Ehe man sich versieht, ist es auch schon wieder Ende Februar und damit die Saison – fast zeitgleich mit einem weiteren meiner Lebensjahre – beendet, oder auch vollendet, erfüllt. Das gilt zumindest für die Qualifikationsphase, die glücklichen Teams, die sich auf den besten vier Tabellenplätzen befinden, haben sich die Saison um noch mindestens zwei Wochenenden verlängert, ebenso die Pechvögel auf den Plätzen 9 und 10. Während zur letzten Runde die Playoffplätze bereits vergeben waren und sich die Teams höchstens noch ums Heimrecht stritten, war um den Strich noch mehr Bewegung. Da die Bäretswiler in dieser Saison zeitweise Leader waren und sich auch später nie zu sehr gehen liessen (und natürlich, die Bescheidenheit müssen wir haben, auch oft das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite lag), durften sie heute in Mörschwil ohne Druck gegen Cevi Gossau und Elgg die Playoffform testen. Dies geschah unter personell denkbar schlechten Umständen: Ferien, Trainingsverletzungen, Ausfälle, Angeschlagenheit und Ferien führten zu einer Reihe von Rochaden und einem etwas über zwei Blöcken liegenden Kader. Positiv dabei: Moser war endlich wieder dabei und gab sein Comeback (wir hoffen, dass es jetzt länger weder Go-away gibt noch Comeback braucht…)
Anreise und Spiel gegen Cevi hatten einen sehr romantischen Touch. Und mit romantisch meine ich nun nicht den Valentinstag Kitsch und Schmacht Verschnitt, kurz unseren vulgären Umgang mit dem Terminus, sondern die Romantik, die als Kunstform und Epoche der Geistesgeschichte unser Denken ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert prägte. Die Hinwendung weg vom Rationalismus der Aufklärung hin zur Gefühlswelt, zur Natur, zum Innenleben. Das Suchen des Absoluten im Märchenhaften und Volkstümlichen. Wo kann man heute dem Absoluten noch draussen begegnen? Wo wird die eigene Existenz noch von der Natürlichkeit und der verklärten Vergangenheit transzendiert? Zumindest ein Teil des Bäretswiler Teams wurde dieser Romantik schon bei der Anreise gewahr: Eine Herde Schafe blockierte den Verkehr im Tösstal und liess technologischen Fortschritt und rasche Mobilität verblassen und manche Verkehrsteilnehmende erinnerten sich wohl an Lavaters Zeilen: „Bleibe du, mein Herz, nur warm. Ist ein Bruder nackt und arm, sein soll meine Wolle sein“ (Lavater erwähne ich vornehmlich aus dem Grund, dass er mein Urururur….grossvater war, ihn im engen Sinn als Romantiker zu beschreiben, wäre eine Schubladisierung, die seinem Werk, literarisch und besonders theologisch, nicht gerecht würde. Aber er war doch immerhin mit Goethe befreundet und der gilt ja als Vorbild der Romantiker, aber ich verzettle mich). Auch die Ankunft in Mörschwil erinnerte an eine Zeile aus der Romantik „und aus den Wiesen steiget der weisse Nebel wunderbar“, denn in diesen war das Ostschweizer Dorf gehüllt, die Leute kamen gerade vom Kirchgang und vom im Namen der Halle versprochenen Blick auf den See war nichts zu sehen. Wir vermuten, der Bodensee war gemeint, aber bestätigen können wir das leider nicht. Zur Beschreibung der Halle im Detail gibt es dann im Bericht zum zweiten Spiel noch Erläuterungen, viel Holz, unter anderem der schnelle Parkettboden, sind an diesem Gebäude der Anteil des sog. Natürlichen, ansonsten wenig Romantik (d.h. aber auch wenig Unheimliches, ein weiteres Motiv der Epoche, wer schon einmal den Sandmann gelesen hat, weiss, was ich meine), aber schön, einladend, praktisch, sogar mit ansprechender Tribüne.
Das Spiel gegen Cevi Gossau wollte Coach Webber nutzen, um ein erstes Mal ein wenig Playoffgeist ins Team zu bringen. Das Ziel war, das Passspiel des Gegners früh zu erschweren und selbst den Ball zirkulieren zu lassen, um zu Abschlüssen zu kommen (es sind genau Formulierungen, wie diese, die einen Sportbericht so unglaublich langweilig und banal machen, nichts ist damit gesagt, der Bericht nicht schöner geworden, nur um eine unglaublich flache Plattitüde länger, das nervt mich! Aber wie findet man in einer Kabinenansprache das Ideal des Romantischen? Im zuversichtlichen Blick des Coaches? Im Leuchten der Augen des Neocaptains E.Meier vor seiner ersten Ansprache in der „Bärenhöhle“? Im Drang Mosers, seiner unbändigen Energie auf dem Feld Ausdruck zu verleihen? In Weissenbergers neu entdecktem Körpergefühl nach kaum zwei Monaten Armeediät? Oder in den kernigen Bemerkungen G. Meiers? noch einmal Claudius: „Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel“, und ich nicht so viel weiter im Spielbericht…)
Das Spiel begann so gar nicht nach Bäretswiler Gusto, der Ex-Bäretswiler Jason Abbühl zeigte sich nach nur 90 Sekunden für die Gossauer Führung verantwortlich (man könnte manchmal meinen, die Bäretswiler vergessen, wie gut dieser Mann auf dem Feld ist, da lässt man ihm nur ein wenig Platz und schon fliegen einem Bälle um die Ohren, dass einem Hören und Sehen vergeht). Apropos Sehen vergehen. Während ich Abbühls Abschluss keinesfalls schmälern will, soll noch erwähnt werden, dass wir Fotomaterial besitzen, auf dem zu sehen ist, wie der Schiedsrichter nicht nicht sehen kann, dass Hürlimann während der Aktion munter über Torhüter Kuratle kraxelt und ihn vom Schutzraum aus behindert, einfach so zum Sagen…). Die Gossauer brauchten darauf hin kaum mehr Zeit, um auch noch einen zweiten Treffer zu realisieren, in der Verteidigung haute es noch nicht so hin bei den Bäretswilern, aber immerhin sah man doch auch offensiv die eine oder andere schöne Aktion. Und so durfte Bäretswil in der Manifestation von S. Meier in der fünften Minute zum Penalty antreten. Sein Trick war wirklich genial ausgedacht, damit hatte er den Torhüter in der Tasche, doch oje! Der Ball versprang ganz zur Bäretswiler Unlust und statt des Anschlusstreffers gedachten wir der schönen Vergangenheit – also der letzten Trainings, in denen der Trick wunderbar funktioniert hatte! Doch nur eine knappe Minute später dann eine weitere Gelegenheit: Eine Zweiminutenstrafe gegen Gossau wegen eines Wechselfehlers (beim Wechsel von viertem Spieler und Goalie), doch auch hier – o Graus – blieben die Bälle in der Vorwärtsbewegung zu oft liegen und zweimal wurde der Pfosten getroffen, jetzt nahm das Spiel doch einen etwas unheimlichen Charakter an. Den Bäretswilern gelang nicht sehr viel, und oft sprang der Ball zu allem Überfluss für Gossau. Und so geschah es auch in der 13. Minute. Ein Bäretswiler Pass wurde abgefangen und von Gossau zum 3:0 verwandelt. Beim anschliessenden Bully wurde Freistoss für Cevi gepfiffen. Die sorgfältige Absprache: „Du bleibst fix“, resultierte darin, dass G. Meier in der Mauer ebenselbe just zu dem Zeitpunkt verliess, als der dritte Gossauer Spieler an den Ball lief und schoss. Natürlich fand der nicht sehr präzise platzierte Ball seinen Weg durch des Torhüters Beine und abermals wurde der schon angeschlagenen Bäretswiler Gefühlswelt ein herber Dämpfer versetzt. Wohin sollten sie fliehen? Wo finden, was ihre geschundenen Gemüter brauchten? S. Meier suchte tief in seinem Inneren den Funken Hoffnung, das Quäntchen Energie, sein Feuer, das keine argen Winterschauer löschen können. Und er wurde fündig: Nach fast 15 Minuten und einem unbändigen Energieanfall reüssierte S. Meier und konnte so etwas wie den Anschluss zum 4:1 herstellen. Doch Gossau war weiterhin im Spiel dabei und es schien als würde es seine Energie leichter finden, mehr die innere Ruhe haben, und so verwundert es nicht, dass noch in der 15. Minute wieder der Vier-Tore Vorsprung hergestellt war. Doch die Welle der Euphorie, der Glauben an einen anderen Ausgang, der Drang dem bisher vom Spiel oktroyierten Verlust zu widerstehen, die Grenzen dieser Zwangsläufigkeiten und des von Statistik, Rationalität und Historie heraufbeschworenen Rückstands zu sprengen, nahm in den Bäretswilern feste Form an. Ein Frühlingserwachen (leider kein Titel aus der Romantik) ergriff die Spieler und die Spielqualität gewann an Frische und Entschlossenheit. Ganz erzielte in der 16. Minute mit einem tiefen Schuss das 2:5 und irgendwie konnte man – sah man das Ganze etwas entspannter – doch einen Weg erkennen, wie man das Spiel noch drehen könnte. Doch zwei Faktoren erschwerten dieses Vorhaben – zuerst einmal das Ende der ersten Hälfte, die anzeigte, dass auch dieses Spiel nicht ewig dauern würde und Bäretswil doch noch drei Tore zurück lag und schliesslich auch die romantische Ader der Gossauer, auf die der Bericht im Folgenden noch vertieft eingehen muss.
Die ersten zwei Minuten nach Wiederanpfiff erarbeitete sich Gossau zwar die besseren Chancen, aber im Grunde plätscherte das Spiel doch eher vor sich hin – die Kräfte beider Teams neutralisierten sich weitgehend, was das Spiel, auch für das Publikum, eher langweilig und unattraktiv machte. Chancen- besonders für Bäretswil waren Mangelware. Gossau versuchte zwar durch einen zusätzlichen Feldspieler bei Freistössen zu mehr Toren zu kommen, glückte aber nicht. Wohl aus dem Umstand, dass die Tore jetzt nicht mehr so reinplumpsten (ist nicht despektierlich gemeint), drängte nun auch das Gossauer Gemüt gleichsam nach aussen: Pfiff der Schiedsrichter gegen Gossau, so bekam das ganze Feld zu hören, dass der Pfiff falsch sei, pfiff der Schiedsrichter für Gossau, dann hörten ebenfalls alle Ohren, dass ein Freistoss gewiss zu mild für diese verabscheuungswürdige und unentschuldbare Tat (was auch immer es war) sei und pfiff der Schiedsrichter nicht, dann wurde laut das Vergehen angeprangert (Er hat meinen Stock gehalten – nein hat er nicht!), bisweilen laut geflucht (Gopfer…nomal), oder das Kollektiv der Bäretswiler als üble Fouler hingestellt (jetzt chönder mal ufhöre). Kurz Wehklagen, Heulen, Jammern, Ausrufen. Alle hörten es. Alle? Nein, der Schiedsrichter verkündete selbstbewusst und höchstens grenzwertig regelkonform, dass er für eine solche Art von Akustik gewissermassen kein Gehör hat. (Ich gebe zu, hier neige ich bisweilen ein wenig zur Übertreibung. Natürlich hielten sich die Bäretswiler sich für die moralisch Überlegenen, und wollten sich nicht zu Gefühlsausbrüchen hinreissen lassen, nur um es dann ein bitzeli manchmal doch zu tun, aber ich glaube die leicht überzeichnete Darstellung des Gossauer Verhaltens ist – wenn nicht objektive Wahrheit – dann doch wenigstens gefühlte). Erst nach gut zehn Minuten in der zweiten Hälfte wurde das Spiel wieder attraktiver und nicht nur fürs Gehör intensiver: Brodbeck schaffte es das 3:5 zu erzielen, kurz nachdem Gossaus Versuch an Kuratle gescheitert war. Jetzt galt es, die Hinteren nach Vorne zu nehmen, da war noch etwas zu holen, erst recht nachdem ein Schuss Mosers auf das leere Tor nur mit einem zugegeben etwas unglücklichen Handspiel Gossaus verhindert worden war. Dies hatte richtig eine Ausweisung zur Folge (auch die zwei Gossauer Wechselfehler hätten eine solche Folge nach sich gezogen, doch dazu hatte der Schiedsrichter dann scheinbar keine Lust oder eigene Regeln…). Wieder zog Bäretswil das Powerplay auf und Captain E.Meier scheiterte zwei Mal mit seinem Schuss (er schoss zu hoch). Der Ball konnte jedoch auch immer wieder zurückerobert werden. Dann schnappte sich Ganz hinter dem eigenen Tor den Ball, beim Sprint nach vorne wurde er von hinten gefällt, lag am Boden und ganz Bäretswil (und wohl auch ein Teil Gossaus) wartete auf den Pfiff. Doch der kam dann halt nicht. Und so zeigte Gossau weder Einsicht noch Erbarmen und schoss den Ball vorbei an den perplexen Ganz und Kuratle und vorbei allen anderen Augenpaaren, die auf die Pfeife des Schiedsrichters gerichtet waren ins Tor zum 6:3 (Shorthander, bravo!). So und bevor ich jetzt mein Inneres auch noch zu sehr nach aussen kehre und bewahre, gehässig werde, schliesse ich diesen Bericht ab. Gossau gewinnt sicher verdient mit 6:3 und doch bleiben zu gewissen Szenen Fragezeichen. Doch lassen wir das (versöhnende) Schlusswort Matthias Claudius mit seinem „Der Mond ist aufgegangen“: „So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder; kalt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen und lass uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbarn auch.“ In diesem Sinn: Gossau alles Gute in den Playoffs, bleibt gesund und freut euch doch über euren Erfolg, das tut gut!
Damit verlassen wir die Romantik, aber nicht die Kunst! Wer kunstinteressiert ist und schon einmal in Mailand war, hat sicher das Museo del Novecento besucht. Auch, wer wie ich, keine blasse Ahnung von bildender Kunst hat, aber an einem Sommerwochenende einer Hochzeit wegen Mailand besucht hat, und dann meinte, noch etwas kulturell tun zu müssen, hat auch das Novecento besucht (das wahre kulturelle Highlight der Reise war dann aber – abgesehen von der Hochzeit – die Drag Show, aber dazu vielleicht ein anderes Mal oder auch gar nie). Das Novecento ist ein Museum, das auf gefühlt 900 Stockwerken Bilder aus dem 20. Jahrhundert ausstellt, darunter auch Werke von Picasso, Lichtenstein oder Warhol. Wer eine Garderobe in Mörschwil betrat, fühlte sich augenblicklich mitten in ein solches Werk hineinversetzt: Leuchtendes Grün schwappte einem da entgegen oder eine Dusche, die athletischen Körper in grell-leuchtendes Gelb tauchte, und andere Garderoben tauchten einem auf dem Gang in andere leuchtende Farben, sobald die Türe aufging. Man befand sich also quasi mitten in einem Kunstwerk, ob post-impressionistisch oder doch eher expressionistisch, vielleicht sogar kubistisch, kann ich leider nicht sagen, da kenne ich mich dann eben doch zu wenig aus. Aus dieser Garderobe heraus, nach den obligaten zwei Spielen Pause, traten die Bäretswiler auf jeden Fall zum zweiten Spiel gegen Elgg an und es war das Spiel selbst, nicht die Garderobe, das mich in vielerlei Hinsicht an meinen Besuch im Novecento erinnerte. Denn da war zum einen der schon im Spielbericht vom Spiel gegen Gossau erwähnte Parkettboden, der jedes Gefühl von Raum oder Perspektive verzerrte. Da sah man bisweilen gestandene Spieler, die am Ball vorbeiwischten, losliefen, aber den Ball zurückliessen, da sah man Goalies verzweifelt nach Bällen greifen, die jeder Logik und jeder Folge widerstrebend mal am Boden hüpften und dann wieder daran klebten, ohne erkennbares Muster, ohne jegliche Logik, so müssen sich Figuren auf den Bildern von Picasso fühlen! Dann war da aber noch der Spielverlauf selbst, den ich nun möglichst ohne Umschweife zu erläutern versuche:
Elgg gewann das erste Bully und setzte gleich einmal Druck auf: Nur dank Hubers Präsenz konnte ein erneuter früher Rückstand abgewendet werden. Etwas entgegen dem Spielverlauf und auch etwas glücklich (sprich sehr streng gepfiffen) kam Bäretswil zu einem Penalty. Klar G. Meier war regelwidrig gestoppt worden, doch ob die Sanktion Penalty da wirklich die angemessende Antwort war? Nun Bäretswil wehrte sich auch nicht gegen den Entscheid, sondern liess Ganz antreten. Dieser wählte den Schuss, und der traf ins Blaue, 1:0 nach drei Minuten. Bis dahin und auch im weiteren Verlauf bekam das Publikum ein attraktives Spiel zu sehen, Bäretswil war hinten beherzt-kämpferisch gegen ein hochstehendes und hoch stehendes, motiviertes Elgg. Immer wieder warfen sich die Bäretswiler in den Block, und was doch durchkam, perlte an Huber ab. Schon in der fünften Minute dann ein weiterer Leckerbissen: Weissenberger hatte nach einer Ballübergabe hinter dem eigenen Tor den Ball von E. Meier übernommen. Dann zog er an und seinen Schuss auf und dreschte den Ball wie einen Kometen, wie van Goghs Sterne, hinter die Linie des Elgger Tors. 2:0. Doch dieses Zwischenresultat muss in einer Matrix von zwei Faktoren gelesen werden. 1. Bäretswil spielte hinten solid und möglichst fehlerfrei, 2. Elgg bemühte sich durchaus um Chancen und kam auch immer wieder zu solchen. In der zwölften Minute lief ein Elgger weit in den freien Raum vor dem Bäretswiler Tor, und wurde auch dort lanciert. E. Meier war ihm zwar dicht auf den Fersen, konnte einen Abschluss aber nur verhindern, indem er den Stock des Gegenspielers mit seinem Stock blockierte. Eigentlich ein klares Foul, das aber nicht geahndet wurde. Doch auch diese Szene zeigte: Elgg war dran und durchaus immer wieder gefährlich, wenn Bäretswil nur einen Schritt zu spät war. Es war weiterhin der Block um Weissenberger, der für Furore sorgte. Nach einem Abschluss von Weissenberger entschied sich Gysin dazu, den Abpraller nicht einfach aus ungünstiger Lage Richtung Tor zu spedieren, sondern einen neuen Aufbau zu wagen. Zwar ging der Ball zwischenzeitlich kurz verloren, doch Weissenberger eroberte ihn sich an der Bande zurück und jubelte zum zweiten Mal nachdem er das 3:0 erzielt hatte. Waren die Bäretswiler, so rein resultatmässig, bis jetzt die in leuchtenden Farben gezeichneten Protagonisten des Spielgemäldes, so bekamen diese Zeichnungen nun hässliche Risse. Bei einem Wechsel vertändelte S. Meier den Ball hinter dem eigenen Tor gegen zwei Gegenspieler, die sofort einen Abschluss absetzen konnten, der nur mit Glück neben das Tor ging. Zweiter Versuch und nun sass der Schuss. Es stand 3:1 aus einer etwas unnötigen Situation. Und der Riss ging tiefer: Am anschliessenden Bully Freistoss für Elgg. Und wieder findet der Ball seinen Weg ins Tor, obwohl er das doch eigentlich gar nicht können hätte sollen. Nur eine kurze Verschnaufpause nach diesen zwei Toren und es lief die 18. Minute im Spiel. Bäretswil stand am Freistoss in der eigenen Offensive. Und man könnte sagen, sie standen dort wie die Ölgötzen (sind das Figuren, die in Öl gemalt wurden?) S. Meier berührte den Ball und wartete auf einen anstürmenden Mitspieler, doch von den zwei zur Verfügung stehenden, hatte keiner den Drang, dafür aber Elgg, das im Schuss war. Ein schneller Konter später war das Spiel ausgeglichen und die schöne Führung aus der Hand gegeben. Zurück zu den oben angeführten Sätzen: aus ihnen folgt: Wenn Bäretswil beginnt Fehler zu machen, fallen auch Tore für Elgg. So simpel war das! Q.E.D.
Pause. Ansprache. Motivation. Eine Tomatensuppe von Warhol. Was man halt so sagt, macht, denkt.
Eine Tomatensuppe hatte E. Meier wohl nicht gegessen, aber seine Captainbinde füllte er trotzdem aus – nicht nur wegen seinen kräftigen Oberarmen, nein da wächst ein Leaderpflänzchen heran! Und so übernahm er sogleich auch die Verantwortung für die Szene in der 21. Minute. Als vorderster Mann luchste er Elgg den Ball ab, lief einen Bogen und drückte den Ball mit seiner Backhand zum 4:3 in die Maschen. Der DTB dran, motiviert, hoffnungsvoll. Elgg wiederum gab dem Ball in der Folge wieder mehr Sorge und so folgte ein Präludium zum Totalausfall der Minuten 24-28. Doch ich greife vor… Elgg in Ballbesitz mit einem weiten Bogenlauf, Brodbeck zwar mittendrin aber halt doch nicht ganz dabei, kurz: Elgg konnte seinen Drehschuss platzieren und Bäretswil musste den erneuten Ausgleich hinnehmen. In der 24. Minute musste dann Gysin auf der Strafbank Platz nehmen. Weil sein Foul quasi neben der Bank geschah, war Foul, Pfiff des Schiedsrichters und Platznehmen wie aus einem Guss, als hätte der ganze Tag nur auf diese wunderbare Komposition, diese Einheit von Tat, Schuld, Reue und Sühne gewartet. Weniger aus einem Guss war zunächst das Elgger Powerplay, das nach 40 Sekunden erst den Pfosten getroffen hatte. Doch ein zweiter Anlauf gelang dann doch ordentlich, so ordentlich, dass Elgg zum ersten Mal die Führung für sich beanspruchen konnte. Minute 25 lief und Elgg auch, und zwar links in Richtung Tor. Der abgegebene Schuss war tief in Richtung nahe Ecke, im Gegensatz zum ausschlagenden Stock, der S. Meier hoch an der Schulter traf. Doch auch der Ball traf und S. Meiers Protest verlief sich ins Leere. 6:4 für Elgg. In der 27. Minute begegneten die Bäretswiler einem Wiedergänger. Wieder ging ein Bogenlauf an Brodbeck vorbei, wieder fand der Ball seinen Weg ins Netz zum 7:4. Wo sich die Bäretswiler in ihrem Innenleben wohl gerade befanden? Es war als irrte man durch ein futuristisches Gemälde und versuchte Farben und Formen eindeutig zuzuordnen, doch die Zuordnung klappte nicht, nur das Irren. In einem Timeout versuchte Webber klare und klärende Worte zu finden, er fand sie durchaus, doch irgendwie rissen sich die Bäretswiler noch nicht ganz aus ihrem Albtraum los, während Elgg das Timeout mit einer gewissen tatenlosen Genugtuung verstreichen liess. So war es noch einmal die 27. Minute, in welcher Elgg den Ball in den Slot spielen konnte und dort auf zu wenig Gegenwehr stiess, so dass auch noch der Treffer zum 8:4 bejubelt werden konnte. Es musste die 31. Minute kommen und Ganz sich hinter dem gegnerischen Tor platzieren. Sobald er einen Weg nach vorne fand, nahm er diesen, und schloss zum 5:8 ab. Es gab also Hoffnung, ein Farbklecks in den Haufen von grauen Mäuslein in die die Bäretswiler sich zwischenzeitlich verwandelt hatten. In der selben Minute spielte Gysin einen Pass auf G. Meier, der ohne zu zögern abdrückte und über sein halbhoch platziertes Tor zum 6:8 jubeln konnte. Und zwei Minuten später wurde wieder G. Meier bedient, dieses Mal von seinem Bruder und Neo-Interimscaptain E. Meier, wieder ein Direktschuss und der Anschluss wiederhergestellt, 7:8. Zur Erinnerung, es war genau dieses Team, das eben noch lustlos ein bisschen Unihockey spielen lassen hatte, das nun wieder in Erscheinung trat, das Perspektive und ein kantiges Auftreten erkennen liess. Gebremst wurde der Tatendrang dann nur durch eine Situation, die ungebremst ein gänzlich unerwünschtes Ergebnis nach sich gezogen hätte. In einem engagierten Zweikampf, verhängten sich Gysin und ein Elgger in vollem Lauf unglücklich ineinander. Beide bremsten nicht ab, sondern fielen über die Bande und der Elgger um ein Haar in den dahinter an der Wand stehenden Bandenwagen (in Mörschwil stehen die metallverstärkten Banden), glücklicherweise endete die Szene ohne ernsthafte Verletzung, leider aber mit einer unglücklichen Ausweisung Gysins. So konnte Elgg wiederum in Überzahl spielen und diese auch zum Ausbau der Führung nutzen: Nach einem zentralen Abschluss stand es vier Minuten vor Schluss 9:7 für Elgg. In der 37. Minute hatte der Ball einen längeren Aufenthalt vor dem Elgger Tor und legte eben jenes völlig von jeder Perspektive gelöste Verhalten an den Tag, das ich oben beschrieben hatte: Weder Torhüter noch Spieler kamen trotz heftigen Versuchen in Ballbesitz, erst S. Meier glückte der Versuch den Ball zu treffen und er traf ihn schön ins Tor, so dass es nun 8:9 stand und die Spannung für die Schlussminuten garantiert wurde, jedoch nicht lange: Von der Bande geriet der Ball in der 38. Minute zu Gysin, der sich nicht lange bitten liess und aus spitzem Winkel flach in die nahe Ecke traf. Der Ausgleich war realisiert und manch einer kratzte sich am Kopf. Was hatten wir in dieser Partie für Bäretswils gesehen? Ein Fächer an Charakteren, Verhaltensweisen und Spielintelligenzen hatte sich aufgetan und doch war es nur ein Team, vielleicht gäbe uns die Kunst im Novecento ja auf diese Fragen eine Antwort? Vielleicht beim nächsten Ausflug nach Mailand? Oder vielleicht ergründen wir die Fragen ja in den anstehenden Playoff Partien gegen Nuglar? Denn mit dem Abpfiff der Partie gegen Elgg, die Punkte teilten sich die Teams, war die Qualifikation für den DTB beendet und es steht ein Duell gegen den Cupfinalisten und Gruppenersten aus dem Schwarzbubenland an. Avanti Bäretswil (und auch Elgg und Cazis natürlich alles Gute in den Playoffs)!
Bäretswil: Kuratle, Huber; Gysin, E.Meier, G. Meier, Moser; Brodbeck, Ganz, S. Meier, Weissenberger; Bäretswil ohne Fischer (Ferien), Osterwalder (verletzt), Schmitter (verletzt), Webber (verletzt, Coaching)