tor zu erzielen. So kam es, wie es kommen musste: Rychenberg, wieder zu viert, erzielte den Ausgleich acht Sekunden vor Schluss und um ein Haar (bzw. einen Huber im Tor) noch den Siegtreffer in der regulären Spielzeit. Nun musste also die Verlängerung entscheiden.

Bäretswil verlor umgehend das Bully und musste sich wieder 3:4 wehren, auch hier war mehr Kraut und Rüben als organisiertes Boxplay, nur dank Huber kam man überhaupt noch in Ballbesitz in der Verlängerung! Nach einer Szene an der Bande (sie fiel um) überliessen die Bäretswiler in einem Anflug retrospektiv unerklärlicher Grosszügigkeit den Ball den Winterthurern (eine nicht-repräsentative Umfrage im Anschluss ergab keinen klaren Grund für diese zwar nette, aber letztlich entscheidende Geste). Die Winterthurer nahmen das Geschenk dankbar an und versenkten den Ball im folgenden Angriff cool zum letzten Mal an diesem Nachmittag im Bäretswiler Gehäuse.

Sieg HCR, hängende Köpfe bei den Bäretswilern. Nie war man hinten gewesen in diesem Spiel, aber fünf gute Minuten pro Drittel reichen gegen einen so renommierten Gegner einfach nicht zu einem Sieg. Hätte man nur etwas mehr Coolness gezeigt, würde man heute zufriedener ins Bett gehen. Herzliche Gratulation an den HCR zum erkämpften und auch verdienten Sieg!

Fürs Herren 1 geht es gleich morgen weiter zum Saisonauftakt in Elgg gegen Regensdorf und Niederwil.

(Eigentlich wäre jetzt noch ein schönes lateinisches Zitat ein runder Abschluss, aber mit dem Latein bin ich für heute – trotz sechs Jahren am Rychenberg – definitiv am Ende..)

Bäretswil: Huber, Kuratle; Ganz, E.Meier, S.Meier; G. Meier, Osterwalder, Fischer; Abry, Morf, Rüdisühli; Weissenberger

Bäretswil ohne Webber (verletzt, Coach), Schmitter (abwesend), Gysin (Forfait), Brodbeck (Reisen), Moser (Schonen)