Zumindest mental und emotional stand am 22. Januar viel auf dem Spiel für das Fanionteam des DT Bäretswil: Nach einer Niederlagenserie im alten Jahr würde sich erweisen müssen, ob von einer Herbstbaisse oder von einem Totalabsturz gesprochen werden konnte. Alle im Team wussten: Nicht die zu bespielenden Teams, sondern der eigene Kopf würde der grösste Gegner werden.
Mit Niederwil stand an diesem sonnigen Winternachmittag ein Playoffmitkämpfer auf dem Spielplan. Für Niederwil steht in den letzten Partien viel auf dem Spiel, entsprechend musste man sich auf eine hochmotivierte und fest entschlossene Truppe einstellen, der man nur mit noch mehr Motivation und mehr Entschlossenheit entgegentreten konnte, wenn man um Punkte mitspielen wollte.
Das Spiel in der grosszügigen Riedhalle in Landquart (für Unterländer und Zürcher Oberländer ein angenehm kürzerer Weg als die Heimrunden in Chur oder Flims – ausser man bewirtschaftet nebenbei noch ein Ferienhaus z.B. in Tschiertschen) begann entsprechend konzentriert auf beiden Seiten: Niederwil versuchte mit gefährlichen Weitschüssen und/oder viel Präsenz im Slot zu Toren zu kommen, Bäretswil hingegen versuchte mit viel Geduld und einfachem Spiel zu Abschlüssen zu kommen und erarbeitete sich auch entsprechende Chancen. Ein eigentlich sehr attraktives Spiel konnte sich so entwickeln, ohne jedoch zu Toren zu führen. In der 10. Minute änderte sich dies drastisch: Nach zwei flinken Pässen konnte G. Meier Fischer bedienen, dieser liess sich nicht bitten und erzielte den Bäretswiler Führungstreffer. Nur Sekunden später wurde den Bäretswilern ein Freistoss in der Niederwiler Hälfte zugesprochen. In der frechen Variante legte Brodbeck auf Ganz zurück und dieser erwischte die Lücke von Block und Torhüter und erhöhte zum 2:0. Das Spiel lief noch immer in der 10. Minute (wie sich Zeit manchmal ausdehnen kann! Aber dazu später noch intensivere Beispiele), als die Niederwiler hinter dem Bäretswiler Tor Furore machten: Eigentlich war ein Buebetrickli angesagt, der Spieler verlor den Ball jedoch – indes so geschickt, dass er seinen Mitspieler, der im Slot bereit war bedienen konnte und so stand es nach 10 Minuten 2:1 für Bäretswil. Noch immer war Niederwil dann gefährlich, wenn sie sich im Slot Platz verschaffen konnten, so war es wirklich nur eine Fingerspitze, die einen abgeprallten Ball an seiner Flugbahn ins Tor retten konnte. Aber nicht nur aus nächster Nähe, auch aus der Distanz konnten die fliegenden Pinguine Mal für Mal gefährlich werden. Und in der 18. Minute schlug ein solcher Weitschuss, ein wahrliches Geschoss, im Bäretswiler Tor zum Ausgleich auf. Nun war wieder alles offen und beide Teams gewillt, den Vergleich nicht punktelos zu verlassen. Die erste Halbzeit näherte sich bereits ihrem Ende als Fischer mit vier Sekunden auf der Uhr den Ball auf der Mittellinie annahm. (Achtung weitere Zeitausdehnung). Statt, wie alle hofften und ihm zuriefen, sofort zu schiessen, lief er mit dem Ball bis vors gegnerische Tor, dort nahm er nicht den Abschluss sondern bediente G. Meier, der nur Bruchteile einer Sekunde vor der Sirene den erneuten, frenetisch bejubelten Führungstreffer für den DT Bäretswil erzielte.
Für die zweite Hälfte nahmen sich die Bäretswiler vor, sich defensiv zu konsolidieren: Weitschüsse möglichst nicht zuzulassen und im Slot für Klarheit zu schaffen. Ansonsten galt es nicht nachzulassen, sondern weiter zu kämpfen. Mit viel Kampf wurde dann auch jeder Ball erstritten, zuweilen mit heftigen Mitteln. E. Meier stieg gegen einen Niederwiler an der Bande klar zu hart ein und musste für zwei Minuten auf die Strafbank. Das Boxplay um seine älteren Brüder G. Meier und S. Meier funktionierte aber tadellos. Nach einem Ballgewinn und Freistoss für Bäretswil, verliess Kuratle sein Tor, um einem dritten Feldspieler Platz zu machen. Der Ballbesitz wurde geschickt verwaltet und die Niederwiler Überzahlzeit schmolz dahin. Nach einem etwas zu übermütigen Ballwechsel und anschliessendem -verlust wurde ein Freistoss gegen Bäretswil gepfiffen – da er zum Glück zuerst falsch angezeigt wurde, war Zeit, um wieder in die Unterzahlformation zu wechseln. Doch Niederwil liess sich diesmal nicht mehr bitten, nach nur einem kurzen Aufziehen des Überzahlspiels erzielte es aus spitzem Winkel den Ausgleich zum 3:3. Bäretswil liess sich jedoch nicht mehr entmutigen: Ganz konnte nur kurz darauf das 4:3 mit einem Buebetrickli erzielen und S. Meier später noch nach einem sehenswerten Sololauf – als wären bei ihm alle Stricke gerissen – das 5:3. Die Schlussminuten standen an und Niederwil würde, das war klar, bei nächster Gelegenheit mit vier Spielern anstürmen. So kam es auch, die Bäretswiler hielten tapfer gegen die Überzahl an und konnten ein ums andere Mal den Ball zurückerobern, scheiterten jedoch mehrmals am leeren Tor. So kam es, dass Niederwil in der 39. Minute den Anschlusstreffer zum 5:4 bejubeln konnte. Die Bäretswiler gaben nun noch mal alles und waren drauf und dran die Führung wieder auszubauen – doch mal traf man den Ball nicht, ein anderes Mal das Tor und wieder ein anderes Mal schoss man an Beine oder Stöcke des Gegners. Mit nur 7 Sekunden auf der Uhr (der geneigte Leser kennt ja die Leier von der ausgedehnten Zeit) bekam Niederwil einen Freistoss zugesprochen. Die Bäretswiler wussten (oder so könnte man meinen), dass der Block dieses Freistosses einen ganzen Punkt wert war. Niederwil jedoch war schneller, und etwas gewillter und erzielte vier Sekunden vor Schluss den Ausgleich. Bei diesem Spielstand blieb es dann auch. Die Bäretswiler verliessen die Halle in etwas gedämpfter Stimmung, trotz eines attraktiven Spiels und gutem Umsetzen des Gameplans, war man in den letzten vier Minuten offensiv nicht ganz bereit gewesen und empfand darum die geteilten Punkte als ein wenig verloren.
Aber es war noch nicht aller Tage Abend, nach einem Spiel Pause stand ja die letzte Partie des Tages gegen den Aargauer Vertreter aus Spreitenbach an. Spreitenbach war zwar Schlusslicht, hatte jedoch am Nachmittag bereits einen Erfolg verbuchen können und überhaupt ist es zumindest in Bäretswilern Gefilden ein kleines Rätsel, dass Spreitenbach nicht so in die Gänge kommt, das Zeug dafür wäre nämlich sicher vorhanden. Entsprechend mahnte man sich gegenseitig zum Spiel bereit zu sein, anzuknüpfen an das Vorherige und dergleichen Dinge, die man sich so sagt, obgleich man tief in sich eine gewisse Zufriedenheit und Selbstgefälligkeit empfindet. Nicht nur einzelne Spieler, sondern das Kollektiv des Teams, hatte sich einer gewissen Lethargie hingegeben, das wurde kurz nach Spielbeginn offenbar: Bälle wurden nicht richtig kontrolliert, auf einen Ballgewinn wurde mit einem allzu oft aussichtslosen Abschluss (und daraus resultierendem Ballverlust) geantwortet und Mal für Mal wurde auf der Bank fast mantraartig wiederholt: „Jungs, wir sind wach!“ (welch eine Selbstbelügung!). Spreitenbach, das jeden Punkt gegen den Abstiegsschlund braucht, trat motivierter und kontrollierter auf. Der Ballbesitz wurde geschickt verwaltet, die Bäretswiler zu langen Einsätzen gezwungen und immer wieder konnten Nadelstiche gesetzt werden, so auch dann als ein Spreitenbacher vom Bäretswiler Spielaufbau unmittelbar vor Huber bedient wurde, abschloss und am starken Huber scheiterte. Man musste kein Mathematiker sein, um den Ausgang des Spiels extrapolieren zu können. So konnte sich ein Spreitenbacher elegant durch die Bäretswiler Abwehr durchtanken (oder durchtanzen) und solo das 1:0 erzielen. Ein Weckruf? Mitnichten! Nur wenig später erhöhte Spreitenbach durch einen Weitschuss auf 2:0. Die Bäretswiler hatten nur wenige Chancen, die allesamt ungenutzt blieben. In der 16. Minute kam es dann noch dicker: ein Hook von hinter dem Tor – sauber und weit ausgeführt brachte die Spreitenbacher mit 3:0 in Führung und beim anschliessenden Bully spedierte Bäretswil den Ball gleich selbst in hohem Bogen zum 4:0 ins eigene Tor (geneigter Leser, es sah genau so aus, wie du es dir jetzt im Kopf vorstellst!). Grund genug für den coachenden Kuratle nun ein Timeout zu nehmen. Doch welche Worte finden? Was sagen, wenn das Team als Organismus versagt? Zauberworte wurden jedenfalls nicht gesagt, so viel sei verraten, aber immerhin konnte Osterwalder zwei Minuten später den ersten Bäretswiler Treffer erzielen, was zu einem Aufschnaufen in den Reihen der Zürcher Oberländer führte. Im anschliessenden Bully jedoch wurde Spreitenbach der Freistoss zugesprochen, diesen verwandelten sie sogleich zum 5:1, Bäretswil also wieder zurück auf Feld 1. In der Pause war es nun endgültig Zeit aufzuwachen und eine Zäsur zu machen. Das Spiel war noch nicht vorbei, aber hier noch an Punkte zu glauben grenzte schon etwas an Tollkühnheit.
Die zweite Halbzeit startete vergleichsweise konzentrierter, die Bäretswiler spielten nun etwas kontrollierter und machten auch in der Defensive mehr richtig. Dennoch war es Spreitenbach, das in der 24. Minute mit einem sehenswerten Schuss ins hohe Eck auf 6:1 erhöhen konnte. Nach diesem Tor regte sich nun endgültig so etwas wie Widerstand in den Bäretswiler Reihen, nicht ruckartig und noch nicht durch alle Blöcke, eher so wie wenn Tauwetter im Frühling den Schnee schmilzt und die Welt langsam wieder in Grün erstrahlen lässt. Als E. Meier solo nicht ganz am Torhüter vorbeikam, schnappte sich Schmitter den freiliegenden Ball und netzte zum 6:2 ein. Die Antwort der Spreitenbacher liess nicht lange auf sich warten, nach einer Neuzuordnung standen die Bäretswiler einen Moment zu weit weg und liessen den Spreitenbachern den Platz, um auf 7:2 zu erhöhen. Eine weitere Minute später war es Osterwalder, der sich noch nicht geschlagen geben wollte und das 7:3 nach einem Freistoss erzielte. Und eine weitere Minute später, 10 Minuten vor Spielende, hatte die innere Frühlingssonne alle Blöcke ergriffen und Fischer erzielte das 7:4. Bäretswil hatte nun das Gefühl zurück im Spiel zu sein. Doch bis in die 38. Minute gelang weder Spreitenbach noch Bäretswil ein weiterer Treffer. Hatte man mit den erzielten Toren einfach das Gesicht noch ein wenig wahren können, war nicht sang- und klanglos untergegangen? Irgendwie spürten die Bäretswiler, dass das Momentum auf ihre Seite gekippt war. Und so schalteten die Bäretswiler in Minute 37 auf vier Feldspieler um. Diese Massnahme zeigte sobald Wirkung: Ganz erzielte sec den Treffer zum 7:5 in Minute 18, in Minute 19 war es dann S.Meier, der zum Anschluss zu 7:6 traf. Jetzt wollte Bäretswil den Punkt! Doch ebenfalls in der 19. Minute dann der vermeintliche Dämpfer: Spreitenbach erzielte den Treffer zum 8:6 ins leere Tor. Doch Bäretswil rannte weiter mit vier Spielern an (die gewonnenen Bullys halfen bei dieser Massnahme). Osterwalder hatte viel Platz und sicherte wiederum in Minute 19 den Anschluss zum 8:7. Und als wäre das nicht genug, stand er in der letzten Minute auch noch für den Ausgleich zum 8:8. Was für ein Comeback der Bäretswiler. Während nun einige Protagonisten meinten, man wolle gleich zwei Punkte holen und mit vier Spielern weiterspielen, befand der Coach, er wolle den Punkt behalten und stellte wieder auf die bewährten drei Linien um. Vier Sekunden vor Schluss wurde dann Captain Osterwalder mit einem satten Schlag auf den Stock am Abschluss gehindert. Dieser resultierte in einer Strafe gegen Spreitenbach und darin, dass Bäretswil sich noch einmal mit vier Spielern aufstellte. In den vier Sekunden fand der Ball seinen Weg von Osterwalder über Fischer zu S. Meier, welcher, nach einer gefühlten Ewigkeit Annehmen und Büscheln, cool zu Ganz legte, der nur Sekundenbruchteile vor der Sirene den Siegtreffer zum 9:8 erzielte. Jetzt kannte der Bäretswiler Jubel keine Grenzen mehr und das Team stürmte das Feld. Im ganzen Spiel hatte man weniger als eine Sekunde lang geführt und doch zwei Punkte gewonnen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, diese Spiele wurden an den Rändern entschieden, vielleicht würde es sich lohnen die Mitte noch etwas zu füllen?
Bäretswil: Huber, Kuratle; Brodbeck, Ganz, Gysin; E. Meier, Osterwalder, Schmitter, Fischer, G.Meier, S. Meier;
Bäretswil ohne Heise, Moser (beide verletzt), Brunner (krank)