Nach zwei frühen Runden mit eher längerem Anfahrtsweg durften die Spieler des Herren 1 das frühlingshafte Wetter am letzten Spielrundensonntag lange geniessen, bevor sie im Hüssenbüel in Hinwil vor zahlreich erschienenem Publikum (wer sich im Oberland auskennt, weiss, dass es nicht weit ist) in die Hosen steigen mussten.
Kurz bevor ich ans Spiel abrauschte, versuchte ich einer Kollegin noch zu erklären, worum es heute geht. Im Schwedischen gibt es denn knackigen Ausdruck „vinna eller försvinna“, aber auf Englisch und Deutsch fiel mir ein solcher einfach nicht ein – sie sah meine Not und, promovierte Theologin, die sie ist, half mir unkompliziert mit einem Ausdruck aus der Akademikerwelt: Publish or Perish (Veröffentlichen oder untergehen)! Dieses Bonmot trifft die Ausgangslage des DT Bäretswil vor der letzten Runde sehr gut. Mit einem Punkt Vorsprung auf Lengnau, gegen das man diese Saison drei Punkte hatte liegen lassen, lag man auf Platz vier. Wenn man also nicht würde rechnen wollen, ob die Playoffs noch zu schaffen sind, würde man zwei Siege einfahren müssen, ein Kunststück das dem Team in dieser Saison erst einmal gelungen war. Da die Spiele aber erst spät am Tag angesetzt waren, würde man auch ziemlich genau wissen was nötig wäre. Würde Lengnau stolpern, wäre man sicher in den Playoffs, aber eben, gut spekuliert ist schon halb verloren, deshalb den Fokus mal lieber auf sich selbst legen, die schönen, neuen, violetten Einspielshirts (Achtung Markennennung), die wir dank unihockeyshop.ch, Uftritt und Muu Catering unser eigen nennen können, angezogen und vollen Fokus auf die Spiele gegen Bürglen und Hinwil.
Gegen den Aufsteiger Bürglen hatte es in der Hinrunde nur für ein Unentschieden gereicht, heute wäre ein Unentschieden wohl mehr Perish als Publish, darum also auf Sieg spielen! Lengnau hatte gegen das Heimteam emotion Hinwil im Spiel zuvor noch Unentschieden gespielt, ein Unentschieden, das Hinwil ein Spiel vor Ende der Saison der Klassenerhalt sicherte. Somit war klar, dass man einerseits mit einem Sieg gegen Bürglen schon ein Bein in den Playoffs hätte und dass andererseits Hinwil im zweiten Spiel wohl nicht mehr auf Biegen und Brechen auf Punkejagd gehen musste.
Nun aber eben Fokus auf uns:
Das Spiel hatte eben begonnen, als Bürglen schon ein erstes Mal zeigte, dass stocktechnisch wahre Künstler auf dem Feld standen. Mit einem Zorromove versuchte die Nummer 30 nämlich den frühen Führungstreffer zu erzielen. Doch der Abschluss gelang nicht ganz wunschgemäss und im schnellen Gegenstoss konnte Pfiffner dafür bereits in der ersten Minute das 1:0 für den DT Bäretswil bejubeln. Ein Start nach Mass und es ging gleich weiter: In der vierten Minute konnte der eben erst eingewechselte G. Meier mit viel Energie nach vorne ziehen und gleich abschliessen, nun stand es 2:0 für Bäretswil. Einen kurzen, kurzen Moment steigerte Bürglen danach seine Gangart, stand höher und machte aktiveres Pressing, so dass die bis anhin gefühlte Bäretswiler Dominanz etwas nachliess. Doch schon einen Einsatz später nahm sich Bürglen wieder zurück und liess Bäretswil in der eigenen Zone grösstenteils gewähren. Diesen Platz nutzten G. Meier und Osterwalder geschickt aus: Nach einer Ballübergabe in der eigenen Hälfte kam Osterwalder frei zum Schuss, der Ball prallte zwar noch vom Torhüter ab, jedoch immer noch ins Tor und so stand es 6 Minuten bereits komfortable 3 Tore zu Nix für Bäretswil. Bäretswil spielte hervorragendes Unihockey: Konzentriert, drückend und einsatzfreudig. Dieser Einsatz wurde auch stetig wieder belohnt, so dass sich auch J. Ganz in die Liste der Torschützen einreihen konnte: Auf einen Pass von E. Meier schloss er wieder auf Höhe der Mittellinie ab und traf prompt. Dieser Treffer markierte auch etwas einen Abschluss der Bäretswiler Dominanz der Anfangsphase. Die nächsten Minuten zeigten ein erstarkendes Bürglen. So stand man in der 12. Minute etwas zu passiv und musste prompt den Treffer zum 4:1 hinnehmen, nur drei Minuten später stand man nicht ganz konsequent am Pfosten als Bürglen mit Ballbesitz hinter dem Bäretswiler Tor auf vier Spieler wechselte und mit einem schönen Hook von hinter dem Tor zum 4:2 aufschloss. Das Spiel war nun definitiv auf beiden Seiten in die Gänge gekommen. Bäretswil war zwar immer noch die spielmachende Kraft, aber Bürglen setzte Mal für Mal Nadelstiche, besonders mit Ballbesitz hinter dem Bäretswiler Tor wurde dieses Team gefährlich, aber auch bei Kontern, in die die Bäretswiler manchmal vielleicht eine Spur zu naiv hineinliefen. Huber im Tor zeigte aber einmal mehr seine ganze Klasse und konnte so einen weiteren Treffer der Thurgauer vorläufig verhindern. Doch auch wenn nicht mehr alles so reibungslos lief wie zu Spielbeginn, Bäretswil konnte heute auch mit etwas mehr Druck glänzend umgehen. So entwischte Pfiffner nach einer Druckphase der Bürgler und stellte mit seinem zweiten Treffer den Dreitorevorsprung wieder her. Mit dieser soliden Führung und einem über weite Strecken sehr guten Spiel besammelten sich die Bäretswiler so denn auch zur Pause. Man nahm sich vor, gerade in der Defensive noch einen Zahn zuzulegen und den Druck auf die Bürgler zu erhöhen.
Gesagt getan! Bereits in der 22. Minute wollte sich Bürglen wieder hinter dem Bäretswiler Tor einnisten, als schon die Bäretswiler Verteidigung im Doppelpack wie die Feuerwehr anrauschte. Leider rauschte man mehr mit gutem Willen denn mit einem Plan an. So entwischte der Ball und auch der freie Bürgler und schlenzte mit einem satten Move den Ball in die nahe Ecke zum 5:3. Eigentlich ein wenig ein Fehlstart in die zweite Hälfte. Doch daran mochte niemand im Team wirklich denken. Am wenigsten D. Weissenberger: Dieser zeigte im nächsten Einsatz, dass auch Bäretswil „hinter dem Tor“ kann und erhöhte mit einem Buebetrickli auf 6:3. Und plötzlich lief es wieder für Bäretswil: In der 23. Minute war es G. Meier, der bei viel Verkehr vor dem gegnerischen Tor von weit hinten gar nicht mal allzu scharf schoss und das 7:3 bejubeln konnte. In der 25. Minute dann ein kurzer Dämpfer: Wegen zu wenig Abstand zum Torhüter wurde G. Ganz auf die Strafbank geschickt. Ein Pfiff, der in mir normalerweise helle Freude auslöst, in diesem Spiel aber etwas fragwürdig daher kam: Der Bürgler Torhüter holte sich nämlich den Ball an seinem linken Pfosten, von wo G. Ganz seine Umrundung des Tores startete. Als dieser gerade um den Pfosten drehte und seinem Gegenspieler nachjagte, warf der Torhüter (nun ebenfalls am rechten Pfosten) gerade aus und G. Ganz konnte kaum anders als den Ball zu berühren. Nun denn. Die Boxplayformation stellte sich auf und Huber brillierte bereits ein erstes Mal. Danach gelangte Bäretswil in Ballbesitz und konnte Huber durch einen dritten Feldspieler ersetzen. Eigentlich hätte man die Unterzahl nun elegant herunterspielen können. Hätte man nicht bei einem eigenen Freistoss zu lange zugewartet und so den Ballbesitz wieder aus der Hand gegegeben. Also wieder Boxplayformation aufs Feld, wieder in Ballbesitz gelangen und schliesslich dann die Strafe doch unbeschadet überstehen. In der 31. Minute, als wieder alles beim Alten war, konnte sich wieder G. Meier durch die ganze Abwehr tänzeln und das 8:3 erzielen. Ein Bürgler Timeout läutete daraufhin die Schlussphase ein, jedoch nicht mit der erhofften Wirkung: In der 34. Minute stoppte man zwar G. Meier sehr konsequent in der Mitte, liess jedoch Pfiffner ausser Acht, so dass G. Meier ihn lancieren konnte und Pfiffner, die Bäretswiler Antwort auf Mira Markström, satt auf 9:3 erhöhte. Noch besser kam es aus Bäretswiler Sicht, als gegen Bürglen auch noch eine Strafe wegen Haltens gepfiffen wurde. Im Powerplay konnte die Achse Osterwalder-S. Meier- Pfiffner in einer wunderschönen Kombination den zehnten Treffer bejubeln. Was nun kam war definitiv die Kür dieses Spiels: In der 39. Minute liessen die Bürgler S. Meier nur etwas zu viel Platz und auch er konnte seine Solokünste zeigen und den Ball zum 11:3 in den Maschen versenken. Dem Spiel die Krönung aufsetzen konnte schliesslich J.Ganz: Beim ersten Einsatz von R. Weissenberger im Herren 1 spielte E. Meier auf J. Ganz und das 12:3 in der 40. Minute war Tatsache.
Mit diesen zwei Punkten und somit mindestens zwei Punkten Vorsprung auf Lengnau (und dabei blieb es auch, Lengnau gewann sein Spiel gegen Mörschwil deutlich) würde man gegen emotion Hinwil um die Playoffs spielen: Mit viel Publikum und der Zuversicht, dass man nicht nur mit zwei Punkten Vorsprung, sondern auch mit dem besseren Torverhältnis als Lengnau in die Partie starten würde. Aber eben, It’s not over ‚til it’s over…
Das Spiel gegen Hinwil war das letzte Spiel dieser Saison für Hinwil, das vor heimischem Publikum noch einmal zeigen wollte, was es drauf hat. Der Start ins Spiel war schwieriger als im vorherigen Spiel: Bäretswil gelangte in den ersten Minuten jeweils nur kurz in Ballbesitz, während im Gegensatz Hinwil das Spiel am Ball zeitlich ausdehnte und die Einsätze für die Bäretswiler sehr lange wurden. Nach einem sehr langen ersten Einsatz des ersten Bäretswiler Blocks, kam in der zweiten Minute endlich Block zwei für einen Freistoss aufs Feld und fackelte nicht lange: Captain Webber bediente S. Meier, und dieser erzielte sogleich das 1:0 für Bäretswil. Nach fünf Minuten hatte dann auch Bäretswil ins Spiel gefunden und konnte einen hohen Wechselrhythmus etablieren. Dies zeigte sich auch in den Aktionen auf dem Feld. In der 6. Minute scheiterte G. Ganz nur knapp an der Latte und in der 9. Minute überzeugte wiederum das Duo Webber/S. Meier, das auf 2:0 erhöhen konnte. In der 10. Minute fand G. Ganz von hinter dem gegnerischen Tor E. Meier, der aus nächster Nähe das 3:0 markierte. Und nur Sekunden später war es Osterwalder mit einem seiner gefürchteten Distanzschüsse, der von einem Hinwiler vor dem Tor entscheidend abgelenkt wurde und zum 4:0 für Bäretswil führte. Wer nun denkt, das Spiel sei eine Einbahn gewesen, täuscht sich: Auch Hinwil hatte etliche Vorstösse, besonders zu erwähnen ist jener in der 12. Minute, in dem alle drei Hinwiler gegen nur einen Bäretswiler Verteidiger zum Konter aufliefen. Doch die Hinwiler hatten die Rechnung ohne Huber gemacht: Dieser antizipierte geschickt die Anspielstation, verschob und wehrte nicht nur ab, sondern konnte den Ball sogleich in eigenen Besitz bringen! In der 14. Minute bedankte sich S. Meier auf seine Weise bei Webber für die vorherigen Assists: Er legte für Webber bei einem Freistoss auf und auch das 5:0 für Bäretswil war Realität. Die erste Hälfte endete mit einem 5:0 Vorsprung für Bäretswil, jedoch nicht ohne, dass man in letzter Sekunde noch einen gefährlichen Abschluss aufs eigene Tor zuliess, der jedoch zu hoch geriet.
Gerne würde ich die zweite Hälfte ebenso ausführlich schildern. Doch was geschah eigentlich in der zweiten Hälfte? Nur wenige Notizen sind erhalten, daher die Kurzform: In der 22. Minute zeigte Hinwil, dass auch in seinen Reihen Solokünstler zu finden sind, somit erster Treffer fürs Heimteam. In der 24. Minute dann die Chance auf einen weiteren Treffer, doch Huber vereitelte den Penalty geschickt. In der 26. Minute dann wieder eine lange Druckphase Hinwils, die im Treffer zum 5:2 endete. Der Rest des Spiels war durchaus nicht unattraktiv, sogar Emotionen kamen gegen Schluss auf beiden Seiten auf, welche mit vereinten Kräften jedoch wieder auf ein gesundes Mass gebändigt werden konnten. So endete die Begegnung für alle versöhnlich mit 5:2. Nach dem Spiel ehrte Emotion Hinwil noch seine abtretenden Spieler und ein durch und durch gelungener Unihockeysonntag ging für die Bäretswiler zu Ende. Ende? Nein!!! Publish! Playoffs, zum vierten Mal und zum ersten Mal gelingt zweimal hintereinander die Playoffqualifikation! Das Abenteuer beginnt bereits am nächsten Wochenende gegen Oekingen, Cup- und Qualifikationssieger der Westgruppe. Sobald die Daten bekannt sind, werden sie natürlich hier auf der Homepage und auf den anderen Kanälen veröffentlicht!
Bäretswil: Huber; G. Meier, Osterwalder, Pfiffner; Brodbeck, S. Meier, D. Weissenberger; G. Ganz, J. Ganz, E. Meier, R. Weissenberger; Webber.
Bäretswil ohne: Fischer (krank), Moser (verletzt, Bank), Kuratle (verletzt, Bank)