Welch Wetter präsentierte sich an diesem prächtigen Sonntag in Bäretswil! Die Sonne sandte noch einmal ihre Strahlen ins Zürcher Oberland, die Bäume liessen ihr farbiges Blätterkleid aufleuchten, letzte Sommerreminiszenzen nährten die Seelen, die sich am merklich kühleren Morgen bereits in die Mehrzweckhalle Dorf aufmachten. Auch dort pulsierte das volle Leben: Die Teller, die üppig mit Teigwarensalat gefüllt wurden, der Lärm, der vom Einspielfeld die Halle füllte, Jubel und Frust auf dem Spielfeld. Welch anderer Sonntag würde besser passen, als dieser, um den Spielbericht ganz ins Zeichen des Barocken zu stellen? Heute, wo wir die Uhren wieder eine Stunde zurückstellten, in der verzweifelten Hoffnung, dem Licht am Tag mehr Raum zu geben, obwohl uns allen schmerzlich bewusst ist, dass die Tage unweigerlich kürzer werden, die Erinnerungen des Sommers nur noch ein blasses Echo eines jüngeren Ichs sind und wir uns trotzdem einmal mehr auf Gedeih und Verderben dem unparteiischen (und doch immer so zufälligen, willkürlichen und nicht währenden) Urteil des Sports auslieferten, um zu messen, welches Team im Osten nun die Nase zuvorderst haben würde. Natürlich will ich mich nicht mit Gryphius, Opitz oder gar dem grossen Paul Gerhart vergleichen, aber vielleicht lohnt es sich in dieser Jahreszeit diesen Bericht einmal fatalistischer und deshalb auch in kräftigeren, derberen Farben zu schreiben und zu lesen.
Der DT Bäretswil war bis anhin ungeschlagener Tabellenerster und durfte auf seinem berüchtigten gelben Boden Lengnau und Mörschwil empfangen. Während Lengnau als altbekannt gilt und nur gerade für eine handvoll Spielzeiten in der Westgruppe seinem Unihockeyleben fröhnte, darf Mörschwil als Drache im Fliegerpelz gelten, die letztjährigen Flyers Widnau konnten dank einem Fusionstrick nach Mörschwil dislozieren.
Zuerst traten die Bäretswiler gegen White Horse Lengnau an. Es war – etwas überraschend – der Spitzenkampf in der dritten Runde, nur gerade ein Punkt trennte die beiden Teams, die bisher ganz passabel in die neue Saison gestartet waren. Und nicht nur passabel, sondern geradezu fulminant gestaltete sich der Auftakt der Partie: Kein Herantasten, kein vorsichtiger Aufbau, sondern munter drauflos, fast schon epikureisch: Lengnau nach wenigen Sekunden mit dem ersten Angriff, der erst von Huber im Tor gestoppt wurde, im Gegenzug dann der DTB mit einem Konter, der ebenfalls erst kurz vor dem Torgehäuse seinen Abschluss fand. Ein Spielbeginn also ganz im Zeichen des heutigen Tages! Alles oder nichts! Tor oder Einschauen! Da schoss Lengnau mit voller Wucht nebens Tor, auf der anderen Seite verschnörkelte Ganz das Spiel mit einem frechen Trick, der nur ganz knapp nicht zu einem Torerfolg reichte. Gewiss, retrospektiv muss auch erwähnt sein: Ein Spiel für die Götter war das, was da gezeigt wurde, leider nicht, das kann auch kein noch so barocker Puttenengel, keine noch so üppige Formulierung so richtig schönfärben. Die ersten sieben Minuten waren eher ein gegenseitiger Ansturm auf eher tiefem Niveau. Das Tempo war eher piano, der Herbst schien sich schon in den Gliedern der Spieler eingenistet zu haben. Die weissen Pferde vermochten es – gleich weissen Rittern – das Tempo zu verschärfen und den Druck auf die Bäretswiler Defensive aufzubauen. In dieser Phase konnten die Aargauer mehr als einmal gefährlich vor Huber auftauchen und ebenso oft wurden sie auch von ihm gestoppt. Man kann den Bäretswiler Verteidigern nun gewiss nicht vorwerfen, sich nicht bemüht zu haben, im Gegenteil, da war Gegenwehr, da war Einsatz, da war Körper, wo der Schuss zu erwarten war und doch schien ihnen unter dieser Herbstsonne kein Erfolgspflänzchen gedeihen zu wollen. So folgte, was einfach folgen musste, nach langer Abwehr und verzweifeltem Dagegenstemmen, nach Mühe und doch nicht schneller werden können: Lengnau mit viel Druck ums Tor, bringt den Ball auf Höhe Mittellinie aussen auf Schussposition, der nachfolgende Schuss wird von Weissenberger noch unglücklich abgelenkt und dann stand es schon 1:0 für die Gäste. Was soll noch geschrieben werden, was sich Menschen mit genug Einfühlungsvermögen nicht auch selbst in den schillerndsten Farben selbst ausdenken können. Von tapferem Ankämpfen gegen einen Gegner, der einfach eine Klasse besser war? Nun gut, es kam vor, dass die Bäretswiler auf der Bank nicht ganz wach waren und allenthalben einen Einsatz verschliefen, aber sonst? Tapferkeit, Kampf und doch ein Haschen nach Wind! Vielleicht noch dies: In der 18. Minute konnte Lengnau auf 2:0 erhöhen, nachdem sie einen Angriff mit 4 gegen 3 Spielern spielten und sich ein Lengnauer gegen drei Bäretswiler im Slot durchsetzen konnte und den Ball in die Maschen drosch. Mit diesem Rückstand von zwei Toren ging es in die Pause. Aufgeben war keine Option und so versuchte auch Coach Webber noch zu beeinflussen, was zu beeinflussen war. Trotz der ernüchternden Ausgangslage waren die Spieler motiviert das Spiel noch zu drehen, noch eine Wendung zu erzwingen, aber ist das an einem solchen Tag wie heute denn überhaupt möglich? Kann Eitelkeit allein der Antrieb sein, um einen Spitzenkampf zu wenden?
Kurzfristig sah es ganz gut aus: G. Meier holte sich nach einem Fehlpass den Ball gleich selbst an der Mittellinie zurück, zog an und konnte den Ball in Richtung Torhüter abschiessen, via diesen und die Latte ging der Schuss ins Aus, aber ein Ausrufezeichen für die zweite Hälfte war gesetzt keine Frage (retrospektiv darf dieses Ausrufezeichen aber auch wieder etwas relativiert werden). Weiterhin war es aber Lengnau, das Druck aufbaute und Bäretswil, das zwar tapfer verteidigte, aber nicht so richtig zu wissen schien, was man mit eigenem Ballbesitz so treiben könnte. Und so erstaunt es nicht, dass Lengnau in der 24. Minute auf 3:0 erhöhen konnte, in der Folge zwei gefährliche Pfostenschüsse hatte, nur um dann in der 31. Minute wiederum zu reüssieren (notabene in einem Konter, nach einem weiteren erfolglosen Ansturm der Bäretswiler, so dass am Ende zwei Angreifer alleine vor dem Tor den Ball einnetzten). Die letzte Möglichkeit zum korrigierenden Eingreifen, zum Abwenden des Unabwendbaren, stellte nun ein Timeout dar. Auf vier Spieler würde Bäretswil wechseln, das war klar, nur wann, ebendies wurde im Timeout ausgeführt. Vorerst wurde aber Torhüter Huber in seinem Kasten belassen, was auffiel war der höhere Druck der Bäretswiler, die sisyphosgleiche Anstrengung auf ein Tor. Doch einziges Resultat war vorerst eine Strafe gegen G. Meier wegen Stockschlags. Das Powerplay der Lengnauer baute sich sogleich bedrohend auf, doch zwei Mal war Huber der Mann am Ball und sobald sich die Gelegenheit ergeben hatte, tauschten die Bäretswiler ihn gegen einen dritten Mann ein und liessen den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren. Bei einer Exkursion in die gegnerische Hälfte, konnten – nicht lange vor Ablauf der Strafe – die Lengnauer Spieler überlaufen werden und S. Meier konnte Ganz wunderbar bedienen, so dass das 4:1 der Bäretswiler zumindest technisch gesehen, ein Shorthander war. Anschliessend versuchte Bäretswil noch ein letztes Mal sich gegen die Kräfte, die es selbst bannten und Lengnau so mühelos vieles gelingen liessen, aufzubäumen. Mit vier Feldspielern versuchte man noch einen Anschluss an die vier Lengnauer Tore zu erreichen, doch vergebens, Lengnau konnte noch auf 5:1 ins leere Tor erhöhen. Der Bäretswiler Widerstandswille war nun endgültig gebrochen, da machte auch das Powerplay für die letzten Sekunden keinen Unterschied mehr. Der Spitzenkampf, dem man diesen leider nicht so ansah, ging deutlich an die heute stärkeren Lengnauer (aber Achtung Lengnau: Memento mori, wir sehen uns wieder!)
Zwei Spiele Pause kamen den geschundenen Bäretswiler Gemütern nun gerade recht, um sich zu sortieren, um die numinosen Niederlage anzunehmen und auf die Mörschwiler vorzubereiten. Wie schon erwähnt gelang den Mörschwilern, was auch schon den Quebec Nordiques, den Brooklyn Dodgers und den San Diego Chargers gelungen war, sie konnten ihr Team von einem Ort zum anderen umziehen. Nun mag sich manch einer fragen, warum um alles in der Welt, man vom Rheintal nach Mörschwil umziehen wollen würde – wer weiss überhaupt, wo dieser Flecken liegt? Diesen Skeptikern sei gesagt, dass Mörschwil zumindest bei Modelleisenbahnern ein Nimbus von Qualität und Swissness umgibt. Bis zum Konkurs der Firma wurden dort die Modelle der Firma Hag hergestellt, und noch heute schwören viele Modellbahner auf die Marke. Da die Fraktion der Modelleisenbahner bei den Bäretswilern aber eher klein ist (aber doch vorhanden!), konzentrierte man sich darauf, sich gegen die Spielqualität der Dragons zu wappnen. Nach der Niederlage gegen Lengnau, wollte man gewinnen und zeigen, dass man bis anhin nicht einfach ganz zufällig den Leaderthron besetzt hatte. Das Spiel hatte gerade ein wenig Fahrt aufgenommen, mäandrierte mal auf die eine, mal auf die andere Seite, als das überaus zahlreich erschienene Heimpublikum einen ersten Dämpfer verdauen musste (daraufhin schnell eine Portion Teigwarensalat mit Wienerli!), nach vier Minuten schaffte es Mörschwil sich um Fischer zu drehen, dieser war einen Moment zu spät und der Schuss einen Ticken zu genau platziert, so dass es 1:0 für Mörschwil stand und die Bäretswiler schon wieder in Rückstand geraten waren. Würde man sich wieder so erfolglos wehren, der drückenden Dunkelheit einer Niederlage Platz machen müssen, wie das Licht im Herbst der Dunkelheit? Auch wenn es resultatmässig so aussah, das Spielgefühl war ein anderes: In diesem Spiel schien der Ball eher für Bäretswil zu laufen, oder die Bäretswiler liefen eher für den Ball (aber wer kann schon dem Geheimnis der Determination auf den Grund kommen?): Da gab es intensive Zweikämpfe und Laufduelle, und wenn der Ball in Tornähe war, konnte Kuratle das eine und andere Mal danach greifen. Und so gelang auch, was im Spiel vorher noch nach Hail-Mary ausgesehen hatte: Fischer schoss aus der Distanz und netzte zum 1:1 ein (Assist Gysin), so einfach, so schön, so echt! Das Spiel war nach 11 Minuten wieder unentschieden und Zuversicht machte sich in den Bäretswilern breit. Nach 13 Minuten stand es sogar schon 2:1 für die Bäretswiler: Ganz konnte auf Zuspiel von S. Meier mit einem Buebetrickli einstochern, nur sein Jubel zeigte dem Rest des Teams den Erfolg an, so knapp, so präzis gelang ihm das Kunststück! Und schliesslich konnten die Bäretswiler die Führung sogar noch ausbauen: S. Meier durfte zu einem Penalty anlaufen und mit einer Härte und Präzision, die jeden Zweifel, jedes Fünkchen von Zwiespalt über den Verlauf der Partie auslöschte, markierte er das 3:1 (Einzig Bruder G.Meier war nicht ganz bei der Sache: wild gestikulierend und lauthals rufend wollte er die zuschauenden Eltern Meier dazu animieren den Penalty ihres Sprösslings zu filmen, jedoch ohne Erfolg…). Die Zwischenräume dieser Torerfolge waren weiterhin geprägt von viel Kampfwillen, gegenseitiger Ermutigung und der Zuversicht, das Spiel gewinnen zu können. Doch Mörschwil hatte auch noch Pfeile in seinem Köcher, noch in der ersten Hälfte versuchten sie das Spiel mit 4:3 wieder in den Griff zu bekommen, der Erfolg blieb jedoch aus, doch den Bäretswilern schwante, was sie in der zweiten Spielhälfte erwarten würde.
Prompt: Nach kurzem Verschnaufen, gegenseitigem Schulterklopfen und Durchhalteparolen („Wiiter so Jungs!“ „Die packemer!“ „Chömed, euses Spiel!“), pfiff der Schiedsrichter die Partie für die letzten 20 Minuten an, der Ball ging an Mörschwil und sofort zogen sie ihr Spiel von vier gegen drei auf. Gegen Hinwil bekundete der DTB gegen dieses Spiel grosse Mühe, und auch jetzt drohte eine lange zweite Hälfte. Mörschwil war jedoch nicht sehr abschlussfreudig und agierte nicht immer von gefährlichen Positionen aus, so dass die Bäretswiler ihre Defensivarbeit relativ solid gestalten konnten. So gelangte der Ball dann auch zu Torhüter Kuratle und es entspann sich eine Szene eher heiterer Natur: Die Mörschwiler, immer noch zu viert, deckten sofort alle verfügbaren Bäretswiler Feldspieler, um einen offensiven Auswurf zu verhindern. Als Kuratle sich umdrehte, um den Ball hinters Tor zu spielen, kam bereits ein Mörschwiler angerauscht und stellte sich neben Ganz, der seinerseits neben dem Tor stand. Ganz reklamierte umgehend beim Schiedsrichter wegen ungenügenden Abstands vom Torhüter, der Schiedsrichter erwiderte darauf nur knapp: „Er muss den Ball spielen“. Also spielte Kuratle, und zwar direkt in den Bauch des Mörschwilers, die Hand des Schiedsrichters schnellte nach oben, der DTB konnte wertvolle Sekunden vier gegen drei (Mörschwil wechselte seinen Goalie schnell ein) spielen und anschliessend im Powerplay drei gegen zwei. (Der Mörschwiler nahms sportlich, ging auf die Strafbank und zündete Kuratle im Nachgang noch etwas an, ihm einfach den Ball in den Bauch zu werfen). Das Powerplay verstrich indes ungenutzt und die Dragons gingen sofort wieder in ihren neuen Modus operandi, vier gegen drei. Und irgendwann musste es ja gelingen: Ein Schuss von der Mitte landete im Netz und der Spielstand war auf 3:2 verkürzt. Fast schon als Antwort nach dem Bully fasste sich S. Meier ein Herz (hatte Papa Meier vielleicht sein Handy gezückt? Wir wissen es nicht) und schoss von weit in der eigenen Zone durch die Sichtmauer von Freund und Feind, schön oben ins Tor. Der Zweitoreabstand war wieder hergestellt, doch nicht für lange. Es war dies die heikle Phase des Spiels, gut das die Bäretswiler dessen nicht gewahr waren, sondern munter weiterspielten in ihrer Freude. Denn auch die Mörschwiler drückten wieder und als Kuratle einen Moment zu früh verschob, nutzte einer von ihnen die Gelegenheit und konnte den Anschlusstreffer zum 4:3 bejubeln. Aber eben, die Bäretswiler waren in Spiel zwei ja nicht gelähmt von einer Müdigkeit, vielmehr tanzten sie den Tanz gegen die Eitelkeit des Lebens, so konnte in einer spektakulären Kooperation von E.Meier und Kuratle das 4:4 verhindert werden und – es liefen bereits die letzten drei Minuten, Fischer auf Zuspiel von diesem E.Meier (dessen Schuhe mitten im Spiel den Dienst quittierten worauf er sich am Inhalt einer Goalietasche gütlich tat) ins leere Tor schiessen konnte (es war nicht die erste Möglichkeit für Bäretswil, einen Empty Netter zu erzielen, aber sicher das erste Mal, dass ein Spieler vorher noch einen Pass spielte – Chapeau, E. Meier!). Doch Mörschwil gab und gab nicht auf. Weiter stürmten sie mit 4:3 an und versuchten zu wenden, was die Bäretswiler sich ertanzt hatten. In einer Situation, in der Mörschwil seinen Torhüter wieder einmal spielen liess, konnten dann G. Meier und Osterwalder aufs Tor ziehen, mit einem scharfen Pass legte G.Meier für Osterwalder auf, der keinen Moment zögerte und den Ball im Netz versorgen konnte. 6:3 stand es nun, doch die Mörschwiler schalteten nicht einen Gang zurück. So erbittert wurde gekämpft, dass Webber schliesslich in der letzten Minute noch sein Timeout nahm, nur um den Bäretswilern eine Wechselmöglichkeit und eine Verschnaufpause zu spendieren. Doch am Schluss half das Anstürmen nichts mehr. Bäretswil konnte vor heimischem Publikum doch noch jubeln. So ist das im Barock: Mal ist Totentanz, mal ungestümer Jubel! Doch am Ende wissen wir, alles ist eitel, oder?
Trotzdem will der DT Bäretswil natürlich auch weiterhin in der Meisterschaft mitreden und sich ertanzen, was es zu ertanzen gibt. Die nächste Gelegenheit dafür bietet der 12. November, dann sind wir in der schönen AL Arena in Gossau zu Gast und duellieren uns mit dem rekonvaleszenten Cevi Gossau und dem UHC Elgg. Am Abend vorher spielt übrigens noch Pixbo im Champions Cup gegen die Kloten-Dietlikon Jets (in Kloten), Gelegenheit also um sich unmittelbar davor von Krupnová, Loneberg und natürlich Lara Heini inspirieren zu lassen!
Bäretswil: Huber, Kuratle; G. Meier, Moser, Osterwalder; Ganz, S.Meier, Weissenberger; Fischer; Gysin, E.Meier; Brodbeck, Schmitter. Bäretswil ohne Webber (verletzt, Coach).
Eine typische Szene in Spiel 2:
