Es ist natürlich zu kurz gegriffen, zu behaupten, das 1. Liga KF Team des UHC Blau-Gelb Cazis bestehe nur aus ehemaligen Nationalliga A Spielern (oder muss man jetzt rückgreifend ebenfalls von der *setzen-Sie-einen-Grossverteiler-Ihres-Vertrauens-ein* Unihockey Prime League schreiben?), auch wenn die Dichte dieser Ehemaligen doch sehr hoch ist, es wäre auch vermessen zu behaupten, man karre die guten 1. Liga Spieler bis aus dem Einzuggebiet der Westgruppe ins Bündnerland, auch wenn es dafür Beispiele gibt, richtig arg wäre es, zu behaupten dieser UHC Blau-Gelb Cazis habe keine eigenen Junioren, denn sowohl in den Juniorenligen, als auch in der ersten Mannschaft gibt es zuhauf talentierte Eigengewächse, die mit ein Grund für den andauernden Erfolg der Mannschaft aus Graubünden sind. Deshalb soll hier einfach nur festgestellt werden, was aus den obigen Sätzen logisch geschlussfolgert werden kann: Der UHC Blau-Gelb Cazis verfügt diese Saison wieder einmal über ein äusserst breites, äusserst schlagkräftiges und äusserst talentiertes Kader, das in eigenen Worten „Kleinfeldunihockey vom Feinsten“ zeigt. Mit diesen Caznern bekam es der DT Bäretswil in der vierten Runde der 1. Liga KF Meisterschaft zu tun. Die Bäretswiler wohl mit etwas Respekt nach dem Cup-Aus gegen Wiler-Ersigen, deren Team in einigen Aspekten den Caznern durchaus nicht unähnlich ist. Trotzdem wollten die Zürcher Oberländer die bisherige Ungeschlagenheit in der Saison auch heute in Jona weiterführen.
Kurz nach Spielbeginn zeigte sich, wer in der Begegnung den Takt vorgeben sollte: Während die Bäretswiler, durch einige Ausfälle geschwächt, sich oft einmal noch finden mussten – oder besser gesagt, oft im Aufbau noch nicht so fanden – erspielten sich die Bündner schon schnelle erste Chancen, Huber musste alleine in den ersten drei Minuten schon vier grosse Paraden auspacken, um seine Farben im Spiel zu behalten. Trotzdem stand es nach 5 Minuten noch 0:0, zwar mit Vorteil Cazis, aber das musste ja nicht zwingend etwas heissen. In der 7. Minute dann eine kuriose Szene: E. Meier blockte erfolgreich einen Abschluss von Cazis, der Ball sprang hoch über ihn hinaus in Richtung Tor, Huber steht auf, um den Ball zu fangen, wird jedoch im Stand von der Sonne geblendet und sieht den Ball nicht mehr, dieser zieht in seiner Parabel steil nach unten direkt ins Tor. 1:0 also für Cazis, kurios, aber im Spiel gesehen sicher nicht unverdient. Nur 30 Sekunden später hapert eine Bäretswiler Übergabe im Spielaufbau, Cazis lässt sich nicht zweimal bitten und netzt nach einer Querverlagerung zum 2:0 ein. Nach und nach gewannen nun aber auch die Bäretswiler Spielanteile und es liess sich etwas von einem Zug aufs gegnerische Tor erahnen. So wurde das Spiel nun zumindest in der Tendenz etwas ausgeglichener, Cazis jedoch immer noch mit mehr Abschlüssen und Chancen als der DTB. In der 16. Minute dann die Möglichkeit für Bäretswil: Eine 2 Minuten Strafe gegen Cazis. Osterwalder, der heute vom verletzten Heise die Captainbinde übernommen hatte, liess sich nicht lange bitten und erzielte nach nur einer halben Minute in Überzahl den Anschlusstreffer zum 2:1. Nun festigte sich in den Bäretswilern die Überzeugung, dass noch etwas zu reissen sein könnte. Jedoch war es nur 20 Sekunden vor Ende der ersten Hälfte wieder Cazis, das das Matchtelegramm um einen Eintrag bereicherte: Ein Cazner konnte sich, wohl von der Bäretswiler Abwehr bewacht, aber nicht zu stark bedrängt, vors Tor durchdribbeln und dort mit einem Schuss zwischen den eigenen und Hubers Beinen hindurch zum 3:1 einnetzen. Somit würden die Bäretswiler in der zweiten Hälfte mit einer Hypothek von zwei Toren starten. Die vom Spielsekretariat (vielen Dank an dieser Stelle an Rapperswil-Jona, auch der Ballservice war ausgezeichnet) gelieferten Daten sprachen eine eindeutige Sprache 24 Abschlüssen aufs Bäretswiler Tor standen nur gerade 14 Abschlüsse aufs Cazner Tor entgegen. Für die zweite Hälfte mussten die Eigenfehler im Aufbau eliminiert werden und vor allem offensiv ein Akzent gesetzt werden, der Einsatz stimmte zwar, doch so richtig intelligent hatte man bis hierher noch nicht gespielt.
Ein Beispiel dieser etwas mangelnden Konzentration manifestierte sich nur kurz nach Anpfiff der zweiten Hälfte: Bäretswil auf einmal mit einem Spieler zu viel auf dem Feld, statt einer Aufholjagd stand nun zuerst eine Verteidigungsschlacht an. Dieses brauchte zwar etwas Anlauf, doch nach etwa der Hälfte der Strafzeit erzielte das Bündner Powerplay den Treffer zum 4:1. Nun folgte die schwächste Bäretswiler Phase: In der 26. Minute konnte Cazis nach einem Freistoss auf 5:1 erhöhen, kurz danach im nominellen Boxplay (der Torhüter wurde nach einer Strafe wegen eines Wechselfehlers durch einen dritten Feldspieler ersetzt) auf 6:1. In der 33. Minute dann das 7:1. Die Bäretswiler in dieser Phase zwar immer kämpferisch, jedoch leider im Modus Hühnerhaufen: Auf der Bank und auf dem Feld war keiner mehr nur auf seine Aufgabe konzentriert, sondern wollte gleich auch für alle anderen mitdenken, was zu stehen gelassenen Gegenspielern auf dem Feld und einem Stimmengewirr auf der Bank führte. Coach Heise nahm sodann das fällige Timeout: Trotz des grossen Rückstandes versuchte man es nun noch mit einem vierten Feldspieler. Nun begann die letzte Phase des Spiels, wir nennen sie der Einfachheit halber 4:3. Denn dasjenige Team, das gerade in Ballbesitz war, ersetzte nun seinen Torhüter durch einen extra Feldspieler. Diese Phase führte zu zwei weiteren Toren: S.Meier konnte ins leere Tor einnetzen und Cazis konnte in Überzahl noch das 8:2 erzielen. Für Bäretswil eine rauhe, schmerzende Niederlage: Der Graben zum Tabellennachbarn war heute definitiv zu gross, auch der Speaker hatte sich andere Hoffnungen zu diesem Spiel gemacht: Statt des erhofften Kampfes am Tabellenkopf eine Niederlage, die sich gewaschen hatte.
Über den UHC Elgg lässt sich noch keine so lange Laudatio schreiben wie über Cazis, doch es gibt Parallelen: Nicht nur befindet sich Elgg wie Cazis nur wenige Autominuten einer Stadt, deren Brauerei vom Heineken Konzern übernommen wurde: Auch wird in dieser wie in jener Stadt Unihockey auf hohem Niveau gepflegt. Dass hochdotierte ehemalige HCR Spieler diverser Stufen nun noch in Elgg ihre Karriere verlängern ist nicht völlig ausgeschlossen, insofern heisst es, den Aufsteiger weiter aufmerksam zu beobachten. Andererseits sind auch die Elgger Eigengewächse sehr talentiert: Welches Kraut in Elgg, Schlatt, Rümikon, Wenzikon, Hagenbuch, Dickbuch, Hofstetten usw. auch immer wächst, Unihockey spielen können sie!
Die Bäretswiler wollten gegen Elgg unbedingt noch zu Punkten kommen. Das bedeutete einerseits die Schlappe gegen Cazis beiseite zu stecken und nach vorne zu blicken, andererseits, sich bewusst zu machen, dass Einsatz allein nicht viel bringt, wenn der Kopf dabei in der Garderobe bleibt.
Die ersten drei Minuten des Spiels begann Bäretswil eher etwas gehemmt. Elgg im Ballbesitz rauschte hinter dem Bäretswiler Tor durch, stolperte, fing sich, spielte den tödlichen Querpass und führte plötzlich 1:0. Nun fand auch Bäretswil langsam etwas den Tritt. Heute wollte man keine weitere Niederlage einstecken und so liess sich auch für einen Laien erkennen, dass Bäretswil überlegter und abgeklärter spielte und sich auch vom Rückstand nicht aus dem Konzept bringen liess. Osterwalder lief nach einem Ballgewinn in der Defensive mit so viel Energie über das Feld, dass er den Ball auch noch behauptete, als er regelwidrig abgedrängt wurde. Die Hand des Schiedsrichters schnellte nur für kurze Zeit nach oben, Osterwalder war schneller und realisierte den Ausgleich. Nun war die Bäretswiler Offensive erwacht: Elgg etwas mehr verunsichert im Aufbau, das Spiel nahm Fahrt auf. Nach einem Elgger Bodenspiel dann Powerplay für Bäretswil. Der erste Freistoss misslingt jedoch komplett, in der Folge rennen die Bäretswiler dem Ball nach, 1:1 Abschlüsse, keine Tore nach diesem Powerplay. In der 17. Minute dann eine Strafe gegen Gysin (bereits die zweite an dieser Runde). Das Boxplay von G. Meier und Fischer läuft gut, doch dann gleitet Fischer aus und die Elgger können ihre erneute Führung bejubeln.
In der Pause dann noch einmal die Ermahnung Heises: Intelligenz und mehr Pässe statt Einzelaktionen. Weissenberger wurde nach 60 starken Minuten durch den noch frischen Schmitter ersetzt. Der erste Einsatz zeigte dann auch, welches Tempo sich die Bäretswiler für ihr Spiel vorstellten. Allen voran zeigte Osterwalder, dass er die Captainbinde zurecht trug und jagte mit seinem Block allen Bällen intelligent nach.
Nach einem Foul an Gysin schnellte wieder die Hand des Schiedsrichters nach oben, doch noch bevor Bäretswil auf vier Spieler erhöhen konnte, zeigte der neu eingewechselte Schmitter, was er kann, und erzielte den Ausgleich zum 2:2. Nun hatte Bäretswil die Oberhand, scheiterte aber Mal für Mal am sicheren Elgger Keeper, der kaum Abpraller zuliess und zuverlässig zur Stelle war. Elgg spielte zumindest in einer Aktion etwas intelligenter: Ein Schuss traf S. Meier an einer sehr empfindlichen Stelle und setzte ihn augenblicklich ausser Gefecht, mit 3:2 erzielte Elgg die erneute Führung zum 3:2. Das war aber nicht genug für die Elgger: Sie wechselten nun auf 4:3 und wollten die Führung ausbauen, einmal gelang es nur knapp nicht, als Fischer hinter Torhüter Kuratle in bester Squash Manier noch klären konnte. Doch diese Art des Spiels war auch mit Risiko verbunden: E. Meier traf in dieser Phase zum Ausgleich 3:3. Nach einem Elgger Timeout 8 Minuten vor Spielende waren die Bäretswiler in der 3:4 Unterzahl auf der Hut: Rüdisühli fing einen Pass ab und netzte abgeklärt zur 4:3 Führung ein. Nur wenige Sekunden später bediente E. Meier Gysin und Bäretswil konnte nun plötzlich seine Führung ausbauen. Elgg warf nun alles nach vorne, Bäretswil wehrte sich zwar mit Händen und Füssen aber die Details entschieden: die Bäretswiler Abwehr waren bei einem Freistoss kurz nicht 100% konzentriert und da landete der Ball auch schon in den Maschen. Ein Treffer von G. Meier wurde in der Folge – wohl zurecht – nicht gezählt, weiter blockten die Bäretswiler alles und warfen sich beherzt in die Elgger Schüsse. Dann die bitterste Minute für die Bäretswiler: 55 Sekunden vor Schluss scheiterte ein Elgger alleine an Kuratle, Fischer der zu Hilfe eilte, jedoch weder Ball noch Mann traf, wurde des Fouls bezichtigt und ein Penalty gepfiffen. Diesen versenkte der Elgger Büchi (wie sich herausstellte ein ehemaliger Mitspieler Kuratles aus KS Rychenberg Zeiten) schnörkellos zum 5:5. In der letzten Minute war also wieder alles offen, beide Teams kämpften nun um den Ballbesitz und wollten den Extrapunkt mit nach Hause nehmen. Mit nur 2 Sekunden auf der Uhr schoss S. Meier von weit hinten, sehr tief und präzis und hob schon die Hände zum Jubel, doch er traf ganz knapp nur den Pfosten, danach ertönte die Sirene und die Teams trennten sich mit je einem Punkt. Hatte Bäretswil in der Vergangenheit oft das Privileg, eher glücklich Punkte mit nach Hause zu nehmen, fühlte sich dieses Unentschieden eher nach einem Punktverlust an, da war einerseits der unglückliche Penalty, aber auch die Gedächtnisschüsse übers leere Tor oder knapp daran vorbei, die Bäretswiler Offensivpower ist noch ausbaufähig! So bleibt also ein Punkt aus dieser Runde, das vierte Unentschieden in dieser Saison. Nach der WM Pause (nur Rüdisühli wurde aufgeboten, er musste seine WM Tickets wieder verkaufen, kein Witz!) trifft sich die 1. Liga KF Gruppe 2 in Tann zu den letzten Hinrunden und ersten Rückrundenspielen, für Bäretswil steht das Derby gegen Emotion Hinwil an sowie das Spiel gegen LC Rapperswil-Jona.
Bäretswil: Huber, Kuratle; Gysin, E. Meier, Weissenberger, Schmitter; Brunner, S. Meier, Rüdisühli; Fischer, G.Meier, Osterwalder; Bäretswil ohne Brodbeck (Militär), Ganz (Ferien), Heise (verletzt), Moser (verletzt)