Wer unsere Spielberichte schon länger zugewandt ist, der oder die mag sich vielleicht erinnern, dass ich mich in einem solchen bitterlich darüber beklagt hatte, dass die Runde vom mondänen Baden ins beschauliche Endingen verschoben wurde. Heute muss ich die Kernaussage jenes Berichts leider etwas revidieren. Gewiss Baden – seit Römerzeiten bekannt für seine heissen Quellen, End- bzw. Ausgangspunkt der Spanischbrötlibahn, ehemals eigener Kanton, und wichtiger Sitz von Brown Boveri – hat nicht nur historische Qualitäten, sondern auch eine hohe Lebensqualität. Doch das Mondäne, Grosse hat auch seine Schattenseiten. Diese zeigten sich am Sonntag zuerst, aber nicht ausschliesslich, beim Betreten der Turnhalle der Berufsschule Martinsberg. In diesem eindrücklichen Betonbau, in dem die Stockwerke von oben nach unten gezählt werden, finden gleich zwei Grossfeldturnhallen Platz! Nicht verwunderlich also, dass man zuerst einige Distanz zurücklegen muss, nur um sich zu orientieren und die Garderoben zu finden. Auch nicht weiter verwunderlich, dass die Organisatoren bei so üppigen Verhältnissen gleich eine Doppelrunde austragen und doch haben alle Teams noch ein Einspielfeld. Für die Kenner der hiesigen Turnhallen ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass die Garderobenverhältnisse nicht ganz die Anzahl Turnhallen widerspiegeln, sondern dass bei einer Doppelrunde durchaus ein Gedränge in den Umkleiden entstehen kann (alles Dinge, die ich mir notiert habe, sollten wir je eine eigene Halle bauen, wir suchen noch Sponsoren…). Was dann aber etwas verwunderlich war, war, dass der Spielbetrieb auf dem Feld der 1. Liga Teams bei der Ankunft des DT Bäretswil ruhte – und zwar seit geraumer Zeit. Grund war Feuchtigkeit, die in die Halle eingedrungen war und den Boden in Baden dermassen nässte, dass ein ungefährdetes Spiel nach Ansicht der Spielleitung nicht gewährleistet war. Also wurde das Spiel zwischen Hinwil und Bürglen unterbrochen, um das Feld einige Meter aus der Gefahrenzone herauszuzeichnen (die Möglichkeit, das Einspielfeld im unteren Stock zum Spielfeld umzufunktionieren wurde nicht in Betracht gezogen, was auch angesicht des fast unerträglichen Lärmpegels in der Spielhalle doch etwas verwundert). So rechneten die Spieler des DT Bäretswil mit einer ca. einstündigen Verspätung des Spielbetriebs. Doch um 13.30 dann die grosse Wende. Das Spiel Bürglen-Hinwil wurde abgebrochen und die nächste Partie konnte pünktlich angepfiffen werden (welchen Einfluss die in Verbandskleidern gewandete graue Eminenz auf den Entscheid hatte, ist uns nicht ganz klar) und auch die Bäretswiler machten sich ohne Umschweife, aber doch später als geplant ans Aufwärmen.
Als Gegner stand in der ersten Partie niemand geringeres als der UHC Blau-Gelb Cazis den Bäretswilern gegenüber, der Schweizermeister höchstpersönlich, dem man vergangene Saison drei Punkte hatte abluchsen können. Und an diese letztjährigen Resultate wollten die Zürcher Oberländer natürlich anknüpfen. Man wusste: Des Gegners Vorhände mussten abgedeckt werden, jeder musste seinen Job zu 100% erledigen und egal, was passiert, die nächste Aktion zählt. Dieser Plan ging zu Beginn – gelinde gesagt – nicht ganz auf. Nur 30 Sekunden brauchte Cazis gegen ein zu passives Bäretswil, um das 1:0 durch einen auf einen Querpass folgenden Abschluss zu erzielen. Und nur knapp weitere zehn Sekunden, um in der selben Weise auf 2:0 zu erhöhen. Und damit nicht genug. Auch das 3:0 fiel bald, als sich der Cazner gegen die zu passiv agierende Defensive im Slot nach einem Abpraller durchsetzte. Erstes, neues Ziel des Spiels war es auf Bäretswiler Seite, sich überhaupt am Spielgeschehen zu beteiligen ohne grösseren Schaden anzurichten! Dies gelang dann in der Folge aber doch recht ordentlich und in der 8. Minute konnte S. Meier den Cazner Torhüter mit einem flachen Weitschuss zwischen den Beinen erwischen. Doch Cazis brauchte wieder nur wenige Sekunden, um den Dreitorevorsprung wiederherzustellen. So erwischte ein Cazner Torhüter Kuratle und Verteidiger Fischer mit einem Buebetrickli zum 4:1. Nach zehn Minuten in einem zunehmend auch raueren Spiel (nachdem sich die Bäretswiler doch zur Gegenwehr entschlossen hatten) wurde dann eine Strafe gegen Cazis gepfiffen. Das Powerplay vermochte zwar den stark aufspielenden Calörtscher im Cazner Tor nicht zu bezwingen, doch nur wenige Sekunden nach Abschluss der Strafe gelang es Pfiffner in der 10. Minute doch noch das 2:4 zu erzielen. Nun waren die Bäretswiler doch noch im Spiel angekommen und forderten Cazis zunehmend mehr. Umso ärgerlicher die Szene kurz vor der Pause: Ein flacher Schuss landete in Kuratles Händen, rollte aber von dort doch noch zwischen seinen Beinen hindurch zum 5:2 ins Tor. So klappt es natürlich nicht mit einer Aufholjagd! Trotz allem war die Stimmung im Team, wenn auch nicht auf dem Höhepunkt, dann doch ruhig, konzentriert und mit der Gelassenheit, dass man sich mit einer Steigerung der Konzentration in der zweiten Hälfte noch würde auf Augenhöhe mit dem Meister duellieren können.
Und so brauchte Pfiffner nur gerade 30 Sekunden der zweiten Hälfte, um nach einem stark gestellten Block G. Meiers seinerseits einen Laserschuss auszupacken und das 5:3 zu erzielen. Was dann folgte spielte den Bäretswilern gleich weiter in die Karten: Nach einem Wechselfehler (der wie übrigens die meisten Pfiffe gegen Cazis von heftigem Diskutieren mit dem Schiedsrichter begleitet wurden – ein Umstand der an dieser Stelle schon einmal kritisiert wurde, umso mehr als dass sich derselbe Protagonist auf dem Feld als eher unlustig und wortkarg auszeichnet) konnte Bäretswil erneut im Powerplay agieren und nach einem Foul an Pfiffner in selbigem sogar zu einem Penalty antreten. Long Story short: Penalty und Powerplay wurden nicht genutzt, es stand weiterhin 5:3, doch so leicht liessen sich die Bäretswiler nicht entmutigen, weiter versuchten sie mit allen Kräften den Anschluss zu erzielen und auch defensiv warf man sich jetzt regelrecht in die Schüsse und schmiss sich an die Schultern der Gegenspieler. G. Meier konnte so gerade noch einen Ball entscheidend wegschlagen – der Schiedsrichter sah jedoch einen Stockschlag und es kam zum Penalty aufs Bäretswiler Tor. Doch auch dieser Penalty wurde vom Torhüter, diesmal auf Bäretswiler Seite, zunichte gemacht. Und so war es doch noch der DT Bäretswil, der durch S. Meier in einer tumultartigen Szene vor dem Tor den Ball zum 5:4 über die Linie stocherte. Und nur knapp danach fischte sich G. Ganz eine Auslösung Cazis‘ und drosch den Ball volley zum 5:5 Ausgleich ins Netz. Bäretswil war zurück im Spiel und alles wieder offen. Nun hatte man wieder Energie und drückte auf die Führung – leider etwas zu forsch, wie sich nur wenige Sekunden nach dem Wiederanspiel herausstellte: Cazis bekam nach einem gescheiterten Bäretswiler Angriff etwas zu viel Platz und konnte nach knapp zehn Minuten in der zweiten Hälfte das 6:5 erzielen. Die letzten zehn Minuten boten dann noch einmal Unihockey vom feinsten: Ballverluste, spektakuläre Paraden, ein weiteres ungenutztes Bäretswiler Powerplay, ein Spiel ohne Torhüter, zunehmende Gehässigkeiten, ein weiteres Bäretswiler Tor (doch leider auch noch drei Cazner) und am Ende dann doch – nach einer Welle der Euphorie die Ernüchterung: Cazis bleibt das stärkere Team und zeigt, warum es auch dieses Jahr zu den Titelfavoriten gehört. Mit einem letztendlich klaren 9:6 Sieg zeigen sie, dass Bäretswil doch noch das gewisse Etwas fehlt. Sei es, dass die Abläufe bis ins Detail klappen (man denke an das eine Gegentor, wo sich die Bäretswiler ganz ohne Strafe nur zwei gegen drei verteidigen mussten, weil ein Wechsel übersehen wurde oder das noch nicht ganz wasserdichte Powerplay), sei es, dass man von Sekunde eins an siegeshungrig auftritt. Aber noch ist nicht alle Tage!
Im zweiten Spiel, das ebenfalls fast pünktlich angepfiffen werden konnte, das Wasser füllte die Halle also nicht weiter auf, empfing der UHC Elgg den DTB. Elgg muss man eigentlich als Team auf Augenhöhe bezeichnen und doch gelang es den Bäretswilern in den letzten zwei Saisons kaum Punkte gegen diesen Kantonsrivalen zu holen.
Das Spiel begann mit langen Einsätzen, während Elgg munter durchwechselte und in Ballbesitz war, musste besonders der erste Block der Bäretswiler lange Minuten dem Ball nachjagen. So war es etwas entgegen dem Spielverlauf, dass E. Meier eine Auslösung Elggs abfangen konnte, sich den Ball büschelte und das 1:0 erzielte. In der siebten Minute – Bäretswil hatte etwas mehr Spielanteile, abgesehen vom ersten Block, der weiterhin eine exzessive Laufarbeit erledigen musste (dieser Aufgabe aber sehr gut gewachsen war, Huber im Tor trug sein Übriges zum Gelingen bei). Und doch kam Elgg nun mehr in Fahrt, zuerst durch ein Powerplay anlässlich einer Strafe gegen Fischer in der siebten Minute, das nach nur kurzer Zeit in den Ausgleich umgemünzt werden konnte, später – ironischerweise beim bis dahin kürzesten Einsatz des ersten Blocks – bei einer schönen Verlagerung zum 2:1 und schliesslich in der 14. Minute durch einen Penalty den der Elgger Spieler mit rassigem Schritt durchzog. So stand es im Spiel 3:1, Bäretswil bekundete sichtlich Mühe mit wenig Ballbesitz und vermochte es nicht den Ball seinerseits gut auszulösen. Es machte sich auch auf der Bank eine gewisse Unzufriedenheit breit, denn man spielte zwar mit, aber halt einfach nicht so gut. So war es vermutlich nicht der schlechteste Zeitpunkt für den Halbzeitpfiff (der nach genau zwanzig Minuten pünktlich erfolgte). In der Pause konnte man sich schnell darauf einigen, welche kleinen Punkte angepasst werden mussten, dann noch ein kurzer Appell an die Körpersprache und schon ging es weiter.
In der 22. Minute durfte Bäretswil erneut in Überzahl ans Werk. Diese gelang besser als noch gegen Cazis: G. Ganz schloss auf Zuspiel von Osterwalder ab und traf. 3:2. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte – nicht einmal G. Ganz, der von sich behauptete „nicht so zwäg zu sein“- war, dass nun die Stunde ebenjenes G. Ganz geschlagen hatte. In der 27. Minute hatte sich Fischer offensiv durchgetankt, fast schon neben dem gegnerischen Tor ausrangiert, als er auf dringlichstes, wiederholtes Zurufen G. Ganzens dann einen präzisen Pass auf dessen Schaufel spielte. Weil G. Ganz schon so lange genau diesen Pass antizipiert hatte, konnte er den Schuss ansetzen und mit einem eiskalten, fast schon grusligmonotonen „Pling“ änderte der Ball seine Richtung und flog, nein schoss das Raum-Zeit-Kontinuum gefährdend in die Maschen zum Ausgleich. Zwei Minuten später lud selbiger G. Ganz sogar zu einer Zugabe, wieder fand Fischer ihn quer auf der anderen Seite und wieder dieser gruslige Klang eines Balles, der mit der vollen Härte getroffen wird. Das Blatt war gewendet, es stand nun 4:3 für die Bäretswiler. Doch auch die schönste Serie kommt zu ihrem (vorläufigen) Ende. In der 29. Minute wurde G. Meier auf die Strafbank verbannt und Elgg liess es sich auch dieses Mal nicht nehmen, die Strafe sogleich zu nutzen und den Ausgleich zum 4:4 zu erzielen. Doch immerhin: Bäretswil hatte zum zweiten Mal an diesem Tag den Schritt vom Rückstand in eine aussichtsreiche Position zu vollziehen, gegen Elgg, wollte man die Punkte auf Biegen und Brechen. So dachte auch Pfiffner, als er hinter dem Tor der Elgger durchlief: „Ein Buebetrickli muss man in der 1. Liga sicher nicht probieren“. Aber auch „Jetzt habe ich schon angefangen, dann mache ich es lieber richtig.“ Und so tat er und so gelang es ihm! Den Mutigen gehört die Welt! Es stand 5:4 für Bäretswil und vier Minuten später lud das Duo Fischer/G.Ganz noch einmal zu einem Leckerbissen, indem diesmal G. Ganz (eben nicht so zwäg) sich für die Zuspiele bediente und Fischer zeigen konnte, dass seine Schüsse denen von Ganz in nichts nachstehen. So hätten die letzten drei Minuten mit einem komfortablen Vorsprung Bäretswils in Erwartung einer Vier-gegen-drei-Überzahl Elggs in Angriff genommen werden können. Doch man entschied anders. Die Meinungen darüber, was zur nächsten Strafe führte sind im Team geteilt: Es gibt Stimmen, die sagen, der vom Feld gehende Block hätte schneller das Feld räumen müssen, damit man den Freistoss schnell ausführen kann, andere sagen, der aufs Feld kommende Block hätte doch noch geschwind nachsehen können, ob man wirklich nur zu dritt auf dem Feld steht und nicht gar etwa zu viert oder fünft. Tatsache war: Über diesen Wechselfehler liess sich mit dem Schiedsrichter schlecht diskutieren, E. Meier nahm die Strafe fürs Team. Und so begann eine viel hektischere Schlussphase, die über weite Strecken mit 4:2 zugunsten Elggs gespielt wurde. Sobald Bäretswil in Ballbesitz kam (das Visier der Elgger war glücklicherweise nicht sehr gut eingestellt) wechselte es auf drei Spieler und konnte so durch Fischer und Osterwalder noch je einen Schuss im leeren Tor unterbringen. Dazwischen waren die Spieler im Boxplay und besonders Huber im Tor aber noch einmal richtig gefordert und auf der Bank bibberte man um den schon fast sicher geglaubten Sieg. Ein weiteres Wechselbad der Gefühle auch im zweiten Spiel. Doch am Ende – man glaubt es kaum – gelang das Kunststück! Bäretswil gewinnt gegen Elgg mit dem etwas zu deutlich wirkenden Resultat von 8:4 und bleibt bei einem Punktequotient von einem Punkt pro Spiel bis auf weiteres auf dem vierten Platz.
Bäretswil: G. Ganz, Huber, Kuratle, G. Meier, Osterwalder, S. Meier, Brodbeck, Webber, J. Ganz, Weissenberger, Moser, E.Meier, Pfiffner, Fischer. Bäretswil ohne Schmitter (abwesend)