„Diesen Bericht möchte ich nicht schreiben müssen“ (M. Huber).

Aber jemand muss, möchte, soll, will, vielleicht sogar kann diesen Bericht schreiben. Das Modalverb ist ja letztendlich egal, es beschreibt allerhöchstens den Modus des Schreibens, die Verfassung, den äusseren Zwang oder inneren Drang, je nachdem – wobei, vielleicht merkt man es diesen ersten Zeilen bereits an, bei mir kann durchaus von einem inneren Zwang gesprochen werden, diesen Bericht zu verfassen, in Worte zu packen, was auf dem Feld nicht geleistet wurde, Bilder zu finden für unaussprechliches. Kurz: Ich mache es halt doch, den Bericht schreiben wollen sollen.

Wer aus dem Zürcher Oberland nach Elsau fährt, begibt sich entweder via Turbenthal-Girenbad oder via Kollbrunn-Schlatt dorthin. Das Eulachtal ist dem Tösstaler oder dem Oberländer überhaupt eine unbekannte Gegend: Wenn dann reist man ja nach Winterthur oder in den Thurgau, dass dazwischen eine nette Landschaft existiert, ganz unberührt und mit exotischen Ortsnamen wie Dickbuch, Tolhusen, Wenzikon oder Waltenstein, das bleibt oft verborgen. Nur schon darum oder vielleicht auch eher nur darum war es nett vom UHC Elgg uns nach Elsau einzuladen, in eine moderne Halle, deren einziger Makel wohl im Nichtvorhandensein von Sonnenstoren besteht, was aber nur kurz und auch wirklich keineswegs entscheidend gestört hat. Auch haben die Zuschauenden für einmal bei einer Elgger Heimrunde viel Platz und den brauchte es, könnte man doch meinen alle Zuschauenden hätten nur auf diese Runde gewartet, um endlich einem Spiel der Bäretswiler beizuwohnen. Gut ganz falsch ist dieser Gedanke mit, fanden doch die 1. Liga KF Runden der Damen im letzten Jahr samt und sämtlich zeitgleich wie die der Herren statt, was den bei Cevi engagierten Freundinnen, Schwestern, Cousinen (und welche familiären Bande da sonst noch bestehen, das ist immer etwas schwierig und es gibt der Fettnäpfchen viele) einiger Bäretswiler Spieler endlich die Möglichkeit gab, einem Spiel zu folgen (Spoiler: Es hat diese Saison schon lohnendere Spiele gegeben).

Als erstes Spiel stand die Begegnung gegen Niederwil an. Niederwil wurde im Dezember noch geschlagen und entsprechend optimistisch sah man auf die Aufgabe. In der ersten Minute nach Spielbeginn wurde doch durch einen ersten Pfostentreffer Niederwils deutlich, dass auch der Gegner Ambitionen auf eine Revanche hatte und Punkte auch in diesem Spiel hart verdient werden mussten. Diese Message wurde von den Bäretswilern nicht nur empfangen, sondern auch postwendend umgesetzt, in der Folge verfügte Bäretswil über 8 Minuten über mehr Ballbesitz, tat mehr fürs Spiel und lief die Bälle in der Defensive konsequent ab. So erstaunte es auch nicht, als S. Meier in der 10. Minute das 1:0 erzielen konnte, nachdem er von R. Weissenberger lanciert wurde und alleine vors Tor gezogen war.

Die Freude währte allerdings nur einen kurzen Moment: Niederwil konnte mit einer Querverlagerung und einem schnellen Abschluss das 1:1 erzielen und quittieren. Der Bäretswiler Modus war aber in diesem Moment klar der des Können Wollens. Eine Strafe gegen Niederwil spielte dem DTB noch zusätzlich in die Hände: Ein sauber aufgezogenes Powerplay, ein Pass von G. Ganz auf R. Weissenberger und ein Abschluss desselben, der zum 2:1 führte, das ist alles, was es über die Sache zu sagen gibt. Und doch blieb Niederwil Bäretswil auf den Fersen. In der 15. Minute gelang den St. Gallern ein wirklich sehenswertes Tor: Zwischen den Beinen von G. Meier hindurch, schön rechts oben in die Ecke wurde der Ball zum 2:2 spediert. Und weiter wogte das Spiel hin und her, Bäretswil war aber weiter konsequent in der Defensive und traute sich den Sieg zu. So konnte G. Meier sich auch sogleich für das Gegentor revanchieren, solo stürmte er an und versenkte den Ball zu neuerlichen Führung zum 3:2 ins weite Eck. In der 18. Minute setzte schliesslich Brodbeck noch einen drauf und erzielte mit einem Drehschuss von rechts das 4:2. Nach der ersten Halbzeit konnte man sich also zufrieden zeigen: Man hielt seine Emotionen im Zaun und war auf dem besten Weg zwei Punkte nach Hause zu tragen.

So begann auch die zweite Hälfte vielversprechend, mit seinem zweiten Tor in diesem Spiel erhöhte R. Weissenberger in der 22. Minute aus der Mitte auf 5:2. Bis dahin war alles in Butter, der Karren lief, die Bahn war gerade, doch jetzt kam Sand ins Getriebe und das nicht zu knapp:

In der 23. Minute konnte J. Ganz den Ball nicht aus der eigenen Zone bringen, blieb hängen und mit wenig Aufwand konnte Niederwil sein drittes Tor erzielen. Fast analog dann auch das 5:4, als wieder ein Niederwiler Stürmer (falsch: nicht irgendeiner, sondern Natistar R. Thaddey persönlich!) sich mit viel Zeit zum Tor bequemen konnte. Niederwil kam nun plötzlich zu Abschlüssen und Bäretswil war nicht nur defensiv passiver sondern bisweilen gänzlich dilettantisch! Ein Drehschuss Niederwils führte zum Ausgleich und Bäretswil war in diesen drei Minuten nicht wiederzuerkennen. Nun kam zur Fahrlässigkeit aber auch noch Pech: In der 27. Minute verschoss Captain Webber einen Penalty und nur kurz kam der grosse Schock im Powerplay. Niederwil entschloss sich, auf ein aggressives Pressing zu setzen und verfolgte R. Weissenberger hinter dem eigenen Tor. Der wendige Jungspund lief, davon, wendete und drehte sich und lief in die Gegenrichtung, bevor der träge Gegenspieler dies jedoch bemerkt und verarbeitet hatte, war der üble Zusammenstoss schon geschehen und R. Weissenberger blieb am Boden liegen. Nun scharten sich zuerst Mitspieler, dann Eltern, dann medizinisches Fachpersonal vor Ort und nach geraumer Zeit auch Sanitäter um ihn. Ins Spital Winterthur ging es schlussendlich, wo ein Schlüsselbeinbruch diagnostiziert und operiert wurde. Robin, wir wünschen dir gute Besserung und hoffen auf ein baldiges Comeback! Nach dem sehr langen Unterbruch wurde das Spiel schliesslich wieder aufgenommen, der noch angeschlagene Osterwalder hatte sich aufgewärmt und lief fürs Powerplay auf (kleiner Einschub: Der DTB war schon etwas reduziert an die Runde gekommen: E. Meier muss wieder mal ins Militär, danke Armee, für die umsichtige Sportförderung! Pfiffner hatte sein Knie im Einsatz mit dem Herren 2 lädiert, eine Diagnose steht noch aus). Zwar konnte Osterwalder mit einem Schuss an die Latte für Aufsehen sorgen, mehr gelang aber im Powerplay nicht mehr. In der 28. Minute spürte sich dann G. Ganz einen Augenblick nicht mehr und ging viel zu spät mit dem Körper in einen Gegenspieler, so dass eine Strafe folgen musste. Und dieses Powerplay konnte Niederwil, das nun definitiv Momentum hatte, ausnützen, 6:5 stand es nach 30 Minuten. Plötzlich rannte Bäretswil nun einem Rückstand hinterher, so war das alles nicht geplant gewesen! Doch Osterwalder, trotz schwächlicher Konstitution, konnte nun aufblühen. In einem weiteren Powerplay erzielte er den Ausgleich zum 6:6 aus der Mitte und in der 37. Minute assistierte er G. Meier fürs 7:6. Nun hätte man denken können, dass Niederwil zu viert anstürmen würde, um den Ausgleich zu erzielen. Aber das war gar nicht nötig. Niederwil konnte einen hohen Pass vors Tor spielen, wo mutterseelenallein ein Stürmer vielleicht mit etwas mehr Glück als Verstand den Ball volley abnahm und ausgleichen konnte. Doch es kam noch dicker: Jetzt wurde wieder ein Penalty für Bäretswil gepfiffen, nachdem D. Weissenberger im letzten Moment von den Beinen geholt worden war. S. Meier machte es spannend und die meisten hatten den Versuch schon abgeschrieben, als der Ball doch noch im Netz zappelte. 8:7 für Bäretswil und nur noch eine Minute zu spielen! Doch 39 Sekunden vor Ablauf des Spiels wurde nun eine sehr harte Strafe gegen S. Meier gepfiffen und Niederwil rannte nun mit vier Spielern gegen das Bäretswiler Boxplay an. Doch Bäretswil konnte den Ballbesitz durch einen Freistoss sichern. Kurz nachdem dieser gespielt war, kassierte nun auch noch G. Meier eine Strafe, wieder sehr hart gepfiffen. 13 Sekunden vor Schluss gelang dann Niederwil doch noch das 8:8 und das Spiel – ein auf und ab, hin und her, fand sein wohl mehr oder weniger gerechtes Ende im Unentschieden.

Zwei Spiele später stand die Begegnung mit Bürglen auf dem Programm. Bürglen hat sich als Angstgegner der Bäretswiler etabliert. Erst ein Sieg konnte gegen die Thurgauer errungen werden, die letzte Begegnung resultierte in einem Unentschieden nach hoher Bäretswiler Führung. Auch nach dem ernüchternden Unentschieden gegen Niederwil wollte der DTB nun endlich auch gegen diesen Gegner punkten. In diesem Spiel gab auch Lütolf sein Debüt im Herren 1 (man hätte ihm ein anderes Spiel gegönnt).

Denn in der vierten Minute konnte Bürglen das 1:0 erzielen. In der siebten das 2:0 und in der neunten das 3:0. Von Bäretswil bis dahin: sehr magere Leistungen. Zwar auf dem Feld, zwar irgendwie am Mitspielen, sicher auch bemüht, aber irgendwie ineffizient, ohne klare Körpersprache, nichts Richtiges und das von allem. Huber zeichnete sich bisweilen mit einem Save aus, aber bei einer mageren Offensive hilft das leider nicht viel. In der 16. Minute erhöhte Bürglen nach einer völlig unkoordinierten Bäretswiler Defensive dann noch auf 4:0 und so langsam bröckelte auch bei den grössten Optimisten die auf der Bäretswiler Bank die Zuversicht. Erst in der 18.(!) Minute gelangen dem DTB erste ernsthafte gefährliche Abschlüsse. Und Bürglen: Bürglen spielte einfach sein Spiel, cool, ohne sich zu verstricken, sicher nicht aufsehen erregend oder gar spektakulär, aber sec und sauber. In der Pause dann Ratlosigkeit, gute Worte, aber im Effekt: Kaum Wirkung – mind over matter stimmt halt dann doch nicht ganz immer. Immerhin, in der 28. Minute bäumte sich Moser auf, nahm die Sache in die eigenen Hände und schloss einen Sololauf zum 4:1 ab. Dann wieder: farbloses Bäretswil. In der 30. Minute wurde man regelrecht ausgespielt und das Score auf 5:1 erhöht. In der 31. Minute bekam man eine Strafe wegen wiederholten Vergehens, die man aber dann schadlos überstand und bald einmal auf vier Feldspieler wechseln konnte. Dort war es wieder Osterwalder (so schlecht geht es ihm also doch nicht), der das 5:2 erzielte. In der 39. Minute vertändelte dann S. Meier noch den Ball als hinterster Spieler und so gelang Bürglen das 6:2. Ein kurzer Bericht zu einer „Nicht-Leistung“ (Y. Webber). Bäretswil will, darf, muss, soll und kann (!) besser. Nächste Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen ist der 8. Februar, wenn in Davos (wieder viele Zuschauer kommen bitte) Tabellen- und Dorfnachbar Emotion Hinwil und Cupfinalist und Heimteam Davos auf dem Spiel- und Speiseplan stehen. Immerhin, von einem Playoffplatz trennen Bäretswil im Moment magere 3 Punkte (rate mal, wo man diese hätte holen wollen/ dürfen/sollen/ müssen/können!).

Bäretswil: Kuratle, Huber; G. Meier, Osterwalder; Brodbeck, S. Meier, Webber; J. Ganz, Moser; G. Ganz, D. Weissenberger, R. Weissenberger, Lütolf. Bäretswil ohne E. Meier (Militär), Pfiffner (verletzt).